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Genesis
28.02.2006, 05:10
Das ist eine Side-Story zu einer anderen Geschichte von mir! Wer Interesse hat findet dazu viiiiele Informationen in meinem Weblog... (Link in meiner Sig).

Es könnte war zu dem ein oder anderen "Nicht-Verstehen" kommen, da sich die Geschichte auf das 1. Buch "Die Kinder des Sturmes" -Herrin von Centuria- und dem 2. Buch dazu ,stützt aba ihr könnt ja fragen wenn ihr was wissen wollt ^^° oda in meinem Weblog nachlesen :XD:

Achja.. Kritik usw.. einfach hier posten ..
okay.. genug der Worte:

Die Stadt des Windes
1. Die gläserne Brücke

Die leisen Sonnenstrahlen schoben sich gerade über den Horizont und spielten mit den munteren Wellen des Myrllsees, der Wind warf die kargen Graßsoden der felsigen Landschaft auf.
Tatus rieb sich die schweren Augen und schob langsam die Daunendecke zurück. Sein Hemd, die mit aufwändigen Stickereien verzierte Hose ,der dunkelblaue Hut, die Unterwäsche, alles hatte er in der letzten Nacht achtlos von sich gestriffen, wie die Schlange ihre viel zu eng gewordene Haut , und zufällig über den staubigen Holzboden verteilt.
Mit einem beherzten Ruck warf er sich selbst aus dem Bett. Vollkommen Nackt fand er sich in seinem viel zu kleinen, mit feinen Spinnweben verzierten, kalten Zimmer wieder. Er blinzelte müde und kratze sich den Kopf, die Sonne schob ihr Licht schon in sein schäbiges Zuhause, da bemerkte er den unheimlichen Hunger in seinen leeren Magen. Der pelzige Geschmack auf seiner Zunge verriet ihm dass er wohl wieder zu lange in Bajas Wirtschaft gesessen hatte. Wie in Zeitlupe schleppte er sich zu einer weißen Schüssel, gefüllt mit eiskaltem Wasser. Die schlierige Lauge der Seife vom Vortag glänzte in allen Farben, zaghaft tauchte er seine steifen Finger in die Flüssigkeit, verteilte sie vorsichtig über seinen ganzen Körper um sich dann einen Ansturm von Gänsehaut zu ergeben. Ärgerlich schmiss er die Schüssel von dem provisorischen, äußerst gewagten Regal, wenn man es denn als solches bezeichnen wollte. Das Wasser schwamm über den staubigen Boden und weigerte sich in die Poren des Holzes zu versickern. Stattdessen entschied es sich lieber die einzigste Hose von Tatus in Angriff zu nehmen.



Dieser gähnte und schlug nochmals gegen das Regal, das somit seinen Dienst versagte und gänzlich in seine morschen Einzelteile zum Grund hagelte. Tatus fischte aus den Haufen Bretter ein ausgetrocknetes Stück Brot hervor, riss das Fenster zum Hinterhof auf und lies sich auf dessen Sims nieder. Der kühle Morgenwind umschloss mit einem Mal seinen schläfrigen Leib. Er versuchte dem „Brot“ noch etwas abzuverlangen und nagte zaghaft an der harten Kruste. Sein Blick fiel auf das Schloss der Prinzessin von Endymia, es war gänzlich im Morgenrot getaucht und die goldenen Dächer des Gebäudes weigerten sich gegen das Sonnenlicht an Pracht zu verlieren. Zum Schloss kam man nur indem man den Myrllsee mit seinen zahlreichen kleinen Inselchen, die überquollen und aus allen Nähten zu platzen drohten , so dicht waren sie bebaut,- überquerte.

Gierig sog er die frische Luft in seine Lungen, ließ sich gegen den Rahmen des Fensters fallen, das rechte Bein frei nach Draußen hängend. Seine angespannten Muskeln lockerten sich und er fand es schon angenehm so frei zu sein. Es war sein Morgenritual, sich egal zu welcher Jahreszeit und erlöst von allem das nur einem Kleidungsstück ähnelte genüsslich in das ausladende Fenster zu legen. Zugegeben, dies war auch nur möglich weil er im Turm eines alten verwaisten Lagerhauses Zuflucht fand. Sein Zimmer hatte in alle Himmelsrichtungen ein Fenster parat, aber nur dieses, welches gen Süden, zum Hinterhof und mit Blick zum Schloss lag, besaß noch ein intaktes Fensterbrett. Ihm gefiel der Gedanke dass er der Einzigste war, der sich unbemerkt erlauben konnte seinen bloßen Leib dem Palast zu präsentieren.
Plötzlich wurde es ihm dann doch zu Frisch und er stieg umständlich aus seinem Fenster, schloss ohne jede Vorsicht dieses und griff nach seiner Hose. Der Stoff hatte sich schon der Flut des Wassers ergeben und war vollkommen durchnässt. Er beäugte das Kleidungsstück und versuchte es an seiner Bettdecke trocken zu reiben. Es gelang ihm nur Ansatzweise und dann lies er sich resignierend in sein noch warmes Bett fallen. Sein Blick tastete die Wände seines Heimes ab, es fiel ihm zwar auf, dass die Wände mehr Spinnenweben als Wandschmuck aufwiesen, doch irgendwie schien es ihm dann doch egal.

Seine nasse Hose glitt mit einem eleganten Plumps zu Boden, zeitgleich verschlossen sich seine Augen, während seine Rechte seinen frierenden Körper abtastete.
Er schlief wieder ein…

Plötzlich, ohne jede Vorwarnung wurde er aus seinem Schlaf gerissen. Die zweiflüglige Tür zu seinem lausigen Heim sprang aus den Angeln und barst in ihre Einzelteile. Das Poltern von schweren Eisenstiefeln lies die Holzdielen erbeben. Tatus richtete sich auf, versuchte durch die graue Staubwolke, die sich wie eine unsichtbare Grenze durch das Zimmer zog, etwas zu erkennen. Seine Hände gruben sich in die Bettdecke ein und aus Scham drückte er beide Beine fest zusammen, ein stechender Schmerz fuhr durch seinen Unterleib. Er vernahm ein Grunzen, jemand spuckte seinen zähen Speichel direkt vor seine Füße. Angeekelt zog er seine Beine an schob sich dann rückwärts über das Bett, er verlor den Halt und stürzte auf der anderen Seite hinunter. Sein Rücken schmerzte und er spürte eine unnatürliche Kälte auf der Haut. Er war auf seinem Schwert gelandet. Mit einer ungeschickten Bewegung warf sein rechter Fuß die schwere Scheide, die am Bettkasten lehnte um. Dem unangenehmen Klirren folgten hastige Schritte. Eilig warf er sich um und ergriff sein Schwert. Zu Spät. Ein Mann, breit wie ein Schrank, mit scheinbar übergroßen Armmuskeln schlug ihm seine Waffe aus der Hand. Tatus musste seiner eigenen Klinge ausweichen, da packte ihn auch schon ein fester Handgriff am Oberarm und zog ihn quer über den Boden. Der Mann baute sich vor dem kauernden Tatus auf. Seine Rüstung verriet dass er zur Palastgarde gehörte. Mit ihm waren noch zwei Andere gekommen. Beide von einer dünnen, fast zierlichen Statur, das diese entweder Frauen oder Knaben sein mussten. „Im Auftrag ihrer Prinzessin Metatriss, nehme ich euch, Tatus, Kind des Waisenhauses fest!“. Tatus riss den Mund auf, wollte schon eine Frage oder Einwende formulieren da traf ihm ein unnötig harter Tritt in den Leib. Ächzend zuckte er zusammen. Ein weiterer Tritt sauste auf ihn ein. Jemand packte ihn an den Füßen, ein kaltes Etwas umschloss seine Knöchel. Man hatte ihm Fußfesseln angelegt und nackt wie er war trieben ihn die drei Gardisten die Stufen seines heimeligen Turmes hinunter.
Unten angekommen donnerte ein unbarmherziger Stoß in sein Kreuz und er stürzte Kopfüber auf den verdreckten Grund. Er spürte noch den scharfen Splitt, der sich in seine Haut bohrte und dann wurde es ihm Schwarz vor Augen.

Er erwachte auf einer schäbigen Holzbank. Das spröde Material kratze unangenehm. Seine Fußfesseln besaß er immer noch, dazu kam, dass man ihn beide Arme, ausgestreckt an die Wand gekettet hatte. Sein ganzer Körper schmerze. Zaghaft öffnete er die Augen, ein grelles Licht lies ihn den Kopf zur Seite drehen. Jetzt merkte er dass er noch immer vollkommen Bloß war. Er versuchte seine Schenkel fest aneinander zu pressen. Es gelang ihm nur Halbwegs und zum ersten Mal bereute er sein „Morgenritual“.
Das Licht nahm ab und der unangenehme „Schrank“, der ihn festnahm, saß vor ihm auf einem Schemel. Er ließ es sich nicht nehmen Tatus von oben bis unten zu Mustern, es schien fast so als ob er dies mit Absicht tat, um ihn noch mehr zu demütigen. Die Stirn des Gardisten glänzte vor Schweiß, er zog wieder Speichel aus seiner Kehler hoch und spuckte diesen an die gekalkte Wand. „Man nennt mich Maklesch, ich bin der oberste Befehlshaber der Palastgarde!“ und wie zum weiteren demonstrieren seiner Überlegenheit sauste ein Eimer Wasser über Tatus hinweg. Die Flüssigkeit rann in jede eh schon fröstelnde Gegend seines Körpers. Tatus warf sich seine schwarzen, nassen Locken aus dem Gesicht und fixierte den hämisch lachenden Maklesch. „Na, wie fühlt sich das an? Du Dieb!“ ,spottete dieser weiter. „Dieb...?“ stotterte Tatus. „Ja, ein Dieb! Wie betrunken muss man sein, um mitten bei Nacht in die Kammern der Prinzessin einzubrechen?“. Tatus überlegte, er konnte sich an die letzte Nacht nicht erinnern. Außer das er wohl viel von Bajas Wein in sich hatte, war ihm nichts weiter bekannt. „Was soll ich denn gestohlen haben?“, presste er über seine zittrigen Lippen. „Willst dich wohl lustig machen? Elender Dreckskerl! Natürlich den „Schlüssel“!“. „Was für ein Schlüssel? „ dachte sich Tatus. Maklesch erhob sich mit einem Ächzen von seinem Schemel und legte seine Hand auf den Griff seines noch ruhenden Schwertes.


Wieder musterte der Gardist sein Opfer. Zog das Schwert und richtete die Spitze auf eine Stelle genau zwischen Tatus Augen:“Zu Schade das ich dich nicht töten darf! Das währe ein Heidenspaß!“, lachte er und spuckte erneut gegen die Wand. Die Schwertspitze wanderte an Tatus Brustkorb entlang und hinterließ eine dünne, feine Wunde aus der sich langsam das Blut hervorarbeitete. Jemand betrat den Raum:“Maklesch! Ihr müsst sofort kommen! Ein Befehl der Prinzessin!“. Maklesch ignorierte den Ruf und ließ genüsslich die Schwertspitze an Tatus Bauch entlanggleitten, ohne jedoch die Wunde weiter zu vergrößern:“ Nun ja… Aber bald werde ich dir deinen Wanst aufreißen! Das kann ich dir versprechen!“, dann beugte sich er sich über den Hilflosen und flüsterte:“ Ich weiß ganz genau wer ihr seid! Der Eine! Der, der kommen wird um Endymia zu erwecken!“ , für einen kurzen Augenblick veränderte sich das Gesicht des Befehlshabers , ein fauliges, bleiches Etwas. Mit dunkel umrandeten Augen und weit, bis zum Kinn und Nase aufgerissenen Lippen. „Glaub ja nicht ich wüsste nicht was du mit dem Schlüssel vorhast!“, die Klinge des Schwertes fuhr zwischen Tatus Schenkel und das Blut quoll nur so hervor. Während sich die Waffe immer weiter bis zu seinen Körper hervorkämpfte hauchte Maklesch weiter: „Du kannst den Titan nicht erwecken! Dafür habe ich schon gesorgt!“, das Schwert sauste mit einem schnellen Ruck aus der verkrampften Umklammerung von Tatus Beinen, der Befehlshaber leistete nun endlich dem Rufen und Bitten eines Wächters folge und wandte sich ab. Kaum aus dem Raum verschwunden, ohne auch nur Ansatzweiße die Tür zu schließen, vernahm man schon ein weiteres Spucken.

Tatus Blickte seinen blutigen Körper hinunter. Die Innenseiten seiner Schenkel brannten wie Feuer und seine Brust schmerzte. Lange hing er so unbeholfen und blutend da. Ein Schlürfen kündigte erneuten Besuch an. Eine der Gestalten die ihn aus seinem Heim gerissen hatten trat herein. Tatus beäugte sie und war nun der festen Überzeugung, trotz des Helmes und der Rüstung, das da war eine Frau. Sofort winkelte er die Beine so gut es ging an. Der Helm verdeckte das Gesicht so Gut das man nicht mal den Mund erkennen konnte. In den Händen hielt die Frau einen Krug mit klarem Wasser, lies diesen auf den Schemel nieder und zückte ein Schlüsselbund.
Ehe sich Tatus versah waren seine Fesseln gelöst. „Wasch dich!“ befahl ihm eine Stimme unter dem Helm. Doch Tatus machte keine Anstalten auch nur den Willen dazu zu haben, jedenfalls so lange ihn Jemand dabei beobachtete. „Glaubt ihr wirklich das würde ich tun während ihr zuseht?!“ fragte Tatus. „Wie ihr denkt!“ entgegnete ihm die Frau knapp, wandte sich um und warf ihm noch eine Hose zu.

Die Hosenbeine würden Tatus nicht mal bis zu den Knien reichen, aber besser als gar nichts. Die Tür fiel krachend ins Schloss. Sofort richtete er sich unter Schmerzen auf. Untersuchte seinen geschundenen Körper auf jeden Kratzer und dann leerte er den Krug in einem Zug über seinen Kopf. Das Wasser spülte den Schmutz und das frische Blut herunter. Dann zog er sich das Kleidungsstück an und ließ sich wie Maklesch zuvor auf dem Schemel nieder. Tatus gingen die Worte des Gardisten nicht mehr aus dem Kopf! Schlüssel? Was für ein Schlüssel? Und was redete er von einem Titan? Dann noch diese entsetzliche Fratze die sich ihm in Makleschs Gesicht offenbarte…

Draußen dröhnten die Fanfaren, aber nicht wie sonst! Tatus schreckte auf, an der Art wie die Fanfaren gespielt wurden erkannte er das man die Stadtmauern Endymias angriff. Scheinbar befand er sich im Süden der Ebene in der die Stadt inmitten des Himmelsgebirges lag. Wahrscheinlich sogar im Schloss selbst. Dann war er auf der sicheren Seite, wenn man es so wollte. Angreifer mussten erst durch Endymiastadt um zum Myrllsee zu gelangen, es führte kein Weg daran vorbei. Das Überqueren des natürlichen Hindernisses erwies sich, in kriegerischen Absichten, als unmöglich, zu viele Wachtürme lagen auf den kleinen Inselfetzen die einen Angreifer in die Knie zwangen. Das Schloss schien sicher, vorerst…

Ein dumpfes Klirren hallte in die Ebene, kleine Erschütterungen ließen den Fels erzittern. Manchmal nahm man auch das erbärmliche Schreien von Sterbenden war.




Tatus wurde, obwohl nicht mittendrin, von der herrschenden Angst angesteckt. Er wollte aus seinem Gefängnis heraus brechen, hinüber zur Stadt und kämpfen, wie es wohl all die tapferen Männer gerade taten. Wütend stampfte er auf den Boden, seine Wunden begannen augenblicklich zu brennen. Angestachelt vom Schmerz trommelte er wie von Sinnen gegen die schwere Tür, die ihn daran hinderte zu kämpfen. Wenn er es sich recht überlegte wusste er noch nicht mal ob dies wirklich ein Angriff war, aber sicher eine Gelegenheit seinen Mut unter Beweiß zu stellen, Rum zu ernten und unzählige Freirunden in Bajas Wirtschaft zu erlangen! „Lasst mich raus!“ und „Aufmachen!!“ drang aus seiner Zeller hinaus.
Plötzlich begann die Erde zu beben, heftig und lärmend stürzte etwas in der Ferne ein! Der erste Gedanke der Tatus durch den Kopf ging war:„Die Stadtmauer!“.
Die Stadtmauer sicherte den einzigen Schwachpunkt von Endymia ab, eine Mauer die sich zwischen zwei Bergen in die Höhe wuchtete, mindestens so dick wie der Durchmesser eines großen Wagenrades und so hoch das man nicht in das Tal von Serena blicken konnte. So riesig wie die Gipfel der Berge zwischen denen sie lag. Unbesiegbar, Uneinnehmbar und Unzerstörbar, dass waren die Worte mit der man den Eingang nach Endymiastadt beschrieb!
Es war still, so still das es an Unheimlichkeit nicht mehr zu überbieten galt. Wie ein schrecklicher, dramatischer Akkord in einer Symphonie wurde die absolute Stille von weiterem markerschütterndem Geschrei durchbrochen. Tatus kratzte sich aufgeregt über den Brustkorb, riss die dünne, fast schon filigrane Wunde von Makleschs Schikane zu einem triefenden Rinnsal auf. Abermals hämmerte er gegen die Tür, das klappern von schweren Eisenstiefeln schien ihm zu antworten, er vernahm ein Fluchen, das Klappern von Schlüsseln. „Klack“ das Schloss sprang auf, Tatus riss die Tür auf und polterte in jene Frau die ihm Kleidung und Wasser gebracht hatte. Ihr Helm kegelte über den feuchten Grund. Tatus hielt erschrocken Inne, sie starrte mit ihren weißen, pupillenlosen Augen an ihm vorbei, atmete hastig. Sie hatte eine knabenhafte Frisur, kurzgeschorenes Haar an den Seiten und Strohblond. Ihre Haut war milchig Blass. Sie presste die Lippen aufeinander und griff mit voller Härte nach Tatus Linker.

Mit einem beherzten Hieb warf sie ihn zurück in seine Zelle: „Zügel dich!“, befahl sie. Tatus zog sich an der Wand hoch: „Ihr seid Blind!?“ – „Ja, ist das so verwerflich?“ – „Nein, ich..“ – „Du fragst dich wie ein Krüppel, wie ich in der Garde dienen kann? Der Oberste Befehlshaber ist mein Vater!“ – „Maklesch?“ – „Ja...“ es schien ihr unangenehm, obwohl sie seinen Blick nicht mal erahnen konnte versuchte sie ihm verlegen auszuweichen. Erneut begann die Erde zu beben, Staub rieselte von der Decke. Etwas zischte durch den Himmel, etwas Schweres… etwas mörderisches… ein schrilles Kreischen kündigte das feindliche Eindringen in den Palast an. „Was ist da draußen los?“ stammelte Tatus. „Schalrac… sie haben einen Glassdrachen geknechtet und mit seiner Hilfe eine Bresche in die Stadtmauer geschlagen. Erneut bebten die Wände. „Scheinbar ist der Drache nun hier!“ fuhr sie fort. Und als ob das Unheil ihre Worte bestätigen wollte, ertönte das Brüllen eines scheinbar mächtigen Tieres. Tatus hielt sich die Ohren zu, einige der Türen im Gang vor ihnen brachen einfach auf und wurden unter der Last von herabstürzenden Steinen begraben. „Wir müssen hier raus!“, verkündete Tatus mit merklich gefasster Stimme. Die Frau schien erst gar nicht auf ihn zu reagieren, blieb stumm stehen. „Hast du nicht gehört? Wir müssen hier raus!“ versuchter er seinen Worten Nachdruck zu verleihen. „Aber wohin?“ antwortete sie ihm. Tatus lag ein scharfer Spruch auf der Zunge, doch diesen schluckte er sofort wieder herunter.
Fest entschlossen riss er die Frau hinter sich her, hastete mit ihr den Gang entlang. „Wo geht es hier hinauf?“ rief er. „Ich weiß nicht .. wo sind wir?“, Tatus musste wohl erkennen das nur er sie beide heil hier herausbringen könnte. Erstmal entschied er sich den Gang weiter entlang zu gehen. Man vernahm das zersplittern von Glassscherben, das schwere Stampfen des Monsters das sich gerade am Schloss zu schaffen machte lies die beiden Flüchtenden immer wieder hin und her schwanken. Tatus trat instinktiv eine Tür auf ,die ihm den weiteren Weg versperrte und plötzlich fand er sich im Freien wieder.



Sie klammerte sich ängstlich an seine Hand. „Sag was siehst du?“ bat sie ihn.
Tatus blickte sich um, vor ihm lag eine Stadt die in der Mitte von Zerstörung geteilt war, die mächtige Stadtmauer wies tatsächlich eine klaffende Wunde auf. Über den Myrllsee war eine irre, scharfkantige Brücke gezogen. Aus Glass! Gerade waren die Schalrac im Begriff über diese zu hetzen.
Das hatten sie also mit dem Glassdrachen bezweckt! Nicht des Angriffs wegen, sondern um ihnen einen sicheren Weg über den Myrllsee zu verschaffen ,drangen sie mit der Echse nach Endymia ein. Zu seiner Linken ragten bizarre Glasformationen in die Luft. Wie die gierigen Hände eines Diebes schlangen sie sich in die Höhe. Einige wirkten auch wie fantastische Wesen.
Der Glassdrache hatte gerade seinen Kopf durch das Dach eines Wirtschaftsgebäudes geschlagen, seine fasrigen, glutroten Flügel überragten selbst seinen Glassgeschöpfe und ungeduldig schlug er mit seinem peitschenden Schwanz auf die Erde. „Es ist besser wir verschwinden von hier!“ beschloss Tatus, statt ihrer Frage zu antworten.



Die Stadt des Windes

2. Aus alter Zeit


Endymia wurde mittendurch geteilt, von einem alles verschlingenden Tal aus bizarr geformten Glas. Häuser, zur Hälfte verschluckt und erstarrt bildeten die Grenze zwischen Zerstörung und Unversehrtheit. Nicht wenige Bewohner der Stadt waren im Glas eingeschlossen, wie kleine Insekten im Bernstein. Im Tal aus Glas wüteten die Horden der Schalrac. Niemand bot ihnen Einhalt, keiner vermochte sie aufzuhalten. Die Bestien suchten sich einen Weg zu der, vom Drachen eben erschaffenen, Glasbrücke, die sie sicher über den Myrllsee führte. Im hohen Bogen und im wilden Zick-Zack schlang sich dieses fantastische Gebilde über das Wasser. An den Seiten ragten scharfe Zapfen herunter, wie die Zähne eines Oberkiefers, die einem blutrünstigen Raubtier entstammt sein könnten.

Der Glasdrache schob seinen Körper immer tiefer in das Schloss hinein, die Wehrmauern brachen wie Spiegel, die man mit voller Wut zerschlug. Ein lautes Keifen erschütterte die Umgebung. Der Drache öffnete sein stinkendes Maul und schnaubte und pumpte Luft in seine Lungen. Blitzschnell spannte er seine roten, dünnen, ledrigen Flügelpaare auf. Die Sonne hatte sich schon zum Untergehen entschieden und warf nun ihr Licht direkt auf des Drachens Rücken. Dadurch erschien er noch bestialischer, größer und mörderischer. Schwerfällig zog er sich ein Stück weit aus dem Gebäude heraus, dann warf er seinen Kopf wild hin und her. Bogenschützen hatten ihre Pfeile in seinen Schädel gebohrt. Die Männer ließen nicht nach, tapfer spannten sie einen Pfeil nach dem anderen in die Sehnen ihrer Bögen. Die Echse brüllte, tobte und riss den Kopf weit in die Luft. Ein kratziges Würgen drang aus seiner Kehle, die Soldaten zielten auf den nun blank liegenden ,ungeschützten Hals, doch die Geschosse prallten an den kupferroten Schuppen des Tieres ab, seine Augen leuchteten bläulich, dann feuerrot auf. Mit einer unnatürlichen Bewegung Knackten die Halswirbel der Echse, der Hals schob sich etwas zur Seite und mit einem Mal, unter lautem Glucksen, schoben sich frische Knochen und Fleisch aus dem Rumpf. Ein zweiter Kopf hatte sich gebildet, nun würde der Glasdrachen doppelt so viel Schaden in weniger Zeit anrichten! „Das ist kein normaler Drache…“ schrie Tatus. Sein Herz pochte, ergriffen von der scheußlichen Szene die sich ihm gerade bot. Er wankte und taumelte zurück. Das blinde Mädchen stand starr da, einzig die Atembewegungen zeugten noch von Leben in ihr. Tatus fasste sich und packte sie an den Schultern, riss sie herum und schob sie eilig in eine offen stehende Tür hinein, er blickte noch einmal um sich, beäugte den Drachen und schloss dann die Tür hinter sich.

Die Soldaten hatten vor Schreck ihr Feuer eingestellt, die Köpfe des Drachens fassten sie ins Visier, beide rissen ihre Mäuler auf, Schlak rann aus ihnen, wie aus nie versiegenden Wasserfällen, ein säuerlicher Geruch breitete sich aus. Es zischte und brodelte. Die Zwillingsköpfe begannen mit einem widerlichen Würgen. Ein schrilles, für menschliche Ohren viel zu hohes Geräusch ertönte und schon waberte flüssiges Glas wie zähes Sirup über das Schloss. Die Wachtürme zerbröselten unter der irren Hitze wie Sand, doch das Glas erstarrte schneller als der Stein zerfiel und mitten im Zerfall stoppte die träge Flüssigkeit und ward fest.

Tatus lehnte an einer feuchten, kalten Wand, das Mädchen kauerte neben ihm. „Scheinbar können wir wohl nicht durch den Hauptausgang, dieses Vieh versperrt ihn…. Gibt es noch einen anderen Ausgang?“ fragte Tatus. Das Mädchen legte den Kopf an: „Nein, das Schloss wurde extra so konstruiert, das man dort hinaus muss, wo man hinein kommt!“ – „Dann sitzen wir also in der Falle!“. Das Mädchen schwieg. Tatus war verunsichert, er wusste nicht wie er mit ihr umgehen sollte. Er kannte noch nicht mal ihren Namen. „Sag mal, wie heißt du eigentlich?“ unterbrach er die Stille. „Mein Name? …Annae.“ – „Annae? Ein schöner Name!“ irgendwie gelang es ihm nicht daraus ein Kompliment zu formen. Annae rieb ihre Hände über ihre Rüstung, als wolle sie Kratzer, oder Beschädigungen ertasten. „Es gibt noch einen Weg!“ sagte sie plötzlich. Tatus starrte sie an. Sie schien es zu bemerken wie er sie mit seinen Augen erforschte und warf ihm mit ihren weißen Augäpfeln einen forschen Blick entgegen. „Wir können uns in den Tempel zurückziehen! Dort können wir ausharren!“ – „Tempel? Was für ein Tempel?“ – „Der Windtempel, der Tempel des Titans, seine Ruhestätte!“. Tatus schaute ungläubig drein: „ ...aber wie kann ein Tempel unbemerkt von all den Menschen in Endymia bestehen?“ – „Der Myrllsee, er ist der Tempel!“. Sie schwieg einen Augenblick und fuhr dann fort: „Der Tempel liegt am Grund des Sees und ist nur durch einen Gang unter der Erde zu erreichen!“ – „Und dieser Gang beginnt hier im Schloss!?“ – „Ja! Wir müssen im 1.Stock durch die versiegelte Tür!“. Annae zog einen unscheinbaren Gegenstand aus ihrer Tasche. Es war ein feiner, filigran gearbeiteter Ring. In dem Gold des Schmuckstückes war ein eine Vertiefung eingelassen, ein achtzackiger Stern. „Das ist der Schlüssel zur Tür!“. Tatus ballte seine Fäuste, Zorn stieg in ihm auf. „Der Schlüssel den ich gestohlen haben soll?“. Sie antwortet unberührt und schnippig:“Wenn die Prinzessin ihn so achtlos herumliegen lässt!?... das man dich dafür verantwortlich machte, das tut mir leid. Aber mein Vater benötigte einen Sündenbock!“ – „Weiß dein Vater davon?“ – „Der? Nein!“, ihre Hände zitterten und sie umschloss fest den Ring. „Der kümmert sich doch schon seit einiger Zeit nicht mehr um mich!“ – „Und warum hast du dann den Schlüssel gestohlen?“ – „Wegen der Legende!“ – „Welche Legende?“ – „Wenn es an der Zeit ist erzähle ich dir davon, doch nun lass uns zur Siegeltür gehen!“. Tatus war erst etwas unschlüssig, erhob sich dann aber doch und fasste vorsichtig nach ihrer Hand. Zusammen irrten sie zur besagten Tür.

Die Gänge waren wie leer gefegt. Sie begegneten nicht einer Wache oder Dienstboten. Scheinbar waren diese schon geflüchtet oder gefallen. Manchmal hatte Tatus die Gelegenheit durch ein Fenster einen Blick nach Draußen zu erhaschen, meist aber versperrten ihm Trümmer und dicke Glasblöcke diesen.
Durch pures Glück gelangten sie vor eine, mit blauen Mosaiken und goldenen Symbolen verzierten, Tür.
Ein Ausschnitt des nächtlichen Himmels war darauf zu sehen, ein Halbmond prangte in der Mitte und um ihn herum blitzten die Sterne. Diese bildeten die Sternzeichen des nördlichen Firmaments. „Wir sind da!“ erklärte er ihr. Annae reichte ihm den Ring: „Du musst nun das Schloss finden! Aber Vorsicht! Die Erbauer dieses Schlosses haben eine Falle eingebaut!“.
Tatus musterte den Ring, er war vollkommen Schmucklos, wenn man diesen achtzackigen Stern außen vor ließe.
Zu verlockend erschien ihm die Vertiefung, im Stern direkt neben dem Halbmond des Bildnisses auf der Tür. Er entdeckte einen Spruch der am oberen Rahmen eingelassen war. Die Schrift war ihm bekannt, doch ergaben die Worte keinen Sinn. Er sprach sie laut aus: „ Min dalra. Min vaar. Min Umatar. … was bedeutet das?“ – „ Das ist die Sprache der Könige!“ erkannte Annae. „Ich verstehe sie trotzdem nicht!“ antwortete er spöttisch. „Min dalar … Mein Stern. Min vaar … Mein Meer… aber das Letzte ergibt keinen Sinn!“ grübelte sie. „Wieso was bedeutet es?“ – „Umatar kann man nicht mit einem Wort übersetzten! Es bedeutet soviel wie: Das, was von mir Gleich ist!“ – „Woher kennst du die Sprach der Könige?“ – „Ich weiß nicht… ich kann sie einfach verstehen!“ verteidigte sie sich hilflos. „Das, was von mir gleich ist….“ Tatus wiederholte ihre Worte. Er begutachtete nochmals das Mosaik. Prüfte jeden Stein einzeln für sich und als er schon ganz unten angelangt war, da entdeckte er scheinbar die Abbildung eines Meeres. In der gleichen Farbe wie der Himmel, aber in der Mitte war eine Insel abgebildet, kaum zu erkennen und nur als wage Andeutung. Er berührte das Mosaik und konnte mit seinen Fingerspitzen einen Umriss ertasten. „Das ist es, die Spiegelung im Meer: Das, was mir gleich ist! Der Stern neben dem Mond spiegelt sich als Einkerbung in dieser Insel wieder!“. Annae schaute drein als ob sie ihn nicht verstand, sie konnte dieses Rätsel ohne Augenlicht kaum erahnen. Tatus presste den Ring auf die Insel, der Ring wurde wie von einem Magneten angezogen. Die Sterne des Firmamentes begannen zu leuchten und ein helles Licht floss durch die Fugen des Mosaiks, bis es auf die Insel traf. Der Ring verschwand einfach. „Oh nein, ich glaube ich habe doch die Falle aktiviert!“ stieß Tatus aus und wollte schon zur Flucht antreten. „Warte!“ rief sie „Wenn das die Falle ist brauchen wir auch nicht mehr davon zu renne!“ – „Warum?“ – „Weil wir dann Platzen würden!“ – „Was? Das sagst du mir erst jetzt? Ich will nicht Platzen! Wer denkt sich denn so eine Falle aus!?“ – „Die Könige!“.
Doch Tatus Befürchtungen wurden nicht erhört. Das Mosaik hagelte zu Boden und gab den Weg zum Tempel frei. „Los beeil dich!“ trieb ihn Annae an. Zögerlich und mit einem mulmigen Gefühl im Bauch betrat er den Gang, seine Schritte hallten tausendfach wieder. Als er Annae ebenfalls durch die Öffnung zog schlug sich die Tür mit einem lauten Donnern zu. Erschrocken blieben beide stehen. Vor Tatus Augen presste sich der Ring durch die Tür und kullerte in einem leisen Klirren über den Boden. Rasch hob er ihn auf und legte ihn in die fordernde Hand des blinden Mädchens. Leise, ganz leise bannten sie sich in der tiefen Dunkelheit des Ganges ihren Weg, letzten Endes schoben sie sich an der glatten Wand entlang.
Unendlich schien sie die Finsternis weiter, tiefer unter die Erde, zum Myrllsee zu geleiten. Gelegentlich ertönte ein lang gezogenes Rauschen, wie die Brandung am Meer. In der Ferne tropfte Wasser. Je weiter sie sich vorwagten, umso mehr wurde die glatte Wand von Flechten und Moosen überzogen. Manchmal meinte Tatus sogar so was wie Gras unter seinen Füßen zu spüren. Die Feuchtigkeit die nun immer mehr in die Atemluft drang, lies ihre Kleidung immer schwerer werden. Annae stöhnte unter der last ihres Harnisch. Sie musste schon Striemen an den Schultern haben. „Bitte, nimm mir den Harnisch ab!“ flehte sie ihn an. Tatus taste sich über ihren Körper. Währe es nicht so dunkel und könnte sie sehen, so würde sie wohl sein von Scham gerötetes Gesicht nicht mehr leugnen. Sie hob die Arme um ihn den nötigen Freiraum zum lösen der Schnallen an den Seiten zu geben. Unter erleichterten Stöhnen und einem klatschenden Geräusch fiel die Last von ihren Körper. Sie atmete hörbar auf.

Irgendwann, sie glaubten schon nicht mehr daran, erreichten sie eine weite Halle, erleuchtet von einem blassen Licht. In der Mitte thronte eine Statue. Eine Art Wolf, mit einem Maul so groß das darin gleich mehrere ausgewachsene Männer Platz fanden. Das Fell des Tieres warf sich wild auf, am Rücken erhoben sich drei Flügel. Die Augen der Statue funkelten drohend zur Öffnung durch die Tatus und Annae kamen. Eine Pranke des Tieres lehnte auf einer kristallenen Glocke. Diese schien nicht zur Statue zu gehören, sie war anders gefertigt. Tatus ließ Annae einfach stehen und trat vor den steinernen Wolf und legte seinen Kopf in den Nacken. „Falls du die Glocke gefunden hast, so nimm sie!“, erschrocken darüber dass sie scheinbar wusste was er tat löste er sich aus seiner Pose. Verlegen kratzte er sich den Kopf.
Die Glocke saß fest, kein Stück ließ sie sich bewegen. „Du brauchst den Ring!“ rief sie. Jetzt stand das Mädchen plötzlich neben ihm und für einen Moment wusste er nicht was unheimlicher war, die Statue oder die blinde Gardistin!

Der Ring passte perfekt in die Einkerbung am unteren Rand der Glocke. Aber nichts geschah. „Da tut sich nichts! Ich glaube dein Ring ist kaputt!“ – „Man muss sich ja nicht immer auf seine Augen verlassen! Los nimm sie!“ befahl sie fast drohend. Tatus leistete ihr Folge, zog an der Glocke. Diese schien auf einmal furchtbar leicht, fast unwirklich. Das Instrument war fein gearbeitet, doch es fehlte ihr an Verzierung, aber gerade diese spartanische Ausstattung verlieh ihr noch mehr Schönheit. „Die Glocke ist für einen Menschen viel zu groß, sie misst ja schon die Länge meines rechten Armes!“ verkündete er. Annae zuckte zusammen:“ Lass sie los! Schnell!“ – „Erst soll ich sie nehmen, dann loslassen? Was…“, die Glocke begann plötzlich zu Leuchten, nein, zu brennen! Glühend heiß! Tatus warf das Instrument von sich. „Sie passt sich ihren Träger an.. In Größe und Klang!“ rief das Mädchen noch, aber Tatus hörte sie nicht mehr. Er sackte, die Macht über seinen Körper verloren, einfach zu Boden. „Tatus? Wo bist du? Das ist nicht witzig!“ sie tastet um sich. Nichts, er war einfach weg!
Mit den Händen fuhr sie über den Sand der den gesamten Boden bedeckte. „Tatus?!“ flehte sie.




Hinter seiner Stirn pochte es. Kopfschmerzen ließen ihn merken dass er noch am Leben war.
Jemand berührte ihn.
Jemand fuhr mit seinen schlanken Fingern über seinen Körper. Es war auf eine gewisse Art angenehm, dann doch aber wieder furchtbar irritierend! Er riss die Augen auf, hob den Kopf und blickte in die weißen, emotionslosen Pupillen von Annae. Sie hing in einer unbequemen Stellung über in, wollte eigentlich nach seinen Gesicht tasten. „Bist du wach?“ fragte sie leise. „Ja,…ich..“ die Umgebung rotierte regelrecht um ihn herum und lauter schwarze Punkte tanzten.
Es dauerte etwas, dann normalisierte sich sein Zustand wieder. Annae lehnte ,wie eine Puppe mit der man gerade nicht spielen wollte, am Sockel des steinernen Wolfes. Tatus klopfte sich den Sand von seiner Hose, die wohl eher als Unterkleidung zu einem Gehrock für den Adel diente, als wirklich eine Hose zu sein.
„Die Glocke, du kannst sie nun unbekümmert mit dir führen!“ unterbrach sie die Stille. Tatus wandte den Blick in die Richtung wo er vorher noch das merkwürdige Etwas von sich warf. Der Kristall blitze wie zur Bestätigung seines Entdeckens auf. Als er sie in seinen Händen wog hatte sie weder an Gewicht verloren noch zugenommen, jediglich die Größe hatte abgenommen. „Sie besitzt kein..“ – „ Sie ertönt ganz durch deinen Willen. Sie ist nun ein Teil von dir!“ unterbrach sie seine Worte.
„Von mir?“ – „Nun, sie gehorcht dir, mehr aber auch nicht.“ – „Du bist mir eine Erklärung schuldig! Woher weist du all das!“.
Annae sog die feuchte Luft in ihre Lungen, faltete die Hände wie zum Gebet : „Es ist lange her! Am letzten Tag der großen Herrschaft von Sonne und Mond legten sich die Titane schlafen. Die Schöpfer mit ihren Göttern kamen zu uns. Sie entnahmen den Titanen die Elementare und benutzten sie von da an selbst. Doch als sie Taura-hel ,dem Titan des Windes ,den Elementaren entwenden wollten erweckten sie ihn wieder. Wütend hetzte der Windwolf durch das Gebirge, man sagt, mit einem kräftigen Atemstoß trug er duzende Berge ab und erschuf dieses Tal.“ – „Schön, das erklärt aber nicht warum –WIR- hier sind!“ bemerkte er ungeduldig.
Sie zog das Gesicht zu einer spottenden Fratze, doch dann fasste sie sich wieder: „Die Schöpfer schienen Machtlos, der Titan war zu stark für sie! Sie beauftragten Urym damit ein Instrument zu schmieden welches den Titan bezwingen würde. Urym brach einen Splitter vom Element der Stürme ab und verschmolz ihm zu dieser Glocke.“ , sie hielt eine andächtige Pause fuhr aber eilig fort: „ Taura-hel ließ sich dennoch nicht besänftigen, so erschuf Urym einen Köder, ein Wesen das den Titan mit Lieblichkeit und Unschuld in eine Falle locken sollte. Er und Lyrd platzierten das Wesen direkt auf den erst vorher entstandenen Myrllsee. Und Taura-hel kam, angelockt vom Glanz des Wesens. Er wollte sie verschlingen, doch Lyrd liebte seine neuste Schöpfung zu sehr, er rettete sie im letzten Augenblick. Wütend schlug Urym die Glocke, der Titan legte sich schlafen. Sie bannten ihn unter dem See, belegten den tiefsten Punkt mit einem Zauber und erschufen diesen Tempel. Den Eingang, der sich im heutigen Schloss befindet ließen sie von einem ewigen Wächter beschützen. Doch mit dem Fall der Götter und dem Tod von Urym, verstarb auch der Wächter. Der Eingang blieb ungeschützt, die Flüchtlinge aus dem heiligen Lande Endymia, sie flohen vor der großen Entvölkerung durch die Schalrac in das Himmelsgebirge, entdeckten ihn. Sie fanden den Ring und brachen in den Tempel ein, doch kehrten nie wieder. Warum weiß niemand. Man sagt der Titan hauste hier unten und tötet jeden der sich seinem Heim nährt.“ – „..und was geschah mit dem Wesen? Was tat Lyrd mit ihm?“ – „Ich weiß es nicht!“, sie senkte den Kopf. „Aber warum musste ich die Glocke nehmen, wir hätten ausharren können!“ –„Nein, die Schalrac wollen im Auftrag ihres Herrn den Titan für immer versiegeln, deshalb greifen sie uns an!“ – „Die Schalrac haben einen Herrn?“ – „Ein Widerling vom Südkontinent! Tatus ..“, sie erhob sich, baute sich vor ihm auf als wollte sie ihm etwas wichtiges einbläuen ,“ ..du wirst den Titan erwecken, ihn dadurch retten und damit Endymia von den Schalrac und dem Glassdrachen befreien!“. Tatus trat eine Schritt zurück, „Ich … nein! Das werde ich nicht!“ – „Du musst! Die Glocke ist auf dich eingestellt!“ – „Dann nimm du sie, stell sie auf dich ein!“ – „Dazu müsste ich dich erst töten!“, sie legte die Hand auf den Griff des Schwertes, das an ihrer Seite hing. „Moment mal! Wieso führst du ein Schwert, wenn du blind bist!“ – „Einige sehen mit den Augen ich sehe durch Emotionen! Bei jeder Gefühlsregung nehme ich die Körper anderer war! Im Krieg erstrahlen sie Rot, durchflutet von Rot.“ Sie zog das Schwert aus der Scheide und drohte in seine Richtung: „Als ich dich vorhin berührte, in dem Moment als du erwachtest, da leuchtete dein Körper vor Erregung, … und nun glimmt nur noch eine weiße kleine Flamme!“ sie rückte immer näher, Tatus umschloss mit der ganzen Hand die Glocke. „Erwecke den Windwolf oder stirb! Das ist deine Entscheidung!“. Er musste noch mal an den Morgen denken, auch wenn es hätte leicht Gestern sein können, wo er noch sorglos im Fensterahmen lag, wie schnell sich doch alles wenden konnte. „Ist Gut. Ich werde ihn erwecken!“. Annae ließ das Schert fallen erleichtert griff sie sich an die Brust.
„Nein das wirst du nicht!“, dröhnte eine kalte Stimme durch die Halle. „Der Windwolf ist noch nicht bereit für den großen Kampf! Das weißt du genau Annae!“. Sie fuhr herum :“Vater! Aber was …“. Maklesch trat in einen Lichtkegel. Er trug nicht wie noch zuvor in der Zelle eine Rüstung der Palastgarde, sondern einen weiten schwarzen Umhang der sich in der Dunkelheit verlor. Das Gesicht war knallrot, blutunterlaufen möchte man meinen, als würde er gerade aus der Haut fahren wollen. „Wie willst du das verhindern?“, entgegnete sie ihrem Vater agresiev. „Vordere mich nicht! Außer du willst meine Klinge zwischen deine madigen Rippen spüren!“ er spuckt in den Sand. Tatus musterte angewidert den zähen Speichel. Blut war darin zu finden und Eiter. Etwas schien sich darin zu bewegen, so glaubte er einen Augenblick lag wenigstens. „Du könntest nicht gegen mich gewinnen! Nicht in diesen Körper!“ – „Halt dein Maul, du kannst von Glück reden das ich dir noch nicht deine nutzlosen Augen aus den Höhlen geschnitten habe!“ – „..und ich dachte immer du würdest nicht zögern Cell!“.
Tatus schossen tausende Gedanken durch den Kopf. Was sich ihm gerade bot war wie das aufeinander prallen zweier Mächte. Er spürte, nein, er wusste das Annae nicht das war was sie vorgab zu sein! „Wenn diese elendigen Schalrac nicht währen hätte ich das auch längst getan! Warum hast du dich gegen mich gewandt! Ich habe dir geholfen von diesem Scheusal zu entkommen und..“ – „..mich zum nächsten gebracht!“ unterbrach sie ihn. Maklesch stampfte auf den Boden, parallel dazu wuchtete sich ein mannshoher Spiegel aus den Boden, schlug mit voller Kraft in das Mädchen ein. Die Scherben regneten wie in Zeitlupe auf den Sand. Annae fiel rückwärts auf den Grund, ihr weißes Unterkleid war durchzogen von feinen ,sich langsam sättigenden Blutspuren. Ihr fast Knabenhaftes Gesicht verzog sich schmerzhaft. Tatus rannte zu ihr kniete sich nieder und wollte ihr den Kopf stützen, doch sie wehrte ihn ab : “Nein, nicht mich, die Stadt musst du retten!“ – „Aber wie… wie kann ich den Titan wecken?“ – „Nimm sie in dir auf!“. Tatus starrte sie ungläubig an. „Die Glocke nimm sie mit den Gefühlen in dir auf als du mich in der Dunkelheit durch den Gang geführt hast!“. Er zitterte unter der Vorstellung, dass sie jedes seiner Gefühle wahrnahm. „So, jetzt ist aber genug mit euch zwei Turteltäubchen!“ Maklesch zeichnete einen Stern in die Luft. Eine unglaublich harte Druckwelle donnerte auf die Beiden nieder. Tatus wurde bis ans Ende der Halle geschleudert, krampfhaft hielt er die Glocke, nun nur noch ein Glöckchen, in seinen Fingern. „Nimm sie in dir auf!!“ rief Annae mit einer schrecklichen, verzweifelten Stimme. Ihre Worte hallten bis ins Unendliche durch seinen Kopf. Maklesch schritt langsam aber bestimmt zu den Jungen. Er lachte , er brüllte vor Lachen. Er spuckte erneut in den Sand.
Tatus löste sich aus seiner Starre, konzentrierte sich auf die Glocke, als wolle er sie mit seinen bloßen Gedanken in sein Innerstes befehligen. „Gib auf, du schaffst es ja doch nicht!“ höhnte Maklesch. Als Tatus den eisigen Schatten seines Feindes spürte, wie er sich auf ihn warf, wie ein Leichentuch, da durchströmte ihn mit einem Mal eine unsagbare Energie. Wie durch Geisterhand richtete er seinen Kopf pfeilgerade nach oben. Die Glocke drang in ihn ein.Wind heulte plötzlich durch die Halle, der Sand peitschte auf ihre Körper ein, die Körner schnitten sich wie kleine Messerspitzen in ihre Haut. „Elender Narr, den wurmigen Schädel werde ich dir vom Hals schlagen!“ schrie Maklesch gegen den Sandsturm an. Doch dieser tobte so stark das man keinen Blick riskieren konnte ohne sofort zu erblinden.


Eine gewaltige Fontäne aus Wasser und Licht durchbrach die Oberfläche des Myrllsees. Die Schlarac stellten für einen Augenblick die Zerstörung ein, auch der Drache widmete sich mit einem Grunzen dem Ereignis.

Der Wind in der Halle hatte sich gelegt. Der Sand versammelte sich um die Statue und klebte nun daran, als gehöre er schon immer dort hin. Tatus lehnte an der Wand, beide Arme wie zur Kreuzigung ausgestreckt, seine Augen glühten golden und aus seinen Mund rann ein Gemisch aus Blut und einer öligen schwarzen Flüssigkeit. Maklesch stand mit ausgestreckter Klinge, bereit all seine Drohungen des Tötens war zu machen, vor Tatus. Dieser legte den Kopf an, seine gleißenden Augen zischten. „Du weist was auf dem Spiel steht!“ ertönte eine fauchende, metallische Stimme aus Tatus. „Erzähl mir was anderes, Taurah-hel!“. Die Antwort war ein fauchendes Gelächter: „Wenn ich erstmal voll erwacht bin, werde ich dich für deine Verrat richten!“.
Maklesch zeigte sich unberührt: „Ich muss mir von einem Elementar wie dir nichts anhören!“.
Tatus schloss die Augen, seine Hände formten einen Trichter und schon jagte etwas unsagbar Schnelles in den Sand. Der Junge sackte zusammen. Maklesch wandte sich von ihm ab, betrachtete den sich neu formierenden Sand: „Ach, warum lasse ich mich auch immer wieder zu diesem Geschwätz hinreisen!“ begleitet von einer abfälligen Geste wandte er sich ab und verschwand im flattern seines Umhanges. Die Decke der Halle brach auf,die Felsen die eigentlich herabstürzen sollten schossen in die Höhe und nicht wie zu erwartendes Wasser strömte hinein, die Sonne schien friedlich herab und liebkoste das Geschwüllst aus Sand.

Annae kroch langsam über den spiegelglatten Boden, er bestand aus silbernen Fliesen, würde die Sonne erstmal in der Mitte des Himmels stehen, würde es hier so unerträglich wie in der Hölle. So schleppte sie sich zum reglos daliegenden Körper von Tatus. Sie rüttelte an ihm: „Wach auf… wach auf!“. Er zeigte keine Regung, Hinter ihr tobte noch immer der Sand um das was früher eine Statue war. Flügel erhoben sich plötzlich aus dem Gewühl, eine Schnauze schob sich aus dem Sand. Der Titan des Windes war erwacht. Er schüttelte sein Fell wie ein nasser Hund und es rieselte feiner Sand von ihm herab.
„Danke, du hast mich aus meiner Starre befreit!“ Annae spürte den bebenden Atem des Windwolfes auf ihrem Rücken. „Du musst mir nicht danken, das war meine Pflicht!“ entgegnete sie ihm. Sie packte Tatus an der Hand und zog ihn quer über den Grund. „Der Gang den du suchst .. er befindet sich Links von dir!“ sprach der Titan mit unglaublich ruhiger Stimme. „Ich brauche deine Hilfe nicht!“. Taura-hel schüttelte den schweren Schädel, leckte sich die Zähne und Seufzte: „Du musst nur Bitte sagen und ich werde dich mit nehmen!“. Annae schnaubte, lies den Arm von Tatus los und ballte die Fäuste wie ein trotziges Kind: „Bitte!“.
Der Windwolf stieg zu ihr herab, drückte sich so fest er konnte gegen den Grund. „Steig auf… und vergiss nicht deinen Freund!“ – „Er ist nicht mein Freund!“ schimpfte sie als sie sich an seinem Fell herauf zog. Der Titan half ihr mit Tatus etwas nach und als sie seinen Kopf in ihren Schoß wog ,mit der einen Hand fest im Fell verkrallt, schlug Taura-hel mit seinen Flügeln. Begleitet vom pfeifenden Wind sprang er in die Höhe. Flog hinaus, über den Myrllsee.

Der Titan landete auf der Seite des Sees wo sich das Schloss befand, wartete kurz biss sich Annae mitsamt Anhang von ihm gleiten ließ und stürzte sich sofort auf den zweiköpfigen Drachen. Dieser wehrte sich vergeblich unter schrillem Geschrei. Die Echse spie mit ihren letzten Atemzug noch Fetzen von Glas in den Himmel, röchelnd verlies das Leben den Drachen. Der Windwolf packte den Echsenkörper mit dem Maul ,riss den Kopf um und schaute nun in die Augen von Hunderten Schalrac. Ihre triefenden Mäuler waren weit aufgerissen, einige Fauchten unverständliche Brocken einer unbekannten Sprache. Der Titan zog seine Nüstern hoch und schleuderte den plündernden Horden den toten Drachen entgegen. Gleich zehnfach begrub der Leichnam die Schalrac unter sich und die wenigen die entkommen waren , denen hetzte Taura-hel wie eine Katze auf der Jagt nach Mäusen hinterher.

Annae summte ein Lied vor sich hin, in ihren Händen wog sie Tatus. Ihre Lippen waren spröde, aufgeplatzt. Das Gesicht verstümmelt von unzähligen Schnittwunden, sie würden ohne Narben wieder verheilen. Wenn sie nicht noch die schweren Eisenstiefel und den Knieschutz am Leib hätte, so könnte man nur wage erahnen das sie eine Gardistin war. Eine Träne erkämpfte sich den Weg über ihre geschundene Wange. „Du kannst weinen?“ riss sie eine Stimme aus ihren Gedanken. Tatus blinzelte sie an: „Wie oft willst du mich eigentlich noch retten?“ – „Es scheint so als ob du Jemanden benötigst der auf dich aufpasst!“ grinste sie. „Beantworte mir nur eine Frage: Warum wolltest du Endymia retten?“, eigentlich rechnete Tatus nicht mit einer Antwort. „Ich wollte diesen Frieden erhalten…. Ich wollte mich selbst frei machen… von meinen Sünden!“. Tatus richtete sich auf und hielt ihren Kopf. „Dieses Wesen! Lyrds Lockvogel… das bist du!“. Sie nickte nur zögerlich. „Es war meine Schuld… ohne mich währe Taura-hel nicht in den Schlaf verfallen!“. Er drückte seine Stirn an ihre.
Annaes Arme umschlungen seine Körper: „Maklesch …nein Cell.. er befreite mich von Lyrd… doch als Gegenleistung musste ich ihm dienen wie zuvor Lyrd. Meine einzigste Chance war der Ring, doch er war im Besitz der Prinzessin. Ich stahl ihn, Cell wusste es… bestimmt. Doch da er den Kommandanten der Garde steuerte musste er auch für ihn handeln, ohne Aufmerksamkeit zu erregen. Deshalb nahm er dich fest… … es tut mir leid!“ Tatus antwortete nicht, er wollte sie einfach nur festhalten. „Makleschs Tochter…“ fuhr sie fort „Ich musste sie als Beweiß meiner Treue zu Cell töten!“. Nun brach sie vollends in Tränen aus. Er konnte nicht mehr tun als einfach nur für sie da zu sein, sie zu halten. „Komm..“ flüsterte er „Lass uns nach Hause gehen! Es wird dir gefallen… ich wohne am Hafen in einem Turm… dort ist es eigentlich immer friedlich!“.


Cell stand im Zimmer der Prinzessin Metatriss , seine Arme auf den Rücken geschlagen. Die Prinzessin saß wortlos auf ihren Stuhl und starrte den Alten an. „Nun, noch ist nicht alles verloren, werte Prinzessin! Wir können den Titan auf unsere Seite bringen!“. Metatriss wackelte mit dem Kopf: „Nun, wer konnte denn ahnen das wir von den Schalrac angegriffen werden! Wenigstens hat uns diese Vieh den Drachen vom Leib gehalten!“ sie wickelte eine ihrer braunen Locken auf den rechten Zeigefinger: „Mir ist es egal wie ihr das Anstellt! Hauptsache Iweef ist bald in der Hand Endymias! Mehr verlange ich nicht von euch, Cell!“ – „Bald werdet ihr dem Westen zeigen was eine wahre Königin ist! Euer Glanz wird noch schrecklicher werden als der, der Schwarzen Königin!“ – „Gewiss, Ich bin die Hoffnung dieser Welt!“ sie schlug sich verlegen die Hand auf den Mund und ergab sich dann ihrem Gelächter.

ENDE

Fortsetzung in „Die Kinder des Sturmes“ 2. Buch