Sai
10.12.2005, 04:54
Ist mir vor einiger Zeit eingefallen. Kritik bitte in diesen Thread, sie wird nicht fortgesetzt.
Fernab. Auf der Mattscheibe tut sich etwas; er geht wieder auf Sendung. Mit hunderten selbstgemachter Puppen unterhält er ein Publikum von ..ja, wievielen? Man konnte es nicht sagen, nach dem Fallout war jedes Rettungssarkomer, ein hermitsch abgeriegelter Stahlbunker, isoliert gewesen und konnte nur über Funk und Fernsehen kommunizieren. Nie mehr als drei Menschen waren in so einem Cluster eingeschlossen und mittlerweile waren viele gestorben. Sie hielten der Strahlung, die trotz der hohen Sicherheit nicht ganz abgewehrt werden konnte, oder dem psychologischen Druck nicht stand.
In Kapsel Nr.17 sitzt Carol, ein kleines Mädchen, das während des Nuklearalarms in ein leeres Sarkomer gesprungen war und dort allein eingeschlossen wurde. Sie sitzt mit einem schmutzigen rosa Plüschhasen, ihrem einzigen Souvenir aus der alten Welt, und der Hochsicherheitskleidung vor dem Tv-Apparat, während das alltägliche Programm beginnt. Der Puppenspieler erscheint und ihr Daumen wandert sicher zum Mund. Er lässt seine Puppen Witze reissen, Unterrichtsstunden führen und vor allem von Neuigkeiten aus der Aussenwelt erzählen. Niemand weiss, wie es draussen aussieht, doch er scheint jeden Flecken schon gesehen zu haben. Offenbar wurde eine neue Kolonie errichtet und die Späher suchen nach Sarkomeren mit Überlebenden; es gibt wieder Hoffnung. Carol freut sich, bald würde sie ihrem Hochsicherheitssarg entfliehen. Irgendwer wird sie holen und in die neue Welt führen. Zufrieden nimmt sie einen Schluck Orangensaftaromas, während Daniel, zehn Meter weiter, in sein sterilisiertes Bett kriecht; er hat Carol nie gesehen, weder weiss er von ihrer Existenz, doch er ist sich sicher, dass es da draussen noch Menschen gibt. Sein Trick ist, sie anzulocken, sie auf sich aufmerksam zu machen. Dazu sendet er regelmässig Signale aus: eine selbsterfundene Show mit Puppen, die er noch in die Rettungskapsel retten konnte. Er sendet jeden Tag, hofft Aufmerksamkeit zu erlangen, erfindet immer mehr Nachrichten, die es Wert sein könnten, in dieser Region zu suchen, hofft nicht in vergessenheit zu geraten. Tag für Tag versucht er es; frohen Mutes, dass irgendwann irgendjemand sein Signal empfängt. Carol steht auf und macht sich Frühstück. Die Sendung ist zuende, doch sie lässt den Bildschirm sicherheitshalber weiterlaufen ..falls doch noch etwas kommen sollte. Unversehens springt ein Monitor springt an und verkündet „Safety Birthday“
schon zum zwanzigsten Mal, glaubt sie. Könnte auch das einundzwanzigste Mal gewesen sein. Oder das fünfte. Wann nimmt das endlich ein Ende? Sie denkt sich beim Kaffee „Morgen kommen sie sicher“ denkt Daniel beim wegdösen. Beide hoffen auf ein Lebenszeichen von draussen. Doch draussen ist es still, dort wartet nur der Tod.
Und er hat eine Engelsgeduld.
Fernab. Auf der Mattscheibe tut sich etwas; er geht wieder auf Sendung. Mit hunderten selbstgemachter Puppen unterhält er ein Publikum von ..ja, wievielen? Man konnte es nicht sagen, nach dem Fallout war jedes Rettungssarkomer, ein hermitsch abgeriegelter Stahlbunker, isoliert gewesen und konnte nur über Funk und Fernsehen kommunizieren. Nie mehr als drei Menschen waren in so einem Cluster eingeschlossen und mittlerweile waren viele gestorben. Sie hielten der Strahlung, die trotz der hohen Sicherheit nicht ganz abgewehrt werden konnte, oder dem psychologischen Druck nicht stand.
In Kapsel Nr.17 sitzt Carol, ein kleines Mädchen, das während des Nuklearalarms in ein leeres Sarkomer gesprungen war und dort allein eingeschlossen wurde. Sie sitzt mit einem schmutzigen rosa Plüschhasen, ihrem einzigen Souvenir aus der alten Welt, und der Hochsicherheitskleidung vor dem Tv-Apparat, während das alltägliche Programm beginnt. Der Puppenspieler erscheint und ihr Daumen wandert sicher zum Mund. Er lässt seine Puppen Witze reissen, Unterrichtsstunden führen und vor allem von Neuigkeiten aus der Aussenwelt erzählen. Niemand weiss, wie es draussen aussieht, doch er scheint jeden Flecken schon gesehen zu haben. Offenbar wurde eine neue Kolonie errichtet und die Späher suchen nach Sarkomeren mit Überlebenden; es gibt wieder Hoffnung. Carol freut sich, bald würde sie ihrem Hochsicherheitssarg entfliehen. Irgendwer wird sie holen und in die neue Welt führen. Zufrieden nimmt sie einen Schluck Orangensaftaromas, während Daniel, zehn Meter weiter, in sein sterilisiertes Bett kriecht; er hat Carol nie gesehen, weder weiss er von ihrer Existenz, doch er ist sich sicher, dass es da draussen noch Menschen gibt. Sein Trick ist, sie anzulocken, sie auf sich aufmerksam zu machen. Dazu sendet er regelmässig Signale aus: eine selbsterfundene Show mit Puppen, die er noch in die Rettungskapsel retten konnte. Er sendet jeden Tag, hofft Aufmerksamkeit zu erlangen, erfindet immer mehr Nachrichten, die es Wert sein könnten, in dieser Region zu suchen, hofft nicht in vergessenheit zu geraten. Tag für Tag versucht er es; frohen Mutes, dass irgendwann irgendjemand sein Signal empfängt. Carol steht auf und macht sich Frühstück. Die Sendung ist zuende, doch sie lässt den Bildschirm sicherheitshalber weiterlaufen ..falls doch noch etwas kommen sollte. Unversehens springt ein Monitor springt an und verkündet „Safety Birthday“
schon zum zwanzigsten Mal, glaubt sie. Könnte auch das einundzwanzigste Mal gewesen sein. Oder das fünfte. Wann nimmt das endlich ein Ende? Sie denkt sich beim Kaffee „Morgen kommen sie sicher“ denkt Daniel beim wegdösen. Beide hoffen auf ein Lebenszeichen von draussen. Doch draussen ist es still, dort wartet nur der Tod.
Und er hat eine Engelsgeduld.