Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Eigene Geschichten UPDATE!! Es geht weiter!
Ina [iko]
25.02.2004, 19:22
Ich hatte mal die Idee immer mal wieder (Vielleicht wöchentlich, damit es nicht zu viel wird) einen neuen Part aus meiner Geschichte zu posten und eine Umfrage zu machen, bei der alle mit abstimmen können, ob ich weiter posten soll oder lieber literarisch die Fresse halte.
Okay, denn mach ich das jetzt einfach mal. Bitte alle schön mit abstimmen, denn nur so kann ich Euch immer neuen Stoff bieten.
Dann folgt mit dem nächsten Posting etwas zum Reinlesen.
@all: Ich hab das alleinige Copyright (Notar) auf den Inhalt der Geschichte, sowie deren Verlauf und Namen und Personen, die ich mir selbst ausgedacht hab. Wer klaut wird angezeigt.
Ina [iko]
25.02.2004, 19:27
Widmung:
Ich möchte diese Geschichte all jenen widmen, die, die Gabe des Geschichtenerzählens noch nicht verloren, oder aber für sich wiederentdeckt haben. Insbesondere meine Schwester Carida di Sol, Ayana Nyn, meine Mutter Rhobegni Rhok, die mich in vieler Weise unterstützt oder auf meinen Wegen begleitet haben. Und natürlich Ai-Ruj Nerüsch und Ynnej Nesch, die schon zur Familie gehören und ohne die, die wundervollen Bilder nie entstanden wären und zu guter Letzt meinen Freundinnen Jeanne Schakal und Rain, die den ersten Schritt gemacht und mich somit dazu gebracht haben auch meinen eigenen Weg einzuschlagen.
This is dedicated to all dreamers.
Especially to my favorite japanese Rock-Bands Merry, La’cryma Christi, MUCC, Psycho le Cému, Syndrome, Dir en grey, Pierrot, Glay, L’Arc-en-ciel, Malice Mizer, baroque and many others…
-Arigatô for musical support-
-Desdemona di Nocha-
Ich bin die Finsternis,
bin das Ende der Zeit.
Ich fresse die Seelen,
derer die leiden,
derer die sterben,
derer die mich einen Gott preisen.
Ich bin der Tod auf leisen Sohlen
gehe ich dahin,
komme ich daher,
pflanze ich meine Samen
des Hasses
der Trauer
des Leids.
Ich bin die Finsternis,
bin das Ende der Zeit,
bin das Nichts
der Ewigkeit.
Vorwort:
Meine Hände zittern, mein Atem geht stoßweise, meine Brust bebt... was ist bloß mit mir geschehen? Was geht in meinem Körper vor sich? Bin ich noch Herr meiner selbst? Wer oder was bin ich überhaupt? Ich suchte Antworten auf unzählige Fragen, doch alles was ich fand, war ein bodenloses Fass mit noch mehr Fragen, auf die es Antworten zu finden galt. Und es war nicht unbedingt ein leichtes Los auf Fragen wie: ‚Gibt es Gott wirklich’, ‚Was bedeutet die Welt’, ‚Warum existiert das Sein’ oder gar ‚Warum existiert man selbst’ eine adäquate Lösung zu finden. Vermutlich sollte man sie auch gar nicht finden. Vielleicht war dies das Los der Menschheit; vor etwas vollkommen Unvollkommenem kapitulieren zu müssen. Selbst die Weisen wussten sich keinen Rat, gaben aber dennoch gute Ratschläge.
Das wirst du schon für dich selbst herausfinden müssen, haben sie gesagt. Und ich habe es versucht. Genaugenommen versuche ich noch immer, das Vollkommene in unserem Dasein zu ergründen, und vielleicht werde ich eines Tages auch eine Antwort für mich finden, die mich meinem Ziel ein Stückchen näher führt. Diese Geschichte, in der trotz aller Phantastik ein ziemlich großer Kern der oft nicht gerne gehörten Wahrheit steckt, wird demnach wohl der Weg für mich sein, den ich zu gehen habe. Ich schreibe mir mehr oder minder das Leben von der Seele. So findet dieses Stück meines Inneren seinen Anfang im Januar 1991 und war eigentlich zuerst als Kurzgeschichte geplant, die die wirren Gedankengänge eines spätpubertären Jugendlichen wiedergab. Ich könnte wohl beinahe sagen, diese Erzählung wuchs, während ich sie erzählte, aber dieser weise Spruch stammt vom Meister der mythischen Literatur höchstpersönlich, wie jeder ‚Herr der Ringe’-Fan wohlweislich nachvollziehen können wird. Hier verwendet, mag es wie der verzweifelte Versuch klingen, etwas halbwegs prosaisches zu referieren und über das eigene Unvermögen ein einigermaßen akzeptables Vorwort abzuliefern, hinwegzutäuschen. Jedoch wuchs diese Geschichte tatsächlich mit den Jahren: Aus dem Prolog wurde beinahe das komplette erste Buch und aus der Enzyklopädie über das Alte Volk des Reiches Shi erwuchs ein weiterer Handlungsstrang, der es wert war, näher darauf einzugehen. Besonders der Gegenpol zu unserem Helden Dennis George Miller, die sogenannte Graue Hexe Honuse Desdemona, entwickelte sich von einem faden Wesen ohne Tiefgang, zu einer Person mit bemerkenswert weitreichender Präsenz und vor allen Dingen übermächtiger Stabilität. Diese Magierin hatte Geschehnisse und Schicksalsschläge zu verarbeiten, die einen ausgewachsenen Krieger unweigerlich auf die Bretter schicken würden. Man kam ihr besser nicht zu nahe, hatte man unschöne Geschäfte mit ihr zu erledigen oder versuchte gar ihre Macht zu untergraben. Natürlich kommt hinzu, dass ich gerade dieser Figur ziemlich viel meiner Selbst eingeflößt und sie somit zu einem eigenwilligen Geschöpf gemacht habe. Ich habe sie sozusagen mit einem ganz besonderen Lebenshauch beseelt. Sicher mag es einige Menschen geben, die vielleicht denken könnten, dass diese dunkle Seite meiner Selbst verabscheuenswürdig sei und ich kann dem nur voll und ganz zustimmen, denn ich lebe meine dunkle Seite in Form der Grauen Hexe ohne Rücksicht auf Verluste aus. Warum gerade Dennis George Miller - der nach meinem absoluten Vorbild und Traumtypen Dennis Wilson, leider verstorbener Schlagzeuger der in den Sechziger Jahren überaus erfolgreichen Surfband ‚The Beach Boys’, erfunden ist - so sehr unter dem Einfluss der Grauen Hexe zu leiden hat, kann ich nicht genau erklären. Vielleicht ist die Angewohnheit, Personen, die mir eigentlich viel bedeuten, besonders harte Maßnahmen und Leidensgeschichten durchleben zu lassen, einfach nur eine meiner schlechten Charaktereigenschaften? Nun, wie dem auch sein mag, es bleibt Euch überlassen, wie ihr die nun folgende Geschichte auffasst: Ob sie euch gefällt, zum Nachdenken anregt, oder vielleicht zu konstruktiver Kritik verleitet. Ich hoffe hiermit etwas für die Nachwelt geschaffen zu haben und Euch ein wenig meines verquerten Gedankengutes, meiner dunklen Seele, aber auch meines inneren Lichtes nahegebracht zu haben.
Und denkt immer daran: Das Dasein ist etwas Wunderbares, wenn man etwas daraus macht und vor allem seine Träume pflegt. Also, ihr Träumer da draußen, hört nicht auf zu träumen und schenkt unserer tristen Welt ein wenig Farbe.
-Desdemona di Nocha-
Eine Enzyklopädie über die Entstehung des alten Reiches:
Reise in die Vergangenheit
Ich möchte Euch von einer Zeit berichten, als die Welt noch jung war und der Klang der fahrenden Sänger und Dichter die drückend kalte Herbstluft erträglicher machte. In jener Zeit waren die Legenden des alten Reiches noch nicht gänzlich vergessen und wir Geschichtenerzähler wurden noch unserer Künste wegen geachtet.
Doch der Zahn der Zeit nagte an uns allen und je mehr wir die alten Sagen und Mären aus unseren Köpfen verbannten, desto schneller schwanden sie auch aus unseren Herzen, und der wahre Kern darin begann langsam und unaufhaltsam zu erlöschen.
Doch wir Barden der alten Schule geben uns nicht geschlagen und bäumen uns im letzten Kampf gegen das Vergessen auf, und wir hoffen darauf von jenen gehört zu werden, deren Herzen und Seelen sich uns und unseren Geschichten öffnen, so dass die Märchen wieder wahr werden.
Ihr da draußen, ich flehe Euch an, lasst unsere Kunst nicht aussterben und schenkt mir nur für einen Moment Eure Aufmerksamkeit. Dann werde ich ein wenig tiefer in die Vergangenheit greifen und versuchen, das Dunkel ans Licht zu bringen, sozusagen die Nacht vom Tage trennen und Euch eine Geschichte erzählen, wie Ihr sie nie zuvor gehört habt: Die Geschichte vom Tod des Lichts und seiner Auferstehung.
I. Ein Reich entsteht
Es begann mit der Entstehung der alten Welt. Man vermag nicht genau zu sagen, wie sich die Völkervereinigung des Reiches Shi wirklich entwickelt hat, da jedes Volk des Reiches eine eigene Geschichte zur Entstehung der Welt zu erzählen hatte. Die einen behaupteten, ein Riese namens Gymir habe den Sternenstaub gestohlen und auf seiner Flucht durch das Universum an verschiedenen Orten wieder verstreut, um der Rache der wütenden Götter zu entgehen. Die anderen behaupteten, das Sternenkind habe die Welt erschaffen, indem es den Sternstein ins Nichts schleuderte und somit ein Planet entstand, der genau so blau wie der Stein selbst war und genauso viel Wasser in sich trug – auch die Träne der Sterne genannt, die diese vergossen, als der Bund der Götter brach, gefroren nach der ewigen Kälte, die sich die Göttersippen fortan entgegenbrachten. Und ein Volk soll es sogar gegeben haben, das der Meinung war, die Welt habe keinen Anfang und kein Ende, somit hätte ihrer Ansicht nach dieser Ort schon immer existiert, bis ins unendliche der Urgeschichte hinein.
Wir Barden aber sind uns einig, dass jede Welt einmal jung war und es einen Anfang gegeben haben muss, wie auch immer er ausgesehen haben mag. Sei es, dass in jeder Legende, die die Völker des Staatenbundes sich erzählten, ein Funke Wahrheit spross. Wie diese Welt vor jenem gewaltigen Ereignis ausgesehen haben könnte, das man im Laufe der Geschichte den Urknall nannte, oder den Zusammenstoß der Macht der Götter mit der Welt der Erin, der in Shi ansässigen Menschheit, können wir anhand der überlieferten Sagen und Legenden einigermaßen nachvollziehen. Natürlich liegt es im Sinne eines jeden Barden, seine eigene Version der Dinge darzustellen wie sie ihm persönlich gefällt und so mag es geschehen, dass verschiedene Varianten der gleichen Sage in Umlauf kamen. Im Grunde aber basieren all jene auf den alten Schriften, die der Zerstörung entgangen waren, oder aber den mündlichen Überlieferungen der Überlebenden.
Noch Jahrtausende nach diesem denkwürdigen Ereignis, erinnerten tiefe Krater, Felsspalten und unfruchtbar gebliebenes Land daran. Ich blicke nieder auf den klaffenden Riss einer Felsspalte zu meinen Füßen und versuche deren Ursprung auszumachen. Wie tief mag sie sein? Was gibt es an ihrem Grund zu entdecken? Wie oft schon mochte unsere Mutter Erde zerstört worden sein und wann endlich, würden wir aus unseren Fehlern lernen?
Denn dem Urknall, der Sintflut der biblischen Geschichte gleich, ging das Verhalten der Erin voraus, die sich entgegen den von ihren Göttern erstellten Gesetzen und Geboten verhielten. Die wenigen Überlebenden der Katastrophe sprachen nicht gerne über ihre Verdammnis und so geriet der Sturm der Götter, durch die Unwissenheit der Menschen selbst hervorgerufen, langsam in Vergessenheit. Und ich schüttele den Kopf, denn ich sehe, dass sich nicht vieles seither getan hat, wir haben uns nicht verändert, sondern nur unsere Umgebung hat sich im Laufe der Zeit gewandelt.
Was, dank der alten Schriften jedoch erhalten blieb, war, dass die Bevölkerung munkelte, die alte Welt habe sich aus der dunklen Zeit der Dämonen hervorgeschoben, als die Götter sozusagen noch am Beginn ihrer Entwicklungsgeschichte standen. Einst soll sogar eine ähnliche Bindung zwischen Mensch und Dämon existiert haben, wie man sie später zwischen den Menschen und der Götterwelt vorfindet. Mir selbst bleibt nur anzumerken, dass in der heutigen Zeit eine gewisse Tendenz des Rückschritts angestrebt wird, und ich frage mich, ob wir langsam, so seltsam es klingen mag, zu unseren Wurzeln zurückkehren. Und ich frage mich auch, ob wir Barden der alten Schule unseres dazu beigetragen haben könnten. Natürlich ist es für einen der Unseren der Lohn unserer teilweise harten Arbeit, die Geschichte der Menschheit zumindest in gewisser Weise geprägt zu haben, in guten, wie in schlechten Zeiten. Und ich denke auch, dass es der größte Traum eines jeden Barden ist, seiner Nachwelt etwas Unvergleichliches hinterlassen zu können.
Ich habe die alten Schriften aufmerksam studiert und es könnte sein, dass auch ich meine eigenen Interpretationen in meine Geschichten hineindenke; so mag es vorkommen, dass einige von Euch jene wenigen Legenden und Sagen die uns erhalten blieben, schon in der einen oder anderen Form kennen. Da diese zumeist von den Alten den Jungen mündlich von Generation zu Generation überliefert wurden, ist es auch möglich, dass die Sagen sich im Laufe der Jahrhunderte wie von selbst entwickelten. Insofern können wir uns eigentlich nur auf das stützen, das allgemein bekannt, als die Geschichte des Staatenbundes nach der verheerenden Katastrophe in die Historie eingegangen ist. Das einzige, das wir mit Sicherheit wissen, ist, dass die neue Welt sich aus der alten gewissermaßen hervorgeschält hat, beispielsweise vergleichbar mit dem Schlüpfen eines Schmetterlings aus dem Kokon. Von der Raupe bleibt theoretisch nichts erkennbares zurück und ebenso verhielt es sich mit den Reichen. Doch ein Barde wäre kein Barde, würde er sich nur auf Fakten stützen und dennoch waren auch diese von äußerster Wichtigkeit. Nach der Zeit des Wiederaufbaus gliederte sich der Staatenbund Shis folgendermaßen:
Es gab sieben Hauptländer, sowie deren Herrschaftsgebiete und Fürstentümer, mit ihren jeweiligen Hauptstädten, oder Hauptdörfern. Im Herzen des Staatenbundes lag Ferres, das von den sechs anderen wie ein schützender Ringwall umgeben war. Im Nordosten des Reiches dehnte sich auf der Landkarte unübersehbar das Königreich Aldebaran aus, beherrscht vom ehrgeizigen König Nemores, dessen Begehr es war, Regent über ganz Shi zu werden. Die Mittel zum Sieg derer er sich benutzte, waren im gesamten Reich gefürchtet, ebenso wie das Gerücht, das in den Tagen des großen Krieges die Runde machte; der machtbesessene König, wäre der gefährlichsten aller Waffen habhaft geworden: Dem Sternstein. Im Südosten hatte man wie in allen anderen Ländern auch, von Nemores und seinen Absichten zwar bereits gehört. Doch in Ephra, dem Göttinnenreich, das nach der Göttin der Liebe benannt und ausschließlich von Priesterinnen derselben bewohnt war, hielt man nicht viel von der Panikmache der westlichen Reiche und im Süden war man sich sicher, dass selbst ein Mann wie Nemores niemals einen Fuß auf Chestovar, die Feuerinsel, setzen würde. Das unwegsame, heiße Land der Feuermenschen, das man so nannte, da außer ihnen selbst niemand den hohen Temperaturen gewachsen war, wiegte sich also vor den finsteren Machenschaften des Königs in Sicherheit. Anders ging es im südwestlichen Samana, dem Reich der Nomaden zu, einem ruhigen Volk das unter sich lebte und selten, wenn gar nicht seine Länder verließ. Hier schottete man die Grenzen noch akribischer ab, als es sonst der Fall war. Man wollte kein Risiko eingehen; keine Fremdem im Land dulden, die sich hinterher als des Königs Handlanger entpuppen konnten. Im mittleren Westen lag Yuule, über dessen Bewohner wenig bekannt ist, außer, dass sie eine hoch entwickelte Zivilisation hatten und in Nemores, aufgrund ihrer technischen Überlegenheit keinen ernstzunehmenden Feind sahen. Über beinahe den gesamten Nordwesten erstreckte sich Shea, das Königinnenreich und neben Ephra einzige Land, in dem das Matriarchat herrschte. Auch hier hatte man von Nemores und seinen Absichten bereits gehört und begonnen die Ausbildung der Kriegerinnen und besonders der Wächterinnen der Paläste voranzutreiben. Man wollte schließlich gewappnet sein, würde der vollkommen verrückte Herrscher des Ostens seine Pläne wahr machen und sämtliche Reiche dieser Welt zu unterwerfen versuchen. Im Norden jedoch fühlte man sich ebenso sicher wie auf Chestovar; Caldos, das Land der Polarmenschen, am Polarmeer gelegen, war mindestens ebenso unwegsam und schwer zu erreichen.
Wichtigstes Glied im Staatenbund schien Vessh, ein Fürstentum Ferres, das von König Salon von Vestavail regiert wurde, dessen Herrschaft sich auch auf die übrigen Fürstentümer ausdehnte. Vessh wurde vom Herrschervolk, dem Volk des Windes bewohnt. Wie der Name schon besagt, galt hier der Herr der Winde als Schutzpatron, das Reich stand unter dem Element Luft. Die Stadt der Winde, Talvar, kannte man allerdings nur aus Mythen und Legenden, mit eigenen Augen gesehen hatte man diese bisher nie. Man sagt, sie liege in einer anderen Welt und nur dem Herrn der Winde alleine sei es gestattet sie zu betreten. Salons Hochburg mit dem bezeichnenden Namen Vesshera, die Hauptstadt Vesshs, lag in Roi, das sogar heute im französischen noch die alte Bedeutung ‘König’ behielt. Die Fürstenstädte Aldivan, Som und Croc waren über das Reich verstreut und besaßen nicht die Bedeutung der Hauptstadt, deshalb erwähne ich sie hier nur flüchtig.
Nordes, war das Land der Kleriker und in Sai, dessen größter Stadt, befand sich die große Klerikerschule, die nur für Menschen des Nordvolkes zugänglich war. Hoch im Norden soll der Tempel des Kiliva liegen, des Hortes des Wassers, doch auch ihn hat man als normal Sterblicher nie betreten. Nur der Loch Kiliva, auch der Schwarze See genannt, an dem das Ritual des ‘Kilva Yonde’ vollzogen wurde, war für Menschen zugänglich.
Zaath, das Land der Krieger war weitläufig und karg und man sollte aufgrund der gewaltigen Größe des Südreiches der Auffassung sein, dass die dort ansässige Kriegerkaste, gespalten in drei Stämme, niemals in Konflikte geriet. Doch die Menschen des Südens schienen gerade diese zu suchen und zogen Jahr für Jahr mordend und brandschatzend durchs eigene Land. Das Leben in Zaath glich einem brodelnden Vulkan, dem Ruwyth na Chesne gleich, der im Süden des Landes Lava und Asche spuckte. Über die Kriegerkaste sagt man, sie lebten mit dem Stein verschmolzen, da ihre Städte oftmals in den Fels gebaut und schwer aus dem Gestein hervorzuheben waren. Hier herrschte unverkennbar das Feuer. Die Legende besagt, dass die Hochburg des Meisters des Feuers der Ruwyth na Chesne selbst sein soll, bisher hat sich noch niemand gefunden, diesem Mythos nachzugehen.
In Esta, dem Reich der Erde, hatte die Dunon Livad, auch Felsenburg genannt, ihren Platz. Ansässige Bauern behaupteten hoch oben auf dem Gipfel des Drom Dunon, solle man bei klarem Wetter die Türme der Festung blitzen sehen, doch es gab niemanden, der je versucht hätte diesen Gipfel zu erklimmen. Esta wurde zumeist von Bauern bewohnt, die in einer Art Großfamilien lebten aus denen sich nach und nach Dörfer entwickelten.
Im Herzen Ferres lag das Land der Alten Meister, auch Zan Rùadh genannt. Dorthin schickten die Kleriker junge Priester die nicht aus Nordes stammten. Dieses wunderbare Land wurde von der Shi beherrscht, einer Macht dem das Reich seinen Namen verdankte. Doch was war die Shi wirklich?
II Eins mit der Macht
Man vermag ebenso wenig genau zu sagen was die Shi eigentlich war, denn hinter dem Namen jenes Staatenbundes steckte weitaus mehr als nur die Bezeichnung einer Völkervereinigung. Soviel wir wissen war die Shi eine Kraft, ähnlich der Macht des Kosmos, des Allgegenwärtigen. Die Menschen, die in jener Zeit unter oder mit dieser Macht lebten, machten sich jedenfalls nicht die Mühe herauszufinden, was es genau mit dieser Kraft auf sich hatte. Es genügte ihnen, dass man mit ihr gut lebte und die Vorteile eines erfüllten Daseins genoss. Deshalb bemerkte kaum jemand, als das Gleichgewicht der Shi ins Wanken geriet, sowohl der Völkervereinigung als solche, als auch der Macht selbst. Der Zerfall des alten Reiches hatte begonnen, ohne dass man Notiz davon nahm. Dennoch gab es unter ihnen auch Menschen, die es verstanden, mit der Macht zu leben, sich an ihr zu laben und diese gleichermaßen zu nähren. Ein reges Geben und Nehmen. Man konnte sagen, dass diese wenigen Herrscher sich von der Macht geleitet fühlten, indem sie in Frieden regierten und weise Entscheidungen trafen, die für ihr Land bestimmt waren und nicht für sich selbst. Ebenso aber fühlten sich andere aufstrebende Herrscher dazu berufen, das Reich zu übernehmen, neu zu gestalten und nach ihrem eigenen Dünken zu formen, Insofern gesagt, nichts anderes, als in andere Länder einzufallen, diese zu unterjochen und ihnen den Stempel des eigenen Volkes aufzuzwängen. Grenzen wurden markiert, die einem den Tod bringen konnten, überschritt man sie selbst in friedlicher Absicht. Eine derartige Entwicklung wäre in der Ära des Alten Geschlechtes niemals denkbar gewesen, aber Herrscher kamen und gingen und machten Platz für andere Herrscher, die vielleicht nicht von Idealen geprägt ein Reich zu regieren vermochten, oder aber den falschen Idealen verfielen. So geschah es, dass man die Grenzen anderer Länder und Völker nicht mehr respektierte aber dennoch erwartete, dass diese sich von den eigenen fernhielten. Immer wieder kam es zu aufkeimenden Zwistigkeiten mit den umliegenden Ländern und immer wieder geschah es, dass fremde Truppen in die Länder des Bundes einfielen.
Zu siegen vermochten diejenigen Herrscher mit unreinem Herzen leider nur dadurch, dass sich die Länder des Bundes einander nichts gönnten und gegeneinander arbeiteten. Besonders die Herrscher des Ostens, allen voran König Nemores von Aldebaran, versuchten wieder und wieder die Macht an sich zu reißen. Als deren Gegenpol stand der besonnene Salon Vestavail, der zwar ganz Ferres regierte, jedoch weder mit Gewalt an sich gerissen hatte, noch mit Gewalt darüber herrschte. Die Querelen unter den Stämmen der Kriegerkaste kamen König Nemores sicherlich zugute und so versuchte dieser die Kriegerkaste untereinander aufzubringen, so dass er den Hebel zum Endsieg anzusetzen vermochte. Jedoch rechnete er nicht mit König Salons gerissener Taktik, sich in die Kriegerkaste einzuheiraten. Durch die Eheschließung mit Eshera Mansing aus dem Stamm der Vailen, vom Clan der Marbuch, erkaufte dieser sich einen starken Vorteil und zog somit einen der größten und einflussreichsten Clans der Kriegerkaste auf seine Seite.
Die Macht mochte weise eingesetzt also ein Reich des Friedens wie Vessh hervorbringen, in den Händen eines Tyrannen wie Nemores allerdings erwuchs sie zu einer der tödlichsten und verruchtesten Waffen, die ein Krieg mit sich bringen konnte. Einig mit der Macht...
Man mag sich fragen was eine vollkommene Einheit mit der Macht bedeuten vermochte, oder warum gerade die Länder des Bundes sich zu einem Bund zusammengeschlossen hatten, wenn sie sich untereinander so uneinig waren. Es ist nicht mehr nachvollziehbar und dennoch, gehen wir einfach mal davon aus, dies sei aus einer Notlage entstanden, um in einer Welt wie Shi bestehen zu können. Dann könnte man ebenfalls davon ausgehen, das eine derartige Zusammenkunft in der Not allmählich wieder auseinanderbrechen könnte, wenn der Krieg beendet, der Streit vergessen oder die Situation gemeistert wurde. So bleibt uns nur zu sagen, dass man die Shi wohl mit der Macht aller Mächte gleichsetzen konnte, die weder böse, noch gut war und sich nur so verhielt, wie derjenige, der sie besaß oder zu besitzen versuchte, sie zu nutzen gedachte. Und so beginnt eine der größten Erzählungen unserer Zeit, die mit den Jahren leider beinahe vergessen wurde.
Ina [iko]
27.02.2004, 00:30
Okay, da einige scheinbar Interesse haben, poste ich hier den ersten Teil des Prologs. Da einige Parts nicht ganz Jugendfrei sind (Yaoi lässt grüßen) werde ich diese Parts aus der normalen Geschichte herausnehmen und im Adult-Forum sozusagen als kleines Gimmick posten.
Ina [iko]
27.02.2004, 00:32
Von Licht und Schatten,
die sich unser bemächtigen
und in unseren Herzen Verwirrung stiften.
Doch welcher Seite
Gehören wir wirklich an?
Licht?
Schatten?
Oder gar dem Zwielicht?
Prolog:
Der Paktschluss
Der Rat der Götter
Der Hort der Götter lag in tiefem Nebel eingeschlossen, versteckt in der geistigen Welt, die nie ein Sterblicher betreten, geschweige denn den Palast der Ashma je zu Gesicht bekommen hatte. Mächtige Hallen, aus feinstem weißen Marmor gefertigt; wandernde Hallen, die stetig ihren Standort zu wechseln pflegten und, näher betrachtet, lediglich aus den lichten Gedanken und weisen Träumen der Hohen Acht bestanden. Ein beinahe schemenhaft zu bezeichnender Ort, in einer feinstofflichen Welt.
Langsam lichtete sich der Nebel, als wolle er zum erstenmal in der Geschichte des Universums das Geheimnis jenes mystischen Prachtbaues preisgeben. Die Pforten öffneten sich und gaben den Blick in ein Reich frei, das den Augen des gemeinen Volkes stets verschlossen blieb. Ein hochgewachsener, hagerer Mann schritt mit anmutigen Bewegungen einen langen Säulengang entlang, bis er einen weiteren kaum wahrzunehmenden Durchlass erreichte. Ohne die Tore zum Ratszimmer wirklich zu berühren, öffneten sie sich wie von Geisterhand und der Mann betrat mit leichten, federnden Schritten den angrenzenden Raum. Sein bestimmter doch lautloser Gang sprach von seiner Würde, ebenso wie das lange, seidig glänzende, silbergraue Haar, das er stets offen zu tragen pflegte. Warum hatten sie sich hier eingefunden? Sie die Acht Hohen Götter, Wächter der alten Welt. An einem Ort des Schweigens sollte nun reges Stimmengewirr herrschen? Doch wozu? Er, der Höchste der Götter, der weise Nemmhet, richtete seinen Blick in die Runde, eher er ohne ein Wort zu verlieren am Kopfende der langen Götter-Tafel Platz nahm. Sein Haar floss wie Wasser über seine Schultern und verwob sich mit den zahlreichen Verzierungen der Rückenlehne seines thronähnlichen Stuhles, die sich wie ein Gebilde aus seltsamen, doch faszinierenden Figuren nach oben reckte. Mit einer fahrigen Bewegung strich der Nemmhet sich durch das Haar; einige vereinzelten Strähnen seines silbergrauen Schopfes blieben in den Wirren der Rückenlehne des Thrones haften und ließen diese in sanftem Glitzern erstrahlen.
Noch immer hatte der Höchste der Acht das Wort nicht ergriffen, hatte er Angst die Stille zu brechen? Doch er musste sie des Friedens wegen brechen, denn die Götter waren unzufrieden. So wie die Dinge standen, konnte es keinesfalls weitergehen, dessen waren sie sich bewusst. Doch sie brachten es nicht über das Herz sich jener Rasse zu entledigen, die sich die Erin schimpften. Immerhin hatten sie diese Wesen mit Liebe und Hingabe geschaffen, um der Welt Leben einzuhauchen, doch nun hielten die Erin es nicht weiter für nötig, sich im Einklang mit der Natur weiterzuentwickeln. Sie dachten, dass sie alles wüssten und doch wussten sie nichts. Und sie zogen brennend und mordend durch die Lande und entschieden über Leben und Tod, wie es ihnen beliebte. Wütend gedachte der Höchste der acht Götter der Taten der Erin; er konnte und wollte nicht weiter dulden, was dort unten vor sich ging. Wer mit der Macht des Lebens nicht umzugehen wusste, durfte solch eine Macht erst gar nicht erhalten. Wie dumm nur mochte man sein, die Kraft der Shi derart zu missbrauchen? Wie tief musste man sinken, um sich Nemores, der Großartige nennen zu dürfen?
Der Nemmhet schüttelte den Kopf:
„Ich verstehe diese Menschen nicht ...“
Ephra, die Göttin der Liebe, sprach leise:
„Vergesst nicht, dass er kein Mensch ist. Was wollt Ihr tun?“
„Ich weiß nur eines mit Sicherheit ...“, er hatte sich bereits entschlossen, dem Treiben ein Ende zu setzen und die Erin nicht länger mit dem Götterfunken zu segnen. Natürlich war ihm auch bewusst, dass die Menschen ohne seinen Segen lebensunfähig waren, und der Gedanke daran, sein eigenes Werk vernichten zu müssen, schmerzte den Gott und versetzte ihn in Trauer. Aber ihm blieb keine Wahl: Wollte er, dass alle Wesen in Ruhe und Frieden leben konnten, würde er den größten Störfaktor beseitigen müssen, die Menschheit. Mutter Erde musste von dem Parasiten befreit werden, um zu überleben. „Wir werden darüber sprechen müssen.“
„Sind die Menschen nicht gestraft genug? Ihr Handeln hat die Macht aus den Fugen gerissen und mit ihr das Gleichgewicht der dunklen und der lichten Seite.“
„Du sprichst beinahe wie Ashra, doch sieh Ephra; es ist nicht alleine er, der die Menschen zu diesen Taten treibt: Es ist die Gier nach Macht und Ruhm.“
Ephra verstummte und nickte, sie verstand. So hatte der weise Nemmhet die sechs anderen der Hohen Acht Götter zum Rat berufen und sie versammelten sich stumm und bedächtig um ihn. In die Hallen des ewigen Friedens war erneut das Schweigen eingekehrt, doch es war eine angespannte Stille, wie die Ruhe vor dem Sturm. Wie ein Bann hatte sie sich über die Versammelten gelegt und erst als der Höchste der Acht aufstand und wieder das Wort ergriff, wich die Stille wie ein Schleier von ihnen und der Klang seiner Worte hallte von nicht vorhandenen Wänden und schlängelte sich um zahlreiche imaginäre Säulen der irrealen und dennoch existierenden Welt der Ashma. Unbeschreiblich schön und nur für diejenigen sichtbar, die feinstofflicher als die Götter selbst nicht hätten sein können.
„Nicht schöner als die Welt der Erin.“, murmelte Nemmhet betrübt und erhob sich von seinem Platz. „Brüder und Schwestern, ich bitte Euch, mir zuzuhören. Ich bin nach reichlicher Überlegung zu dem Schluss gekommen, dass ich das Treiben der Erin nicht länger dulden kann.“
„Was haben sie diesmal getan?“, fragte eine zierlich wirkende Frau, die bislang neben ihm gesessen hatte. „Ich hoffe, ich kann etwas tun?“
Nemmhet schüttelte den Kopf:
„Nein Ashra, es tut mir leid. Ich habe dir genug Zeit gegeben, den Erin die Werte des Seins nahe zu bringen, das Leben schätzen zu lernen und wie sie sich angesichts der macht zu verhalten haben. Sie haben nichts daraus gelernt. Nun ist es an der Zeit, dass wir ihnen eine Lektion erteilen, die sie nie wieder vergessen werden.“
„Aber wir können sie doch nicht einfach vom Erdboden vertilgen! Sie, unsere eigene Schöpfung! Wir müssen ihnen doch die Möglichkeit geben sich ändern zu können!“
„Sie hatten die Möglichkeit und sie haben sie nicht genutzt!“, sagte der Höchste der Acht mit kühlem Ton in der Stimme und wand seine Aufmerksamkeit einem bläulich funkelnden Licht zu, das zaghaft hinter seinem Thron schimmerte. Als er darauf zuschritt, begann es mit einem Mal hell aufzustrahlen. Das Licht war seine Verbindung zu den Erin. Was er sah gefiel ihm ganz und gar nicht, „Seht ihr, das ist es, was ich meine. Sie laben sich an unserer Trägheit und lachen über unsere Existenz. Niemand glaubt mehr an uns und unser altes Wissen. Niemand ist mehr an den Weisheiten der Götter interessiert...“
Ein junger Gott meldete sich zu Wort:
„Edler Nemmhet, ich verstehe Eure Beweggründe sehr gut und wahrscheinlich habt Ihr sogar Recht, wenn Ihr den Erin eine Lektion erteilen wollt. Harte Situationen bedürfen harter Maßnahmen. Aber gedenkt Ihr dies wirklich zu tun?“
Nemmhet bedachte den jungen Gott mit strafendem Blick und wand sich wieder seinen Beobachtungen zu. Es schmerzte ihn, jene zu sehen, denen er das Leben zu nehmen gedachte. Aber die Götter hatten ihnen das Recht zu Leben gegeben und sie konnten es ihnen auch wieder nehmen.
„Iman hat recht.“, dachte er und kehrte an die Tafel zurück. Laut erhob er seine Stimme, „Gedenke ich dies wirklich zu tun? ! Wie Ephra bereits anmerkte, hat die entwichene Macht den Erin stark zugesetzt, doch statt aus ihrer Situation zu lernen und endlich Frieden mit sich selbst und der Welt zu schließen, schlagen sie sich gegenseitig die Köpfe ein!“
„Was schlagt Ihr vor, edler Nemmhet?“
„Ich bin in Zweifel geraten,“ sagte der Höchste der Acht mit ruhiger Stimme, „aber ich dachte daran einen Pakt mit dem Dunkel zu schließen.“
„Einen Pakt mit dem Dunkel? !“, rief Ashra entrüstet aus. „Ihr seid wahnsinnig, wir können keinen Pakt mit dem Dunkel schließen, die Meister der Hölle sind unsere Feinde!“
„Was bedeutet schon das Wort ‘Feind’?“, Nemmhet wand sich an einen Gott, mit dem er des öfteren im Zwist lag, „Sind wir Feinde? Gut, wir haben Meinungsverschiedenheiten, aber sind wir deshalb Feinde zu nennen, Illyrian?“
Illyrian schüttelte den Kopf:
„Ich denke, das liegt im Sinne des Betrachters. Ein Feind... was ist das schon. Ihr habt recht edler Nemmhet, wenn Ihr sagt, dass Freund und Feind nahe beieinander liegen.“
„Das habe ich zwar so nicht gesagt, aber du hast dir deine eigenen Gedanken gemacht, das ist gut so.“, der höchste der Götter stand auf. „Die Dämonen sind nicht anders als wir: Krieger in eigenem Ermessen. Ich möchte euch bitten, dass ihr einen von euch auswählt, der die Zeit durchkreuzt, sich unter die Erin mischt und sie eben dieses lehrt.“
„Aber ist dies nicht gegen die Regel des Schicksals? Man sollte die Vergangenheit ruhen lassen und nicht erneut aufwühlen.“
„Sicher, aus einem gewissen Gesichtspunkt magst Du recht haben, Ashra. Doch bedenke, schickte ich niemanden zurück, so wäre es meine Pflicht jegliches Leben auszulöschen. Ich aber möchte denjenigen, die sich dazu bereit erklären, dem Weg des Geistes zu folgen, die Möglichkeit geben, sich über die anderen zu erheben.“, der Höchste der Götter sah sich fragend in der Runde um, „Nun, wer von euch mag diese Aufgabe übernehmen?“
„Ich stelle mich gerne dieser Aufgabe.“, sagte ein junger Mann mit weißem Haar, das manchmal hellblau aufschimmerte und trat zu Nemmhet, „Es ist mir eine Ehre die Erin in unseren Weisungen unterrichten zu dürfen.“
„Gut. Dann wirst du so bald wie möglich aufbrechen müssen, ich möchte nicht noch mehr Zeit verlieren. Und Kyrill...“
„Ja?“
„Die Erin reagieren empfindlich auf Dinge die sie nicht verstehen. Lass sie auf keinen Fall wissen wer du wirklich bist und sei vorsichtig.“
„Das werde ich sein.“
„Und du Illyrian ...“, Illyrian sah auf. „... dich möchte ich bitten ein letztes mal mit den Shinma zu verhandeln.“
„Habt Ihr nicht schon beim letzten mal gesagt es wäre das Letzte mal und das mal davor ebenso?“
„Illyrian, du hast so viel für uns und unser Reich getan, ich bin sicher, dass du auch dieses mal das Beste für uns erreichen wirst.“
„In Ordnung, ich werde ein letztes mal gehen ...“, sagte Illyrian und senkte den Kopf. In Gedanken fügte er hinzu, „Und ein letztes mal für euch leiden ...“
Dann zog sich der Rat der Götter zurück. Die weit geöffneten Pforten zum Palast der Ashma schlossen sich langsam, als wäre mit Illyrian ein guter Freund gegangen. In Wirklichkeit aber war der junge Gott der Vorbote des kommenden Schreckens, ohne es selbst zu ahnen. Nachdem er sich aus den Höhen der Ashma auf die weltliche Ebene niedergelassen hatte, kam auch der Nebel wieder auf, der das Reich der Götter vor den neugierigen Blicken einiger unerwünschter Wesen bewahren sollte.
Ina [iko]
28.02.2004, 16:07
Die Meister der Hölle:
Naj war die finsterste aller Höllen, kalt und unnahbar. Es war als ließe man alles Leben hinter sich zurück und selbst die hartgesottensten Dämonen setzten ungern einen Fuß in das Heiligtum des Dämonengottes Gwydion, das sich inmitten der niederen Höllen befand. Naj war eine Festung gigantischen Ausmaßes, ihre zahlreichen Türme ragten wie die empor gestreckten Finger einer knochigen Hand ins Dunkel des nachtschwarzen Himmels, den niemals ein Sonnenstrahl würde erhellen können.
Illyrian sah auf. Langsam ließ er den Blick an den Türmen hinaufgleiten, er konnte ihre Umrisse nur erahnen. Die Finsternis nahm ihm jegliche Sicht.
„Es würde mich nicht reizen, zu erfahren, was sich hinter dem Dunkel verbirgt.“, dachte er bei sich. Zusammengesunken und am gesamten Körper zitternd stand er vor der Festung, die sich bedrohlich vor ihm erstreckte. Der Eingang zur finstersten aller Höllen lag hinter den halbgeöffneten Pforten, dahinter gab es nichts als gähnende Leere und das Grauen, das spürte er förmlich. Illyrian zögerte, dann aber wagte er den Schritt über die Grenze und erstarrte augenblicklich. Er hatte das Gefühl sein Herz müsse innerlich zerreißen und seine Seele schrie auf. Was ihm aus dem Dunkel entgegenschlug, war nichts als purer Hass und Niederträchtigkeit, die Waffen der Dämonen, mit denen sie versuchten die Erin zu vergiften. Und da war noch etwas das er vernahm, erst leise und wie aus weiter Ferne, doch dann lauter werdend und wie eine Welle durch die Gewölbe rasend. Es brach sich, von der Außenwelt unvernommen, an der Barriere die den Ausgang versiegelte, wie an einer ausgehöhlten Klippe, die vom Leid der Meere sprach.
„Was war das?“, fragte er sich, doch ehe er diesen Gedanken zu Ende gesponnen hatte, war es ihm klar. Es war das Wimmern der gepeinigten Seelen, die tief im Inneren der Naj ein grausames Dasein in den Kerkergewölben fristeten und Höllenqualen litten. Sie schrieen um Hilfe, baten um Gnade, Recht für ihre geschändeten Seelen und hofften auf Rettung, die es für sie aber nicht geben würde, denn sie hatten gesündigt. Illyrian versuchte dies alles von sich zu schütteln, doch es gelang ihm nicht. Eine starke Hand ergriff ihn von hinten.
„Wer bist du Eindringling? !“
Langsam wand der Gott sich um. Vor ihm stand ein beleibter Kerl, mit ungewaschenem, fettigem Haar, von dessen ehemaliger roter Farbe man kaum mehr etwas zu erkennen vermochte. Sein Körper steckte in einer speckigen alten Lederrüstung und sein Aroma verbreitete einen ekelerregenden Duft der in Illyrian Übelkeit verursachte. Er würgte als er die Blicke des Hüters der Naj auf seinem makellosen Körper ruhen sah und dessen schmierigen Finger auf seiner zarten Haut verspürte.
„Mein Name ist Illyrian!“, sagte er barsch und schüttelte die Hand des Hüters ab. „Ich möchte zu Gwydion!“
„Ist nicht da!“, brummte sein Gegenüber. „Was hast du denn mit ihm zu besprechen, vielleicht kann ich dir behilflich sein.“
„Das glaube ich kaum Naj Rellümeun! Wenn Gwydion nicht da ist, führe mich bitte zu seinem Adjutanten!“
„Nemesis trägt zur Zeit die Verantwortung.“, Naj Rellümeun grinste breit. „Du kennst ihn ja, wenn du wirklich Illyrian bist, wie du behauptest.“
Der Gott senkte den Kopf:
„Auch das noch, warum ausgerechnet Nemesis?“
Der Hüter grinste breiter:
„Ja, warum ausgerechnet Nemesis, so ein Pech aber auch!“
Und erneut jagten die Schreie der gepeinigten Seelen durch die Gewölbe der Naj ohne einen Ausweg zu finden, begleitet von Naj Rellümeuns Gelächter.
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Die Meister der Hölle trauten ihren Augen kaum, als einer der acht hohen Götter mit dem Auftrag einen Pakt zwischen den Shinma und den Ashma zu schließen, zu ihnen gesandt wurde.
„Wer bist du, dass du es wagst, uns einen solchen Pakt darzubieten? !“
„Mein Name ist nicht von Bedeutung...“
„Wir wollen wissen mit wem wir verhandeln! Immerhin seid ihr zu uns gekommen und hier unten wird nach unseren Richtlinien verhandelt, verstanden? !“
Der Gott nickte:
„Natürlich.“
„Also, sage uns mit wem wir die Ehre haben zu verhandeln!“
„Mein Name wird Euch nicht viel sagen, aber gut, wenn Ihr es wünscht, werde ich ihn Euch gerne nennen.“, der Gott verbeugte sich. „Ich heiße Illyrian und wer seid Ihr?“
„Mein Name ist Shaar, ich werde dich zu Nemesis geleiten.“
„Nemesis ...“, Illyrian schauderte erneut. In Gedanken fügte er hinzu, „Weshalb schickt Nemmhet immer mich?“
„Nemesis ist der älteste der Shinma. Wenn einer mit dir verhandelt und solche Entscheidungen treffen kann, dann ist er es.“, der Dämon grinste. „Weißt du eigentlich, dass es hier unten ziemlich gefährlich werden kann?“
„Kann ich mir denken.“
„Für Engel und andere Lichtwesen, aber ein Gott wäre eine wohltuende Abwechslung. Ich würde mich an deiner Stelle in Acht nehmen. Du hast nämlich ein verdammt hübsches Gesicht. Ich rate dir, dich an alles zu halten was Nemesis, oder auch die anderen von dir verlangen. Sonst könnte es geschehen, dass dir etwas sehr unangenehmes zustößt!“
Illyrian wich zurück:
„Hör auf, ich sagte, ich kann es mir denken!“
„Das glaube ich kaum. Das könntest du dir in deinen schlimmsten Träumen nicht vorstellen ...“, Shaar schüttelte den Kopf. „... denn, solch dunklen Phantasien würdest du als Gott niemals frönen, habe ich recht?“
„Ich habe gesagt, ich will es nicht hören!“
„Sie werden dich als Lustknaben halten, oder sollte ich besser sagen als Lustgott?“, Shaar kicherte und trieb Illyrian zur Eile an. „Du weißt was das ist?“
„Ja, wer weiß das nicht.“
„Dann sieh dich vor. Du willst doch nicht, dass dir etwas derartiges passiert?“
„Nein, natürlich nicht.“
„Dann komm und halte dich immer hinter mir, dann bist du sicher.“
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Eben noch hatte sich der Stellvertreter des Dämonengottes in obszöner Haltung in dessen Thron gelümmelt, als sein Diener Shaar in den Thronsaal gekommen war und ihm erläutert hatte, dass ein Bote der Götter draußen auf ihn warte. Er habe Geschäfte in der Naj zu erledigen, genaugenommen solle er im Auftrag der Götter einen Paktschluss mit dem Reich der Shinma erwirken. Nemesis ließ den Götterboten bereits seit geraumer Zeit in der Vorhalle schmoren. Er überlegte hin und her, versuchte zu erörtern, was die Götter mit einem solchen Pakt mit dem Dunkel wohl zu beabsichtigen suchten. Langsam erhob er sich aus dem steinernen Thron, den man aus dem Fels der tiefsten der Höllen gemeißelt hatte und wand sich um. Sein Blick glitt über die leichte Erhebung, auf der der Thron seinen Platz gefunden hatte und blieb an den tiefroten Vorhängen haften, die die kahle Felsmauer dahinter bedeckten. Sie sind rot wie Blut, schoss es ihm durch den Kopf, ehe er die drei Stufen hinabstieg, die zum Thron hinaufführten. Nun stand er wohl in jeglicher Hinsicht auf gleicher Ebene mit jenem Mann, der er langsam hereinbeten sollte. Noch einmal ließ sich der Adjutant des Dämonengottes die Sachlage durch den Kopf gehen und überlegte, wie Gwydion in einer solchen Lage wohl gehandelt hätte. Zumindest hätte er sich die Unterbreitung des Boten angehört und dann entschieden, ob er ihn am Leben lässt und den Pakt unterzeichnet, oder dem Burschen die Grütze aus dem Schädel fickt und seinen Körper nach dem Akt gar den niederen Dämonen zum Fraß vorwirft.
Nemesis selbst war von einem Paktschluss nicht sonderlich begeistert. Warum mussten ihn ausgerechnet seine größten Feinde um Hilfe bitten. Er hatte keine Lust sich mit den Ashma zu verbünden und noch weniger gegen diejenigen, die er wunderbar kontrollierte. Die Erin standen unter seinem Einfluss und er verlor nur sehr ungern seine beste Herde. Abschätzend wog er seine Vor- und Nachteile ab und kam zu dem Schluss, dass er nur zu einem Pakt bereit war, würden die Götter in naher Zukunft ihre Finger aus seinem Spiel lassen.
„Schickt ihn herein!“, befahl er seinen Leuten. „Er wartet lange genug!“
Als Illyrian zur Tür hereinschritt erschrak der Dämon. Er hatte mit allem gerechnet, nur nicht, dass sie Illyrian schicken würden.
„Was machst du hier?“
„Ich bin hier, um mit dir einen Pakt zu schließen Nemesis.“, antwortete der Gott und verbeugte sich vor ihm. Auch er ließ den Blick durch den Thronsaal des Dämonengottes schweifen. Angewidert wurde er der zahlreichen bleichen Schädel gewahr, mit denen Gwydion zur Zierde die Wände geschmückt hatte. Manche dienten als Fackelhalter, andere wiederum als Haken für diverse Kleidungsstücke. In der Mitte des düsteren und nur vom Schein der Totenkopffackeln erhellten Raumes stand ein grotesk geformter Tisch. Erst bei näherem Hinsehen bemerkte Illyrian, dass es sich dabei um ein über den Boden kriechendes, menschliches Skelett handelte, auf dessen Rücken man eine gläserne Tischplatte angebracht hatte.
„Ein sagenhaftes Kunststück, nicht wahr?“, bemerkte Nemesis beinahe bedächtig, „Doch leider genauso geschmacklos wie der restliche Plunder hier.“
„Plunder...“, erwiderte Illyrian vorsichtig und besann sich dann seiner Aufgabe, „Der höchste der acht Götter, Nemmhet, schickt mich.“
„Warum dich?“, fragte Nemesis leise und vermied es dabei Illyrian direkt in die Augen zu sehen. Als sich ihre Blicke dennoch trafen, senkte der Dämon den Kopf.
„Ich weiß nicht. Vielleicht dachte er, dass ich dieser Aufgabe gewachsen bin?“, Illyrian grinste kalt. Dem jungen Gott fiel auf, dass Nemesis wegen seiner Anwesenheit verunsichert war und versuchte dieses Manko durch kühles Auftreten zu überspielen. Er verspürte in jenen Momenten eine gewisse Macht über den sonst so selbstsicheren Dämonen und bekam Oberwasser. „Wir haben oft Meinungsverschiedenheiten, trotzdem vertraut er mir blind.“
„Ich hätte nicht damit gerechnet, dich hier zu sehen.“, Nemesis schluckte, er konnte sich trotz seines redlichen Bemühens nicht mehr zurückhalten, so sehr begehrte er den jungen Mann, der in lässiger Haltung vor ihm stand. „Komm her zu mir.“
Illyrian schüttelte den Kopf:
„Nein, das werde ich nicht tun, nicht hier!“
„Wann dann?“
„Schließe den Pakt mit uns und du kannst mich haben, solange und so oft du willst.“
„Was willst du damit sagen?“
„Unterzeichne den Vertrag, und ich lasse dich ran. Ist das so schwer zu verstehen?“
„Du willst, dass ich für den Beischlaf mit dir in Form einer Unterschrift bezahle? Ist das dein Ernst?!“
„So könnte man es sehen.“, Illyrian lächelte provokant, lehnte sich an den seltsamen Knochentisch und schob die Röcke seines Gewandes aufreizend über die bleiche Haut seiner zarten Beine. „Komm schon, ich weiß doch, dass du mehr davon sehen willst. Du willst mich fühlen, dich in mir spüren, das sehe ich an deinem lüsternen Blick.“
„Du meinst es also tatsächlich ernst.“, erwiderte Nemesis gefährlich ruhig, „Hab ich das richtig verstanden?“
„Was denn, der Preis für mich ist doch nicht so hoch, als dass du ihn nicht würdest begleichen können...“
„Du wagst es Ansprüche zu stellen? !“, zischte Nemesis voller Zorn. „Ich kann dich jederzeit haben, solange und so oft ich will! Vergiss das nie. Ich bekomme alles was ich will!“
„Vergiss du nie, dass du Liebe nicht erzwingen kannst!“
Nemesis stürzte vor und ergriff Illyrian beim Kragen:
„Ich bekomme alles was ich will!“
„Ich habe keine Angst vor dir, du kannst mich vergewaltigen, sicher, aber du kannst meinen Stolz niemals brechen. Und du solltest eigentlich wissen, dass gerade du mir gar nichts kannst!“
„Ich bekomme alles was ich will! Sage es mir ins Gesicht! Bitte mich auf Knien darum, dich mir hingeben zu dürfen, denn sonst nehme ich es mir, auf die eine oder andere Weise. Das möchtest du doch nicht, oder?“
Illyrian schluckte:
„Du bekommst alles was du willst.“
„Gut.“, Nemesis ließ ihn los. „Ich werde den Pakt unterzeichnen.“
Illyrian atmete auf und überreichte dem Kaiser der Hölle das zu unterschreibende Papier.
„Wann wirst du da sein?“
„Wann immer du willst.“
„Hier und auf der Stelle!“
„Erst muss ich den Vertrag abliefern.“, Illyrian griff danach. „Dann aber stehe ich dir zur Verfügung.“
„Warte.“
Illyrian wand sich herum:
„Was willst du, ich hab es eilig.“
„Ich lasse dich nicht gehen, ehe ich dir nicht einmal bewiesen habe, dass ich auch ein zärtlicher Liebhaber sein kann.“
Der junge Gott seufzte auf:
„Gut, wenn es das ist, was du dir wünschst, stehe ich dir dieses eine Mal hier zur Verfügung. Aber den Treffpunkt unseres nächsten Stelldicheins bestimme ich.“
„In Ordnung.“, Nemesis legte zärtlich beide Arme um die Hüften des Gottes und trug ihn vorsichtig die Stufen zum steinernen Thron hinauf. Dann breitete er den Umhang, den er bis eben um die Schultern getragen hatte darüber aus und ließ sich mit Illyrian auf dem Schoß nieder. Sie küssten sich leidenschaftlich, Nemesis legte seine kräftigen Hände auf die zarten Wangen des Gottes, die stets eine vornehme Blässe zierte und ließ seine Zunge mit der seines Gegenübers spielen. Liebevoll gab der Dämon seinem Gespielen zu verstehen, dass er für mehr bereit war, indem er dessen Gewänder hochschob und die Innenseiten seiner Oberschenkel zu streicheln begann. Illyrian gab sich den Zärtlichkeiten des Anderen bedingungslos hin, stöhnte leise auf und warf den Kopf zurück. Er war Liebkosungen dieser Art von Nemesis nicht gewohnt, vielleicht genoss er diese sinnlichen Augenblicke gerade deshalb in vollen Zügen, als wären es seine letzten. Dabei war ihm auch klar, dass der Dämon nicht wirklich ihn meinte; Nemesis war in Illyrians zartes Wesen und den göttlichen Körper verliebt, nicht aber in das, was Illyrian wirklich ausmachte. Trotz dieser Erkenntnis ließ der junge Gott es sich nicht nehmen, den Beischlaf mit dem Höllenfürsten in Vollendung zu betreiben... (es geht im Adult Forum weiter)
Ina [iko]
28.02.2004, 16:14
... Nachdem er seine Hosen wieder hochgezogen hatte, lauschte er noch ein wenig dem Gespräch der beiden. Illyrian und Nemesis hatten sich verabredet, sie wollten sich zu einem weiteren Schäferstündchen in der Welt der Menschen treffen, unter einem sternenklarem Himmel miteinander schlafen, die Natur genießen und so weiter. Shaar erkannte in gegebener Situation seine Chance für einen Umsturz der Macht; wenn er Nemesis schon nicht haben konnte, so sollte dieser für seine Abweisung büßen. Illyrian jedenfalls würde den Dämonenfürsten niemals für sich bekommen:
„Ich werde es dir zeigen, dich mit einem Gott einzulassen, du Frevler...“
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An diesem Tag wurde Illyrian von einer Horde maskierter Männer überfallen und vergewaltigt. Sie rissen ihn zu Boden, stinkende grobschlächtige Kerle, die in raue Felle gekleidet waren. Es waren Seelenlose, auch Berserker genannt, die unter Shaars Einfluss standen und dazu bereit waren alles für ihn zu tun. Shaar betrachtete die Szenerie aus sicherer Entfernung, denn er wusste, dass diese Kreaturen zwar unter seiner Befehlsgewalt standen, doch wenn sie in Zerstörungswut gerieten, konnte selbst er sie nicht mehr kontrollieren; er wusste auch, dass sie dann nicht einmal mehr vor ihm Halt machen würden. Ein hämisches Grinsen umspielte seine Lippen, als er die verzweifelten Hilferufe des jungen Gottes vernahm:
„Niemand wird dich hier hören. Spar dir deinen Atem lieber, du wirst ihn noch nötig haben.“
Die Berserker hatten Illyrian mehrere Stunden in ihren Fängen, fünfzehn an der Zahl. Im Reigen der Gewalt, drangen sie immer tiefer in die gepeinigte Seele des sterbenden Gottes ein. Er schrie und flehte sie an aufzuhören, doch Berserker kennen keine Gnade.
Shaar grinste:
„Ich habe doch gesagt, dass ich dir eine Lektion erteilen werde, die du niemals in deinem Leben vergessen wirst, Illyrian. Du hast es nicht anders verdient.“
Der Dämon stand lässig an einen Baumstamm gelehnt und kicherte. Es bereitete ihm eine höllische Freude, den Gott am Boden zu sehen, dessen kurzen, abgehackte Schreie zu hören und er sah mit feurigen Augen das hellrote Blut, das die Felsen hinabrann. Tiefer und tiefer drangen die Berserker in Illyrian ein, bis er das Gefühl hatte zu zerreißen und innerlich entzweizubrechen.
„Sie töten mich!“, seine Gedanken überschlugen sich. Doch war er nicht schon lange tot? Eine zwar lebendige, doch leere Hülle? Seine dahingeschiedene Seele hatte sich längst von seinem gepeinigten Körper getrennt. Er war bereit zu sterben und er wehrte sich nicht mehr. Doch sie hatten nicht die Absicht ihn sterben zu lassen, zumindest noch nicht und sie ließen ihn auch nicht in das Reich der Bewusstlosigkeit hinübergleiten. Shaar sorgte mit seiner Magie dafür, dass dies nicht geschah. „Sie töten mich, wie einst Nemesis mich getötet hat!“
Trotzdem hatte er sich vor wenigen Augenblicken noch wie das blühende Leben gefühlt. Verglichen mit der aufgehenden Blüte einer zartduftenden Rose, so schwand jeglicher Wille des Fortbestehens mit jedem neuen, peinvollen Stoß, den er zu ertragen hatte. Die Hoffnung entfloss seiner beinahe leeren Seele mitsamt jenem roten Lebenssaft, der aus zahlreichen Wunden seines gemarterten Körpers strömte. Er hatte aufgehört zu schreien, selbst dazu war er nun zu schwach.
Die Berserker ließen erst von ihm ab, als er zusammenbrach. Zurück blieb ein gefallener Gott, einem Häufchen Elend gleich. Sein Gesicht war bleich wie der Tod und seine Seele schwarz wie die Nacht. Illyrian nahm diesen Zwischenfall als Strafe an; Strafe für sein schändliches Verhalten die Götter zu betrügen. Er kehrte zu den Ashma zurück, übergab den Vertrag und verlor nie wieder ein Wort über das Geschehene. Und trotzdem er schwieg, schrie seine Seele nach Vergeltung, die sie nie zu erlangen gedachte.
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Nemesis wartete drei Tage auf Illyrian, bis er frustriert zu den Shinma zurückkehrte. Doch er musste feststellen, dass ihm die Pforten zu seiner Heimat verschlossen blieben. Wild hämmerte er gegen die Tore der Naj, doch sie öffneten sich nicht für ihn.
„Wieso?!“, brüllte er laut hinaus. „Wieso lasst ihr mich nicht hinein?!“
Vorsichtig streckten die Wachen die Köpfe über den Zinnen hervor:
„Wir würden, oh Herr, aber wir dürfen nicht!“
„Weshalb? !“
„Er hat es verboten!“
„Wer hat was verboten?!“
„Shaar!“
Nemesis runzelte die Stirn:
„Shaar hat nichts zu sagen, öffnet mir die Tore!“
„Wir können nicht!“
„Ihr nennt euch gestandene Dämonen?“, er verfluchte den Tag an dem er die Naj eines treulosen Gottes wegen verließ. „Warum habt ihr Angst vor ihm?! Er ist ein Nichts!“
„Er hat Macht!“
„Shaar hat nicht viel Macht. Sie kann gebrochen werden, also wehrt euch Männer!“
„Ihr versteht nicht Herr, er hat die Macht des Dämonengottes sein Eigen gemacht!“
Nemesis erstarrte:
„Gwydions Macht?!“
„Ja Herr!“
„Wie ist ihm das gelungen?“
„Wir wissen es nicht. Er scheint einen Handel mit Gwydion eingegangen zu sein!“
„Was für ein Spiel treibt dieser Emporkömmling mit mir?!“, der ehemalige Dämonenkaiser fuhr sich aufgeregt durch das lange schwarze Haar, „Ich hatte ebenfalls einen Pakt mit Gwydion!“
„Nun Nemesis ...“, ein jungenhaftes Gesicht, umrahmt von hellblauem, fast weißem Haar schob sich über die Brüstung. Auf den Zügen des Dämons lag ein spöttischer Ausdruck. „... dein Pakt wurde soeben für nichtig erklärt. Nun bin ich die rechte Hand des Herrschers!“
„Du Bastard ...“, zischte Nemesis. „Wenn du glaubst, ich lasse mich einfach fortjagen, hast du dich getäuscht. Ich werde zurückkehren, und glaube mir, dann ist deine Zeit gekommen! Wir werden uns wiedersehen!“
„Ich hoffe doch, dass du dein Versprechen hältst, damit ich dich eine Lektion lehren kann. Wie wäre es mit Respekt vor dem Adjutanten des Herrschers?!“, Shaar grinste und machte eine abfällige Handbewegung. „Und nun schere dich zum Teufel, aber da du ja bereits in der Hölle weilst, geh mit Gott oder sonst wem, der deine Pfade kreuzt!“
Mit lautem Gelächter verließ Shaar das Tor der Naj und ließ einen vor Wut schnaubenden und kochenden Kaiser ohne Krone und Zepter zurück. Nemesis war bereit den Staub nach jeder kleinsten Scherbe seiner zerbrochenen Macht zu durchsuchen, auch auf die Gefahr hin, sich daran zu schneiden. Er war ein Mann ohne Ängste und er würde alles tun, um seinen Thron zurückzuerobern. Der Tag seiner Rückkehr würde kommen, denn er schwor Shaar ewige Rache und seinem untreuen Geliebten wünschte er den Tod aller Tode, ohne zu ahnen, dass dieser innerlich längst gestorben war.
Ina [iko]
22.03.2004, 18:52
Neunter Zug:
Rökkur
Schatten
Kapitel 1
Charma
Dennis George Miller klappte das Buch, das er bis eben in der Hand gehalten hatte zu. Er schüttelte angewidert den Kopf und stellte es an seinen Platz in der Schulbibliothek zurück:
„Lauter Rumgeficke unter Schwuchteln! So einen Quatsch lese ich nicht! Wie kommt Dina bloß darauf, mir so’n Schrott andrehen zu wollen?!“
Der Titel des Buches war ‚Dimmur’. Vielleicht hätte der junge Amerikaner sich später die Frage gestellt, ob er das Buch vielleicht doch besser hätte lesen sollen, stattdessen widmete er sich seiner Lieblingsbeschäftigung: Dem Saufen. Trotz des allgemeinen Verbots der Schule hatte Denny Miller stets einige Büchsen Bier dabei, die er sich in der Pause gerne zu Leibe führte. So auch an diesem Tag. Um Denny und sein Ego in Worte zu fassen, brauchte es eigentlich nicht viel. Er war der typische amerikanische Sonnyboy, der sich einen Jux daraus machte, im besoffenen Kopf die Mädels aus seiner Gegend auf heißen Poolpartys anzubaggern und meist mit Erfolg abzuschleppen. Trotz seines kompromisslosen Verhaltens waren die meisten Girls dem gutaussehenden Kalifornier verfallen. Sie hätten den Siebzehnjährigen wohl in etwa wie folgt beschrieben:
Denny war die Art Junge, den die Mädchen als Casanova bezeichnen würden. Er sah gut aus, hatte eine ahnsehnliche Figur, gut durchtrainiert zwar, doch nicht zu muskulös, hellblondes Haar, kristallblaue Augen und lustige Sommersprossen auf der Stupsnase. Eines seiner zahlreichen Hobbys war, wie schon gesagt, junge, gutaussehende Mädchen zu verführen; kaum ein Mädchen der Nachbarschaft hatte er noch nicht vernascht, wie er es nannte. Er war erst siebzehn Jahre alt, doch mit allen Wassern gewaschen, intelligent und frech. Eine feinfühlige und sensible Seite hatte er auch, doch die kam fast immer zu kurz, er kehrte lieber den Chauvi raus; die Girls schienen sich daran weniger zu stören. Er war groß und kräftig gebaut, und das liebten die Mädchen, dass sie ihn wahrscheinlich nur seines guten Aussehens wegen mochten, interessierte ihn nicht im Geringsten. Charakter hatte er so gut wie keinen, jedenfalls versteckte er ihn hinter seiner harten Fassade. Er hielt nichts von Treue und Ehrlichkeit und hatte sich bislang nie ernsthaft verliebt. Es waren nur Spielereien, wie er zu sagen pflegte. Doch, da gab es ein Mädchen, das er mochte, wirklich mochte, und das war seine Dina. Mit Dina war er bereits befreundet, lange, bevor die beiden ein festes Paar wurden und mit ihr war der Junge bisher die längste Zeit zusammen. Natürlich hatten auch in ihrer fast perfekten Beziehung immer noch ein paar Abenteuer für ihn Platz, das setzte er voraus. Er schien es zu brauchen untreu zu sein. Es gab auch andere Seiten an dem Siebzehnjährigen. Er liebte es mit an einsamen Stränden im warmen Sand zu liegen, den Untergang der Sonne mit staunenden Augen zu verfolgen und dem Klang der Wellen zu lauschen. Zärtlich konnte er auch sein und die Mädchen an seiner Seite mit selbstgepflückten Blumensträußen überraschen oder an wundervoll einsame Orte führen. Fahrt ins Blaue, Fahrt ins Paradies. Dann war die Zeit mit ihm wunderschön. Nichts konnte einen solchen Nachmittag in den Bergen wettmachen, nichts vermochte sie aus ihrem eigenen kleinen Reich der Träume zurückzuholen, nicht einmal der Ruf eines einsam umherstreunenden Wolfes. OWOOH! Der Ruf der Wildnis. Wild war auch ihr Verlangen: Die Natur um sich, unter sich, den warmen, dampfenden Körper des Partners, liebten sie sich bis zum Morgengrauen.
Die meiste Zeit verbrachte Denny jedoch am Meer. An der See war er zuhause, sein Surfbrett hatte er stets bei sich. Wo konnte man eine bessere Figur machen, als beim Surfen? Er war von sportlicher Natur und liebte es bewundert zu werden. Deshalb tat er verrückte Dinge, die auf ihn aufmerksam machten, so fuhr er fast jeden Morgen mit dem Skateboard zur Schule und scheute es nicht, sich auf dem Highway, frech und verbotenerweise an irgendein Fahrzeug zu hängen um nicht zu spät zu kommen. Spät
dran war er regelmäßig und nicht weniger oft hatte er auf diese Weise den Schulbus überholt. Die Girls kreischten. Denny’s Leichtsinn und seine Vorliebe Leute zu schocken, hörte nicht auf dem Highway auf. Er liebte es die Lehrer zu ärgern und tat allerhand um sie gegen sich aufzubringen. So bestrich er den Lehrerstuhl mit Kleister, platzierte Reißnägel auf den Stühlen verhasster Mitschüler, pinkelte ins Lehrerzimmer und besaß sogar die impertinente Dreistigkeit nackt zur Schule zu kommen. Ein Delikt, für das er beinahe einen Schulverweis kassiert hätte. In der schuleigenen Footballmannschaft liebte er es ebenfalls mit herausragenden, sportlichen Leistungen zu glänzen, denn welches Mädchen, besonders die Cheerleader, liebte es nicht, sich mit dem besten Runningback der Schule zu verabreden oder einen Baseball vom King der Homeruns geschenkt zu bekommen.
Den schwarzen Pickup-Truck, mit dem er gelegentlich zur Schule oder auf Partys fuhr, lieh er sich von Zeit zu Zeit von seinem Vater aus, da dieser oft mit dem Sattelzug unterwegs war. Sein Dad war Fernfahrer und von daher nicht oft zu Hause. Diese Zeit nutzte er aus, zwar dies auch mit einem gewissen Risiko verbunden, da er nie genau wusste, wann der Alte wiederkam. Doch es war ein kalkulierbares Risiko welches er eingehen musste, wollte er nicht als Sissy, eben als Feigling dastehen. Er war zwar manchmal charakter- und taktlos, doch wen hatte das schon zu interessieren. Mit Freuden untergrub er jegliche Autorität, nicht nur Fremden gegenüber, seine eigene umso mehr. Er versteckte sein Innerstes hinter einer Wand aus Stahl, so hart, dass nicht einmal er selber den Zutritt fand. Die Angst davor verletzt zu werden, trieb ihn dazu etwas aus sich zu machen, was er eigentlich nicht war und auch nicht sein wollte. ‘The great Pretender’, wie passend! Er hatte zu lernen, sich selbst und andere zu respektieren, doch es fiel ihm verdammt schwer. Er versuchte sich einer Norm anzupassen, in die er nicht passte, weil er keine Wahl darin sah, sein Ich offen darzulegen, zu sich zu stehen, auf den Tisch zu hauen und zu sagen:
„Das bin ich und kein anderer!“
Doch die Angst die da war, trieb ihn immer wieder zurück, machte aus ihm eine Marionette seiner Selbst. Welcher der zahlreichen Schatten war es, der ihn verfolgte, und welcher war es, der ihn all die Jahre hindurch gefangen hielt? Was hatten diese Träume zu bedeuten, in denen er schwertschwingend durch die Highlands ritt? Aus Angst verletzt zu werden, versteckte er sich. Zweifel zerfraßen ihn, die er mit einer rauen Schale zu überspielen versuchte, doch die Träume gingen nicht, sie kamen immer wieder, Nacht für Nacht. Er fand einfach keine Ruhe. Doch ein Tag in seinem Leben sollte plötzlich alles verändern, neue Eindrücke schaffen und Richtlinien bringen. Es sollte der letzte Tag seines bisherigen, großspurigen Lebens und der erste seines neuen, einem spirituellen Daseins werden. Ein Dasein wie kein anderer, kein Lebender es je hätte führen können.
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Der Motor brummte leise vor sich hin.
„Denny!“, Stille. „Denny!“
Denny blickte sich erschrocken um. Hatte er dort nicht eben eine Stimme gehört? Eine leise, sanfte Stimme, die seinen Namen gerufen hatte?
„Ich muss mich geirrt haben.“, murmelte er vor sich hin, „Stimmen hört man schließlich nicht alle Tage.“
Trotzdem musste er sich vergewissern und fragte noch einmal leise nach:
„Wer ist da?“
Er bekam keine Antwort, nur ein leises Rauschen war hin und wieder zu hören. Ein Geräusch das unmöglich vom Wagen herrühren könnte. Langsam beschlich den Jungen ein ungutes Gefühl. Hatte man in der letzten Zeit nicht in den Nachrichten von einem mysteriösen Killer berichtet, der junge Autofahrer nachts auf dem Highway abschlachtete?
„Ist da jemand? Verdammt, denk ja nicht, dass ich Angst vor dir hätte. Zeig dich!“
Zuerst herrschte Stille, dann ganz leise, plötzlich immer lauter werdend, rief eine Stimme Denny wiederholt seinen Namen:
„Dennis!“
Er erschrak. Wer war da, der seinen Namen kannte, der sich in seinem Wagen versteckte und sich nicht zeigen wollte? Er bekam es mit der Angst zu tun. Denny fuhr den Pick-Up seines Dads an die Randspur des Highways, hielt an und stieg aus.
„Ich werde dich schon finden, du Witzbold!“, dachte er und versuchte sich selbst Mut zuzusprechen, dann öffnete er den Kofferraum. Es war nichts zu sehen, nur ein paar alte Lappen, mit denen sein Vater das Auto immer zu polieren pflegte, lagen verstreut umher. Verwirrt schloss er den Kofferraum wieder und fragte sich, ob er sich nicht alles eingebildet hatte.
„Ich höre schon wieder Stimmen, genau wie letztes Mal. Zu viele Horrorfilme und Dope, schätze ich. Ich mach besser, dass ich zur Party komme. Bin eh viel zu spät dran.“, brummte er und stieg wieder in den Wagen. Den abgebrannten Stummel seines Joints warf er in hohem Bogen aus dem Fenster.
„Ich sollte damit aufhören., fügte er leise hinzu.
Auf der weiteren Fahrt zur Party hörte er die Stimme noch ein paar Mal, doch er nahm sie nicht mehr ernst. Er verbannte sie aus seinem Sinn und schrieb sie seinem übermäßigen Alkoholkonsum und der Wirkung seines Dopes zu. Danach verstummte sie.
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Dinas Zuhause war ein mittelgroßes, doppelstöckiges Haus auf dem Garden Grove Boulevard, mit großem Dachgiebel und von einem wunderschönen Garten umgeben. An diesem Abend sah man von der Pracht der Blumen, die Dinas Mutter so liebte allerdings wenig. Die Dämmerung hatte bereits eingesetzt und Dina hatte die Gartenlampen, die den kurzen Weg zum Hauseingang zierten mit zahlreichen bunten Lampions geschmückt. Das gedämpfte Licht der Partylampen wies den Gästen, die sich zu einer der zahlreichen Partys der Carpenters verirrt hatten, den Weg. Zu diesen Leuten gehörte auch Denny. In freudiger Erwartung drückte er den Klingelknopf und wurde von einem bildhübschen, jungen Mädchen empfangen. Denny hatte die Dame noch nie gesehen und stockte einen Moment.
„Hi.“, sagte das bezaubernde Mädchen an der Tür. „Du musst Denny sein. Brian hat mir schon viel von dir erzählt.“
Denny grinste:
„Ich hoffe nur Gutes.“
Sie grinste zurück:
„Sicher, sehen wir uns nachher?“
Denny schlüpfte aus seinen Schuhen und zog die Jeansjacke aus. Das Mädchen gefiel ihm wirklich sehr gut:
„Wenn du willst. Wo ist Dina?“
Das Mädchen deutete nach hinten:
„Ich glaube sie unterhält sich mit Brian. Er ist ein netter Kerl, aber manchmal leider ein bisschen schwer von Begriff.“
„Er ist mein Freund, ich finde ihn okay.“
„Hi Denny!“, grölten die Gäste von hinten.
„Hi Leute!“, schrie Denny gegen das Chaos, das in Dinas Haus herrschte an. Er liebte die Partys, die Dina ausrichtete, sie hatte wirklich ein Händchen dafür der Jugend ihres Viertels immer wieder etwas Neues zu bieten.
„Hi Denny.“, ein schlankes, junges Mädchen erschien in der Tür und verscheuchte die junge Frau, die Denny zuerst begrüßt hatte. „Nadine, mach ‘ne Fliege. Denny ist mein Freund.“
„Ist ja schon gut.“, murmelte Nadine etwas verstimmt und zog einen Schmollmund. „Ich wollte ihn dir ja nicht wegschnappen. Man wird sich ja wohl noch unterhalten dürfen.“
„Wer ist sie denn eigentlich?“, fragte Denny etwas überrascht. Sah Dina dieses junge Mädchen etwa als ihre Rivalin an?
„Ach die, das ist Nadine Lecomte, irgend so eine Bekannte von Brian. Er hat sie hier angeschleppt. Das ist vielleicht eine eingebildete Kuh und so affektiert.“, Dina machte eine abfällige Handbewegung. „Komm rein und lass dich umarmen, ich hab dich eine Ewigkeit nicht mehr gesehen.“
Sie nahm den Jungen bei der Hand und zog ihn ins Haus. In der Garderobe riss sie ihn an sich und übersäte ihn leidenschaftlich mit stürmischen Küssen.
„Übertreib nicht.“, lachte Denny, „Ich war doch nur eine Woche lang weg, Dina.“
„Das ist lang genug.“
„Was willst du erst machen, wenn ich acht Wochen nach Frankreich in die Ferien fliege?“
„Wann fliegst du denn nach Frankreich?“
„In den nächsten Sommerferien, ich hab eisern dafür gespart. Was sagst du jetzt?“
„Ich werde umkommen vor Sehnsucht.“, sie lachte. „Nein besser, ich komme mit.“
„Das kannst du nicht.“
„Und wieso kann ich das nicht?“
„Mein Vater würde das niemals erlauben, der hat schon ‘nen dreifachen Aufstand geprobt, als meine Tante mich nach Paris eingeladen hat.“
„Was er nicht weiß, macht ihn nicht heiß.“
„Wen?“
„Deinen Vater, du Dummkopf.“
„Und wo willst du wohnen?“
„In einem Hotel, wo sonst. Ich habe das Geld mir ein Hotelzimmer für ein ganzes Jahr mieten zu können, und du kannst mich dann besuchen kommen. Dann werden wir uns Abend für Abend eine Flasche Champagner per Zimmerservice bestellen, Erdbeeren im Wasserbett genießen und das Leben, Leben sein lassen.“
„Was werden wir noch tun?“
„Wir werden im Penthouse im obersten Stockwerk den Sternen zusehen und die Lichter auf der Champs-Elyseé betrachten, den Menschen unten auf der Straße zurufen, was für eine wunderschöne Stadt sie haben und wir werden uns lieben. In der Badewanne, im Lift, auf dem Boden, dem Wohnzimmertisch und in der Bar.“
„In der Bar?“
„In der Bar.“
„Da sieht uns doch jeder.“
Sie lächelte:
„Ist doch egal. Warum sollten die Menschen dieser wunderbaren, romantischen Stadt nicht wissen, dass es zwei Menschen gibt, die aus dem kalten Amerika kommen und sich lieben. Richtig lieben. Verstehst du, was ich meine?“
Denny nickte:
„Ich denke schon.“
„So und jetzt lass dich küssen, wir haben uns so lange nicht mehr gesehen und bis Paris ist es fast noch ein ganzes Jahr.“
Das war seine Dina, wie er sie kannte und liebte. Schön, anmutig und besitzergreifend; es gefiel ihm und nicht anders hätte sie sein dürfen. Denny gefiel dass seine Freundin oft auf Partys lud, denn er hielt sich gerne bei ihr auf. Dinas Eltern waren oft außer Haus, sie konnten tun und lassen was sie wollten und niemand störte sie. Er stieß das Mädchen an:
„Was sagen deine Eltern eigentlich wegen deinen Plänen in Paris?“
Dina wand sich um:
„Du weißt was sie sagen. Sie haben nie etwas gegen das, was ich tue. Kindliche Freiheit nennen sie das. Aber ich bin kein Kind mehr.“
„Sei doch froh, dass dir deine Eltern so viel Freiraum lassen. Was kümmert es dich, dass du kein Kind mehr bist? Wenn mir das die Freiheit gäbe, die ich brauche, würde ich sogar wieder in die Windeln scheißen!"
„Siehst du, das ist der Unterschied, Denny! Dein Vater lässt dich kein Kind mehr sein, vielleicht hat er dich das nie gelassen. Aber meine Eltern begreifen einfach nicht, dass ich keine zwölf Jahre mehr alt bin. Ich werde langsam eine erwachsene Frau und ich möchte auch so behandelt werden!“
„Du fühlst dich nicht ernst genommen, nicht wahr?“
Sie kuschelte sich an ihn:
„Ja, wahrscheinlich ist es das. Ich bin nicht mehr Dina-Krümel, ich bin mehr als das.“
„Ich verstehe.“
Langsam betraten sie das Wohnzimmer, das am Ende des kurzen Flurs lag. Links davon führte eine Pendeltür zur Küche, die so groß war, dass man sie gleichermaßen als Esszimmer nutzen konnte. Heute jedoch befanden sich die meisten Gäste im geräumigen Wohnzimmer. Kuschelten sich auf der gemütlichen Couchecke zusammen, nahmen den einen oder anderen Drink an der Bar ein, die Dinas Vater gekonnt ins Gesamtbild des Raumes eingefügt hatte, oder gönnten sich ein zwei Runden im angenehm kühlen Nass des Pools, der gleich hinter der Terrasse lag. Denny wollte sich eigentlich mit Dina an der Holzbar niederlassen, doch etwas irritierte ihn. Es war ihm bereits aufgefallen, als er den ersten Schritt ins Wohnzimmer gesetzt hatte. Etwas war anders und doch konnte der Junge sich nicht gleich erklären, was genau es war. Er wusste nur, dass das, was ihm früher so vertraut vorkam, mit einem Mal beinahe fremd war. Der Tritt durch die Tür des Wohnzimmers war ihm beinahe erschienen, als betrete er ein anderes, ihm unbekanntes Reich. Als eröffne sich ihm eine neue Dimension, von der er bisher nicht einmal geahnt hatte. Und dann war die Vision plötzlich da: Wo einst die Couchecke mit der Bar stand, weilte nun ein riesiger, uralter Baum. Dieser Baum jedoch kam ihm vor, als würde er ihn bereits seit Jahren kennen; Äonen längst vergangener Zeiten. Und obwohl er nie einen vergleichbaren gesehen hatte, fühlte er sich heimisch. Mochte er in die Zukunft blicken, oder verfolgten ihn wieder seine seltsamen Träume; Schatten der Vergangenheit oder Visionen einer anderen Welt? Mit einem Schaudern dachte er an jene Stimme, die er auf dem Highway vernommen hatte.
„Tree...“, schoss es ihm durch den Kopf. Irgendwo hatte er diesen Namen schon einmal gehört, wenn er sich auch nicht entsinnen konnte, wo. „Wenn ich mich doch nur erinnern könnte.“
„Denny, träumst du?“
Die Stimme riss ihn aus seinen Gedanken. Zuerst dachte er wieder an jene seltsame Stimme, als er jedoch die Augen öffnete, erkannte er, dass es Dina war die ihn zum Tanzen auffordern wollte. Erleichtert atmete er auf.
„Nein, ich träume nicht.“, antwortete er. Er war froh, dass er von den Hirngespinsten, die ihn bis vor wenigen Augenblicken heimgesucht hatten verschont blieb. Denny fühlte sich in Dinas Nähe wohl, sicher und geborgen, fast wie in den Armen einer liebevollen Mutter, und er ließ sich den tollen Abend nicht durch irgendwelche seltsamen Ereignisse versauen.
„Komm.“, Dina lächelte ihm zu und riss ihn auf die Tanzfläche. Er kannte den Song, der gerade lief nicht, das hielt den agilen Jungen jedoch nicht davon ab sein tänzerisches Können unter Beweis zu stellen. „Du tanzt gut.“
„Du weißt doch dass ich tanzen kann.“, Denny grinste verschmitzt, „Jedenfalls hat bisher noch niemand was gegenteiliges gesagt.“
„Und nun etwas, aus den guten, alten Sechzigern!“, dröhnte die Stimme des Entertainers zu ihnen herüber. Sie rockten ein wenig zu den Klängen von Chubby Checkers ‘The Twist’, dann verließ er die Tanzfläche und wand sich der kleinen Bar zu. Alles war wieder wie vorher, doch in seinem Kopf schien nichts mehr zu stimmen. Er tat ihm zum Erbrechen weh.
„Dina, wart mal ‘nen Augenblick.“
„Wo willst du denn hin?“
Stumm wies er auf die Toilette und ging.
„Ich komme gleich zurück.“, murmelte er in den nichtvorhandenen Bart. Irgendetwas hatte sich tief in seinen Schädel gebrannt und bereitete ihm unsägliche Schmerzen. Beinahe hätte der junge Mann es nicht einmal mehr zur Toilette geschafft.
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Die Toilette war noch immer Grasgrün gekachelt, obwohl Dinas Mutter bereits letzten Winter gesagt hatte, dass sie Beige bevorziehe. Normalerweise bekam Dinas Mutter alles was sie verlangte, ohne dass ihr alter Herr mit der Wimper zuckte.
„Vielleicht hat der Alte ihr die Kreditkarten sperren lassen.“, dachte Denny gehässig und setzte sich auf die Klobrille. Er wusste nicht mehr, weswegen er auf die Toilette gegangen war. Wegen der Kopfschmerzen? So schlimm waren sie nicht mehr.
„Gut, dass du gekommen bist.“
War dies die Stimme, die er im Wagen vernommen hatte? Unruhig sah er sich um. Niemand war da, nur er, die Stimme und die verdammten grüngekachelten Wände. Er kam sich plötzlich vor wie in einem Gefängnis.
„Dennis, höre gut zu, was ich dir zu sagen habe, denn ich werde mich nicht wiederholen.“
Wer war da?
„Du bist das fehlende Glied in der Kette. Du gehörst zu den Auserwählten.“
Niemand war da.
„Du bist unser Licht.“
Aber es musste doch jemand da sein ...
„Du bist unsere letzte Hoffnung auf ein besseres Leben in Hellvarainen, dem Land deiner Väter. Du bist der einzige, der der Macht der grauen Hexe Herr werden und sie wieder zur Vernunft bringen kann.“
„Ich werde verrückt...“, er lachte irr. „Mir ist nicht gut.“
Mit einem Mal verspürte er wieder diese starke Übelkeit, die ihm bereits auf der Tanzfläche zugesetzt hatte. Er versuchte tief Luft zu holen, doch es half nicht; er drohte sich zu übergeben. Die Toilettentür war sein einziger Ausweg.
„Ich muss hier raus, an die frische Luft!“, japste er und stolperte zur Tür. „Ich brauche Luft!“
Die Tür war verschlossen.
„Was ist hier los?!“, schrie er auf. „Was um Himmels Willen ist hier eigentlich los?!“
Er stürzte zur Toilette und übergab sich.
„Mir ist so schlecht.“
„Du brauchst keine Angst zu haben, wir haben nicht vor dir in irgendeiner Weise zu nahe zu treten.“
Denny wischte sich über den Mund und sah auf:
„Wer bist du?“
Es kicherte:
„Ich bin Niemand und doch bin ich Jeder. Ich denke, du verstehst das noch nicht, dafür ist die Zeit noch nicht reif.“
„Ich verstehe sowieso nichts.“
„Das wird sich ändern, du wirst sehen.“
„Und was willst du von mir?“
„Das wirst du ebenfalls zu gegebener Zeit erfahren.“
„Wann wird das sein?“
„Wenn die Zeit reif ist.“
„Und wann ist die Zeit reif?!“, schnaubte Denny. „Ich will endlich Antworten, mit denen ich etwas anfangen kann!“
„Die wirst du bekommen.“
Denny hatte seine Übelkeit und seine Furcht überwunden. Nachdem er sein Gesicht gereinigt hatte, fuhr er sich fahrig durch das blonde, kurzgeschnittene Haar und richtete sich auf.
„Sag mir endlich wer du bist und ich sag dir ob du mich mal am Arsch lecken kannst. Ich hab echt keinen Bock deinem blöden Gewäsch zuzuhören!“, sagte er bestimmt und war dabei immer mehr davon überzeugt, unter Wahnvorstellungen zu leiden.
„Du wirst mir wohl oder übel zuhören müssen, sonst wirst du nicht die Möglichkeit haben in unser Reich zu folgen und einen normalen Tod sterben. Da du aber sowieso den Weg der letzten Ruhe gehen musst ...“
Denny unterbrach ihn:
„Wieso den Weg der letzten Ruhe?!“
„Um in eine neue Welt zu gelangen, muss man sich von einer alten verabschieden, in den fast allen Fällen geschieht dies durch den Tod. Die meisten haben aber nicht die Möglichkeit das Reich der Varainen zu betreten. Deshalb werde ich dir sagen wer ich bin. Tritt an den Spiegel und schaue hinein, erschrecke aber nicht.“
Zögernd trat Denny vor den Spiegel. Was er sah, jagte ihm zunächst einen gehörigen Schrecken ein. Aus dem Spiegel blickte ihm ein alter, verhutzelter Greis entgegen, dem das linke Auge fehlte. Erneut stürzte der Junge zur Toilette und übergab sich ein weiteres Mal.
„Das darf doch nicht wahr sein!“, japste er und fuhr sich entsetzt sich mit der linken Hand durch das Gesicht. Er konnte jedoch keine Falten unter seinen Fingern fühlen und sehen konnte er mit dem linken Auge auch noch. Er rieb sich ungläubig über die Augen, wie er es tat, wenn er übermüdet war, doch das Bild blieb.
„Das bin ich.“, sagte die Stimme.
„Das glaube ich einfach nicht!“, ächzte Denny und fuhr sich noch einmal durch das Gesicht, als könne er nicht begreifen was er dort zu sehen bekam. Wer hatte ihm jene Alpträume geschickt? Wer hasste ihn so, dass er versuchte ihn mürbe zu machen? Er war einem Nervenzusammenbruch nahe, soviel war sicher, „Ich träume, das ist ein Alptraum und mein Vater weckt mich gleich daraus auf.“
Er wünschte sich auf einmal zur Schule gehen zu dürfen. Jener Ort, der ihm verhasster nicht sein konnte, schien ihm plötzlich Zuflucht zu bieten. Er wollte diesem Alptraum um jeden Preis entfliehen.
„Dein Vater ist dein Alptraum.“, erwiderte der Greis.
Denny ballte die Fäuste:
„Sag das nie wieder, was immer du auch bist!“
„Was ich bin, dürfte nicht von Belang sein und dich auch nicht sonderlich interessieren. Ich jedenfalls kann dir sagen, dass dies kein Traum ist.“
„Was ist es dann?!“
„Bezeichne es einfach als eine Art Lehrgang, auf den die Auserwählten der Menschheit geschickt werden, um zu lernen und später weiterzureichen, was die Weisen sie lehrten.“
„Was hat das mit meinem Vater zu tun?!“
„Dein Vater ist dein Alptraum.“
Denny schnaubte verärgert auf:
„Du wiederholst dich!“
„Sieh. Deinen Alptraum gestaltest du dir selber. Du bist derjenige, der den Verlauf der Geschichte ändern kann, der die Menschheit zu dem zurückführen kann, was sie einst waren. Wir haben nie aufgegeben euch zusammenzuführen, auch wenn es nicht immer einfach war.“
„Ich verstehe nichts von alledem.“
„Das macht gar nichts, du wirst es verstehen lernen. Aber wie gesagt, deine Zeit ist noch nicht gekommen.“
„Wer sagt euch eigentlich , dass die Menschen eure Hilfe überhaupt wollen?“
„Wir wissen es.“
„Und das reicht?“
„Das reicht.“
„Und wer gibt dir das Recht, mich hier blöd anzulabern?!“
„Gewissermaßen gehörst du zu uns, ich denke, das sagt alles aus.“
Denny wurde wütend:
„Wie meinst du das?! Du bist nicht in mir drin oder?!“
„Nein, mein Freund. Ich weile nicht in dir, um es so auszudrücken. Jedoch Besitz ergriffen habe ich schon von dir, seit du das erste Licht der Welt, den ersten Strahl der aufgehenden Sonne erblickt hast. Deine Geburt war ein besonderer Tag in unserem Kalender.“
Denny grinste:
„Ich bin in der Nacht geboren worden, du Schwachkopf!“
„Ich glaube du weißt, wie ich das meine.“
„Sicher!“, brummte Denny. „Jetzt will ich dir mal was erzählen, mein Freund! Ich bin mitten in der Nacht auf der Route 66 auf die Welt gekommen, weil ich ein paar Tage zu früh kam. Meine Eltern haben es nicht mehr bis ins Krankenhaus geschafft. Wie sollten sie auch, der nächste Ort war Meilen entfernt!“
„Was hat das mit deiner Bestimmung zu tun?“
Denny schrie auf:
„Das fragst du mich?! Du bist doch der gedankenlesende Oberguru! Du solltest meine Bestimmung eigentlich kennen!“
„Gewissermaßen.“
„Dann kannst du mir vielleicht auch sagen, warum mein Vater mich an jenem Abend beinah umgebracht hat! Und sag mir nicht, dass das nicht stimmt. Mein Bruder Michael war fünf Jahre alt, als ich auf die Welt kam, er war alt genug um zu verstehen was er sah!“
„Wenn du es sagst.“
„Mein Vater hat mich mit dem Kopf gegen die Reifen geschlagen, danach haben wir ein Krankenhaus nötiger gebraucht als vorher! Meine Bestimmung ist zu leiden, schon von Geburt an!“
„Dann weißt du also selber welche Bestimmung du hast.“
„Was soll das schon wieder heißen?!“
Das Phantom grinste:
„Ganz einfach, wenn du dich aus diesem Teufelskreis nicht selbst befreist, wirst du auch weiterhin leiden. Du musst diesem Ringelrein ein Ende setzten, denn du bist alt genug um zu entscheiden, wie dein Leben weiterhin verlaufen soll.“
„Du hast doch eben gesagt, dass mein Leben enden wird, oder habe ich da was falsch verstanden?“
„Es trifft nicht ganz so zu, wie du es siehst. Du wirst nur die Ebenen wechseln. Der Tod kann dich niemals ganz auslöschen, zumindest nicht, solange es sich um den körperlichen Tod handelt.“
„Ist ja großartig! Vielen Dank für die Vorstellung. War ‘ne reife Leistung Opa, du hast beinah Frankenstein übertroffen. Würdest du mich nun entschuldigen, ich habe zu tun!“
„Ich denke, du träumst?“
„Und ich denke, ich bin gerade aufgewacht! Kann ich jetzt gehen, ohne dass du Zeter und Mordio schreist?!“
„Was hast du denn so wichtiges zu tun?“
Denny grinste:
„Jedenfalls besseres, als mich mit einem Hirngespinst über nichtexistierende Reiche jenseits von Gut und Böse zu unterhalten. Außerdem muss ich diese Nadine ausfindig machen, die war ja so geil auf mich!“
Das Gesicht verschwand:
„Ich sehe schon, du scheinst mir noch nicht reif genug.“
„Nicht reif genug?! Reif genug zu was?! Ich hatte mehr Girls, als Pierce Brosnan Haare auf der Brust!“
„Genau das meine ich. Du bist noch nicht reif, egal wie sehr du es abzustreiten versuchst. Aber ich denke, du wirst verstehen lernen. Du wirst es müssen, wenn du in einer Welt wie Hellvarainen nicht untergehen willst. Wir werden uns also im Reich der Varainen wiedersehen.“
„Hellvawas?!“, rief Denny. „Heh, du beschissener, alter Knacker!“
Doch so sehr er sich darüber aufregte, das Gesicht im Spiegel blieb verschwunden und ließ ihn unaufgeklärt zurück.
„Diese porös gewordene, alte Mumie. Was bildet der sich eigentlich ein, dieser Zombieverschnitt, da ist Frankensteins Monster ja ansehnlicher!“, er trat vor Wut gegen die Toilettentür; sie zerbrach.
„Jetzt müssen wohl die Handwerker kommen.“, dachte er und grinste fies. „Dann kann die Zicke ja gleich auch die Kacheln austauschen lassen.“
Irgendwie kam ihm das alles sehr seltsam vor, und er hoffte, dass es tatsächlich nur ein Alptraum war aus den er bald erwachen würde.
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