Kanshin_X
24.03.2004, 14:09
Scar-Narbe
Bemerkungen: Eine unabgeschlossene Geschichte, die aus einigen Gedanken (wie üblich) entstand und von einer Person ohne Erinnerungen handelt... die eigentlich wohl dazu dienen soll, eine solche Person und unsere Umwelt etwas näher zu erläutern... (auch wie üblich)
Widmung: An all jene, die mich vergessen haben, an all diejenigen, die mich nicht vergessen haben... und an alle die einsam sind und gerne nachdenken...jenen Widme ich diese Geschichte ^^
Scar
Viele Stimmen waren zu hören, sie schienen aufgeregt zu sein, sie schienen sich um mich zu versammeln und sich wieder zu entfernen, wer waren „sie“?! Ich wollte diese Frage laut aussprechen, doch nichts bewegte sich, kein Laut drang aus meiner Kehle, ich konnte nichts tun, war hilflos. An irgendetwas wollte ich jedoch denken, ja, an irgendetwas musste ich mich erinnern... irgendein Name, eine Person... aber wer? Ich sah ihr Gesicht nicht mehr vor meinem geistigen Auge, das Lächeln hatte sich verflüchtigt, alles hatte sich aufgelöst! Ich besaß keine Erinnerung mehr, es gab nichts mehr, dass ich wusste, nichts, was ich erinnerte... nur, dass ich mich erinnern sollte! An jene Person, die mich angelächelt hatte... ja, wer bist du? Sag es mir... ich bitte dich –und es wird meine letzte Bitte sein- sag, wer du bist.......
„Ah.. er kommt zu sich!“ Ich vernahm diese Worte und sah ein Licht über mir, irgendwo in der Ferne. Ich erinnerte mich nicht. Wo war ich? Wem gehörte diese Stimme? Was war geschehen? Wo...wo... „Wieso „wo“?“ fragte ich mich in Gedanken und konnte –egal wie sehr ich auch versuchte mich zu erinnern- nicht herausfinden, warum ich mich das fragte. Zu jenem Zeitpunkt hatte ich die lächelnde Person vergessen, an die ich mich unbedingt erinnern musste... ich hatte vergessen, wer ich war.... vergessen, was mein Ziel gewesen war... und in diesem Augenblick begann meine Geschichte, eine dieser tieftraurigen Schicksale, eine Geschichte, an die ich mich später nicht mehr erinnern würde...
Ich öffnete langsam die Augen und wollte sie zugleich wieder schließen, da mir das Licht ungemein grell und schmerzend vorkam. „Wie geht’s dir?!“ empfing mich erneut die Stimme, bei der ich inzwischen davon ausgehen konnte, dass sie einem Mann gehörte. Ich antwortete nicht und schwieg zunächst, ich hatte das Gefühl, dass es unmöglich sei, eine Antwort zu geben. Doch erstaunlicherweise brachte ich im nächsten Moment einen Laut von meinen Lippen und schien selbst erstaunt darüber zu sein, wie meine Stimme klang. Es war eine tiefe Stimme, eine Stimme, die düster und eisig klang, eine Stimme, die ich nie zuvor vernommen hatte, jedenfalls glaubte ich das zu wissen. „Alles in Ordnung?“ fragte mich die Person erneut und in unglaublicher Langsamkeit brachte ich ein schwaches Nicken zustande. Natürlich war nichts in Ordnung... und ich fragte mich, wie man mir bloß so eine Frage hatte stellen können. Trotzdem betrachtete ich den Mann, der neben meinem Bett, in dem ich zu liegen schien, stand nicht mit Verärgerung oder gar Wut, sondern mit reiner Neugierde, die mich zugleich zu einer Frage veranlasste: „Wer... bin ich?“
„Er hat also alles vergessen?“ die Ärztin blickte mit einer Mischung aus Besorgtheit und Gleichgültigkeit in das Gesicht des älteren Mannes, der gerade berichtet hatte, was er von dem Jungen vernommen hatte. Er war bereits relativ alt, jedenfalls dachte er so, und hatte die größten Sorgen des Lebens bereits hinter sich gelassen. Seine Kinder waren verstorben und seine Frau hatte eines Tages die Koffer gepackt und war irgendwohin verschwunden. Er hielt sich nun mit seiner kargen Rente über Wasser und hatte „ihn“ vor seiner Hütte, die oberhalb der Kleinstadt auf einem der Berge gebaut war, gefunden und hierher gebracht. Er blickte nun etwas verloren der Ärztin hinterher, die ihm scheinbar kaum zugehört hatte und drehte sich um, um noch einmal den langen Gang zu betrachten, von dem die einzelnen Krankenzimmer abzweigten. „Was würde wohl der Junge machen, wenn er wieder gesund war? Würden sich seine Eltern hier melden? Würde er allein bleiben?“ Der Mann rätselte einige Zeit über die Antwort auf diese Frage. Doch dann wandte er sich wieder um und ging auf den Ausgang zu, schließlich war es nicht sein Problem, was aus jenem Jungen werden würde...
„Er ohne Namen“, wie ich nun vorerst unter den Ärzten bekannt war, genas schnell ohne größere Zwischenfälle von meinen leichten Verletzungen, die ich mir auf unbekannte Art und Weise zugezogen hatte. Doch die Erinnerung, die ich so dringend benötigte, wie ich glaubte, wollte einfach nicht zurückkehren und auch gingen keine Vermisstenanzeigen in der kleinen Stadt ein, meine Existenz und Herkunft blieb vorerst ein ungelöstes Rätsel für alle Beteiligten. Schließlich war ich es irgendwann Leid als der „Namenlose“ von allen bezeichnet zu werden und dachte darüber nach, wie wohl mein Name einst gelautet hatte bzw. ich jetzt heißen konnte. Vom Aussehen her konnte ich überall herkommen, auch wenn ich –soweit man den Aussagen einiger Krankenschwestern trauen konnte- außergewöhnlich gut aussah und zudem etwa 16 Jahre alt sein mochte.
An einem verregneten Tag im April schließlich war mein Bett leer und die Station verlassen und keiner konnte sich einen Reim darauf machen, wohin ich plötzlich verschwunden sein mochte. Als einzige Maßnahme wurde ich als vermisst bei der örtlichen Polizei gemeldet, die mich jedoch erfolglos suchte und die Suche nach kurzer Zeit einstellte. Wen interessierte hier schon ein namenloser Junge?! Und kein Bewohner der kleinen Stadt dachte so nach kurzer Zeit noch über „mich“ nach... keiner? Doch, der alte Mann las von Zeit zu Zeit noch in den Meldungen der Zeitung, ob ich nicht doch gefunden geworden sei.
Sie blickte freundlich lächelnd auf das Titelbild einer drei Monate alten Provinzzeitung, auf dem ein Junge abgebildet war, der etwas hilflos in die Kamera lächelte. Endlich hatte sie ihn dorthin gebracht, wo sie ihn sehen wollte und sie fragte sich, ob er sich erinnern würde, immerhin waren sämtliche Erinnerungen gelöscht worden. Sie dachte viel darüber nach und kam zu dem Schluss, dass er sich bestimmt erinnern würde, ja, er musste sich einfach irgendwann erinnern... spätestens bei ihrem Zusammentreffen, das noch in weiter Ferne liegen mochte. Trotzdem schien auch sie nur ein winziges Rädchen im Getriebe des Ganzen zu sein, das ein noch unbekanntes Bild darstellte....
Bemerkungen: Eine unabgeschlossene Geschichte, die aus einigen Gedanken (wie üblich) entstand und von einer Person ohne Erinnerungen handelt... die eigentlich wohl dazu dienen soll, eine solche Person und unsere Umwelt etwas näher zu erläutern... (auch wie üblich)
Widmung: An all jene, die mich vergessen haben, an all diejenigen, die mich nicht vergessen haben... und an alle die einsam sind und gerne nachdenken...jenen Widme ich diese Geschichte ^^
Scar
Viele Stimmen waren zu hören, sie schienen aufgeregt zu sein, sie schienen sich um mich zu versammeln und sich wieder zu entfernen, wer waren „sie“?! Ich wollte diese Frage laut aussprechen, doch nichts bewegte sich, kein Laut drang aus meiner Kehle, ich konnte nichts tun, war hilflos. An irgendetwas wollte ich jedoch denken, ja, an irgendetwas musste ich mich erinnern... irgendein Name, eine Person... aber wer? Ich sah ihr Gesicht nicht mehr vor meinem geistigen Auge, das Lächeln hatte sich verflüchtigt, alles hatte sich aufgelöst! Ich besaß keine Erinnerung mehr, es gab nichts mehr, dass ich wusste, nichts, was ich erinnerte... nur, dass ich mich erinnern sollte! An jene Person, die mich angelächelt hatte... ja, wer bist du? Sag es mir... ich bitte dich –und es wird meine letzte Bitte sein- sag, wer du bist.......
„Ah.. er kommt zu sich!“ Ich vernahm diese Worte und sah ein Licht über mir, irgendwo in der Ferne. Ich erinnerte mich nicht. Wo war ich? Wem gehörte diese Stimme? Was war geschehen? Wo...wo... „Wieso „wo“?“ fragte ich mich in Gedanken und konnte –egal wie sehr ich auch versuchte mich zu erinnern- nicht herausfinden, warum ich mich das fragte. Zu jenem Zeitpunkt hatte ich die lächelnde Person vergessen, an die ich mich unbedingt erinnern musste... ich hatte vergessen, wer ich war.... vergessen, was mein Ziel gewesen war... und in diesem Augenblick begann meine Geschichte, eine dieser tieftraurigen Schicksale, eine Geschichte, an die ich mich später nicht mehr erinnern würde...
Ich öffnete langsam die Augen und wollte sie zugleich wieder schließen, da mir das Licht ungemein grell und schmerzend vorkam. „Wie geht’s dir?!“ empfing mich erneut die Stimme, bei der ich inzwischen davon ausgehen konnte, dass sie einem Mann gehörte. Ich antwortete nicht und schwieg zunächst, ich hatte das Gefühl, dass es unmöglich sei, eine Antwort zu geben. Doch erstaunlicherweise brachte ich im nächsten Moment einen Laut von meinen Lippen und schien selbst erstaunt darüber zu sein, wie meine Stimme klang. Es war eine tiefe Stimme, eine Stimme, die düster und eisig klang, eine Stimme, die ich nie zuvor vernommen hatte, jedenfalls glaubte ich das zu wissen. „Alles in Ordnung?“ fragte mich die Person erneut und in unglaublicher Langsamkeit brachte ich ein schwaches Nicken zustande. Natürlich war nichts in Ordnung... und ich fragte mich, wie man mir bloß so eine Frage hatte stellen können. Trotzdem betrachtete ich den Mann, der neben meinem Bett, in dem ich zu liegen schien, stand nicht mit Verärgerung oder gar Wut, sondern mit reiner Neugierde, die mich zugleich zu einer Frage veranlasste: „Wer... bin ich?“
„Er hat also alles vergessen?“ die Ärztin blickte mit einer Mischung aus Besorgtheit und Gleichgültigkeit in das Gesicht des älteren Mannes, der gerade berichtet hatte, was er von dem Jungen vernommen hatte. Er war bereits relativ alt, jedenfalls dachte er so, und hatte die größten Sorgen des Lebens bereits hinter sich gelassen. Seine Kinder waren verstorben und seine Frau hatte eines Tages die Koffer gepackt und war irgendwohin verschwunden. Er hielt sich nun mit seiner kargen Rente über Wasser und hatte „ihn“ vor seiner Hütte, die oberhalb der Kleinstadt auf einem der Berge gebaut war, gefunden und hierher gebracht. Er blickte nun etwas verloren der Ärztin hinterher, die ihm scheinbar kaum zugehört hatte und drehte sich um, um noch einmal den langen Gang zu betrachten, von dem die einzelnen Krankenzimmer abzweigten. „Was würde wohl der Junge machen, wenn er wieder gesund war? Würden sich seine Eltern hier melden? Würde er allein bleiben?“ Der Mann rätselte einige Zeit über die Antwort auf diese Frage. Doch dann wandte er sich wieder um und ging auf den Ausgang zu, schließlich war es nicht sein Problem, was aus jenem Jungen werden würde...
„Er ohne Namen“, wie ich nun vorerst unter den Ärzten bekannt war, genas schnell ohne größere Zwischenfälle von meinen leichten Verletzungen, die ich mir auf unbekannte Art und Weise zugezogen hatte. Doch die Erinnerung, die ich so dringend benötigte, wie ich glaubte, wollte einfach nicht zurückkehren und auch gingen keine Vermisstenanzeigen in der kleinen Stadt ein, meine Existenz und Herkunft blieb vorerst ein ungelöstes Rätsel für alle Beteiligten. Schließlich war ich es irgendwann Leid als der „Namenlose“ von allen bezeichnet zu werden und dachte darüber nach, wie wohl mein Name einst gelautet hatte bzw. ich jetzt heißen konnte. Vom Aussehen her konnte ich überall herkommen, auch wenn ich –soweit man den Aussagen einiger Krankenschwestern trauen konnte- außergewöhnlich gut aussah und zudem etwa 16 Jahre alt sein mochte.
An einem verregneten Tag im April schließlich war mein Bett leer und die Station verlassen und keiner konnte sich einen Reim darauf machen, wohin ich plötzlich verschwunden sein mochte. Als einzige Maßnahme wurde ich als vermisst bei der örtlichen Polizei gemeldet, die mich jedoch erfolglos suchte und die Suche nach kurzer Zeit einstellte. Wen interessierte hier schon ein namenloser Junge?! Und kein Bewohner der kleinen Stadt dachte so nach kurzer Zeit noch über „mich“ nach... keiner? Doch, der alte Mann las von Zeit zu Zeit noch in den Meldungen der Zeitung, ob ich nicht doch gefunden geworden sei.
Sie blickte freundlich lächelnd auf das Titelbild einer drei Monate alten Provinzzeitung, auf dem ein Junge abgebildet war, der etwas hilflos in die Kamera lächelte. Endlich hatte sie ihn dorthin gebracht, wo sie ihn sehen wollte und sie fragte sich, ob er sich erinnern würde, immerhin waren sämtliche Erinnerungen gelöscht worden. Sie dachte viel darüber nach und kam zu dem Schluss, dass er sich bestimmt erinnern würde, ja, er musste sich einfach irgendwann erinnern... spätestens bei ihrem Zusammentreffen, das noch in weiter Ferne liegen mochte. Trotzdem schien auch sie nur ein winziges Rädchen im Getriebe des Ganzen zu sein, das ein noch unbekanntes Bild darstellte....