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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Der neue Asterix - Gallien in Gefahr


JPF
22.09.2005, 21:02
Am 14. Oktober erscheint der neue Asterix, Band 33, Gallien in Gefahr (www.asterix.de).

Hoffentlich wird der besser als der letzte. Die deutsche Übersetzung war grauenhaft, die Witze flach und teilweise auf Dinge bezogen, daß man sie in ein paar Jahren gar nicht mehr versteht. Auch die Grundgeschichte war nicht die beste... :(

Inkobus
23.09.2005, 02:10
Genau das hoffe ich auch. Wenn die Witze und Story nicht wieder so aufgebaut sind wie der letzte, dann muss man dem Autoren ein Kompliment machen. Uderzo (ist doch der Überlebende der zwei oder? ) Hat es leider nicht geschafft die Combo der zwei (Gosciny/Uderzo) zu treffen, bin gespannt wie es beim Neuesten wird. Kaufen werde ich ihn mir allemal schon allein um meine Sammlung komplett zu halten :)

JPF
14.10.2005, 19:22
Bei Teutates, was ist das nur für ein Schrott. Ich war ja schon bei Asterix und Latraviata entsetzt, aber das hier !

Die Geschichte beginnt damit, daß alles rings um das Gallische Dorf plötzlich erstarrt ist. Allein Asterix, Obelix, Idefix und Miraculix sind davon verschont, weil sie gerade unter der Wirkung des Zaubertrankes standen.

Grund dafür ist die Ankunft eines Raumschiffes der Tadysylwine, die die Geheimwaffe der Gallier beschlagnahmen wollen, damit sie nicht den bösen NAGMAS in die Hände fällt.

Asterix verläßt nun endgültig das, was sein Erfolgsrezept war. Die Verbindung von modernen Seitenhieben mit historischen Elementen.
Und die Witze sind schlichtweg lahm.

Das ganze soll eine Hommage an Walt Disney (=Tadysylwine) sein. Dementsprechend sind die Außerirdischen Mickey Maus auf gewisse Weise ähnlich. Dazu gibt es Pseudo-Supermänner.
Die bösen Nagmas sind klar auf Mangas bezogen. Der Chef der Bösewichter hat große Augen und eine gelbe Haut. Die Rakete hat ein Samurai-Design. Dazu wird behauptet, daß die Nagmas nur kopieren und sind auch nicht so entwickelt wie die Tadysylwine.

Kurz gesagt, da hat jemand seine Wut auf die asiatische Konkurenz zu Papier gebracht. Und dabei sauber Schrott abgeliefert.

Einziger kleiner Lichtblick: Die deutsche Übersetzung ist besser als bei Latraviata. Man hat auf diese Witze verzichtet, die in ein paar Jahren keiner mehr versteht (" Der echte gallische Druide. Nie war er so wertvoll wie heute"). Dafür ist alles vollgepackt mit Kalauern bis zum Abwinken. Man kann es auch so übertreiben, daß es auf den Wecker geht.

Asterix ist tot. Alea iacta sum.

Maunzilla
14.10.2005, 22:09
Das ist schade. Manche Leute wissen einfach nicht, wann es besser ist, aufzuhören...
Ich denke, ich werde ihn mir nicht kaufen, wohl aber mal einen Blick hineinwerfen.

Inkobus
15.10.2005, 00:04
Habs auch seit heute und finde es ordentlich, aber nicht überzeugend. An die alten Storys kommt es nicht heran.
Zeichentechnisch ist der neue Band über jeden zweifel erhaben - weiterhin. Es sieht alles hübsch aus und hat auch seinen alten Stil.
Aber die Story wirkt irgendwie wie aus der Welt der Gallier der vorigen Bände herausgerissen. Außerirrdische... naja. Schade halt. Was mich noch mehr entsetzt: Da soll noch ein letzter Band folgen irgendwann...

Azumanga
16.10.2005, 12:21
Danke JPF!

Nach der tollen Beschreibung werde ich mich hüten dieses Teufelsheftchen auch nur anzufassen
XD

Kolt
31.10.2005, 09:12
Des ist echt schade was man aus dem neuen Band gemacht hat. Ich meine, auf der ganzen Welt sehnen sich die Fans (zu denen auch ich mich zähle) nach einem neuen Band und dann das. Ausserirdische und Gallier ... das kann nicht passen. Ich habe die ersten Seiten gelesen und habs dann erschüttert zur Seite gelegt. Traurig.

Im übrigen muss ich JPF recht geben. Asterix und Latraviata war schon schlimm. Vorallem die Übersetzung. Ok, ich als Fan der besten Band der Welt (aus Berlin, aus Berlin) hab mich schon amüsiert als die Übersetzer bei deren Liedtexten geklaut haben, aber ansonsten war es einfach nur schlimm.

Takuma
10.02.2006, 04:43
Takuma's Resumee:

http://www.comedix.de/grafik/hefte/band33.jpg


"Asterix - Gallien in Gefahr"
Schund oder adäquate Fortsetzung?

Von der Gewinnsucht der Verlage getrieben hat der alte Uderzo nun noch einmal zum Füllhalter gegriffen und ein weiteres Asterix-Volume auf den Weg gebracht. Wer den neuen Band näher in Augenschein nimmt, den beschleicht allerdings unweigerlich und schon zu Beginn ein ungutes Gefühl: Denn schon das Cover wirkt reichlich unmotiviert und aussagelos. Der kleinwüchsige, schnauzbärtige Gallier wehrt hier einen Blitz per Faustschlag ab, was unfreiwillig den komischen Eindruck erweckt er sei bei Ryu aus "Street Fighter II" in die Lehre gegangen. Im Hintergrund flaniert Obelix mit dem schon obligatorischen Hinkelstein über die Wiesen der gallischen (sprich altfranzösischen) Auen. Auch der Titel glänzt nicht unbedingt durch Einfallsreichtum, denn "Gallien in Gefahr" könnte man so ziemlich für jeden der Bände als Titel wählen. Mit gemischten Gefühlen ob dieser ersten Eindrücke schlagen wir also das Heft auf und die schlimmsten Befürchtungen erfahren grausame Bestätigung.

Der hahnebüchene Plot erweist sich als ideenlose Flickschusterei, in der die zaubertrankgestärkten Dörfler diesmal absurderweise gegen Außerirdische anzutreten haben. Als da wären zum einen die Fraktion unter dem Kommando des ebenso knubbligen wie freundlichen "Tuun" (der mit einer gewaltigen Spaceship-Kugel auf dem blauen Planeten einläuft) sowie die Gegenpartei der hinterlistigen "Nagma" die, in einer martialisch lächerlichen Abart eines Space-Shuttles, auf der Erde der Vergangenheit einfallen. Asterix und seine archaischen Zeitgenoßen ergreifen erwartungsgemäß sofort Partei für den freudlichen "Tuun" und stehen ihm im Kampfe gegen den blechverkleideten Unsympathen (zweifelsfrei bei Greulix in die Lehre gegangen) an der Spitze der "Nagma" zur Seite.

Soweit, so mittelmäßig. Nachdem er sich mit Tränen in den Augen durch diesen verbrieften Ausverkauf eines Kults gelesen hat, fällt dem aufmerksamen Käufer auf der letzten Seite des Heftes dann allerdings noch eine eher unscheinbare Widmung auf. Dort gibt Autor Uderzo seine Cudos an den unsterblichen "Tadsylwine", auch landläufig bekannter als "Walter Disney" ab. Das läßt den denkenden Leser natürlich noch einmal zurückblättern. Und so werden wir gewahr, dass Uderzo hier einige, wenn auch kaum verschleierte Spitzen und Persiflagen angebracht hat. Wer also die gefährlichen "Nagma" sind, die Asterix & Co. hier an's Leder wollen, dürfte nach ein bißchen gedanklichem Buchstabenumstellen wohl jedem gewahr werden. Und der freundliche "Tuun" ist bei genauerem Hinsehen nichts anderes als eine Personifizierung der westlichen "Cartoon"-Landschaft, die dieser Tage unaufhörlich Meter um Meter gegen die Japanimations-Erzeugnisse Boden verliert.

Auch sonst spart der Altmeister des Tricolore-Comics nicht mit Anleihen und Karrikaturen. Die "Tuun" unterstellten Roboter sind unverkennbare Kopien des heutigen kalifornischen Gouverneuers und Ex-Filmstars (was auch wiederholt im Wort noch hervorgehoben wird. So nennt Obelix einen der Droiden z.B. "Schwarzwurz", eine Homage an den realen Namen des Karrikierten) und der bösartige "Nagma" sucht nach dem Zaubertrank als "letaler Waffe" (Wer Mel Gibson und Danny Glover kennt wird wissen woher der Begriff seine Ableitung fand)

Auch der Zeichenstil offenbahrt schnell, das Uderzo langsam die kreative Munition auszugehen scheint. So präsentieren sich sämtliche Posen der bekannten Charaktere als simple (und detailgetreue) Abzeichnungen vorheriger Episoden und hätten ebensogut komplett aus vorhergehenden Bänden herrüberkopiert werden können. Innovation jedweder Art läßt sich hier, auch mit Gutwill, nicht einmal im Ansatz erkennen und Uderzo gibt mit all diesen unzeifelbaren Schwächen ein recht klares Statement ab: Er hat sein Pulver längst verschoßen.


Fazit:
Uderzo hätte es einfach gut sein lassen sollen. Der neue Band ist eine Farce von einer Fortsetzung mit durchschaubaren Anspielungen auf die "Gefährdung" der europäischen Comiclandschaft durch die japanische Konkurrenz, sowie zahlreiche Hollywoodikonen. Der Plot ist vergessenswert und die Zeichnungen schlichter und einfallsloser Raubmord am Genie besserer, alter Zeiten. Der neueste Auftritt der Gallier hinterläßt dank der enttäuschenden (bzw. fehlenden) Klasse einen mehr als faden Nachgescmack. Seit dem Tod von Mitautor Coscinny erlebt die Reihe einen herben Niedergang. - Uderzo sollte es mit diesem hoffentlich letzten Band nun besser endlich gut sein lassen und den Kultstoff des Asterix nicht noch weiter in den qualitativen Grabbeltisch drücken.

Asmodeus
10.02.2006, 07:20
Ich kann Takuma fast überall zustimmen. Ich persönlich sah die Suche nach "letalen Waffen" eher als einen Seitenhieb gegen Bush mit seiner ewigen suche nach Massenvernichtungswaffen.


Im französischen heisst der Band übrigens "Der Himmel fällt uns auf den Kopf" und bei Teutates. Der Himmel scheint Uderzo mehrere Male auf den Kopf gefallen zu sein, wenn er so einem Schund das Prädikat Asterix verleiht.