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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : I wish I was a punkrocker...


Takuma
30.10.2006, 11:57
Zugegebnermaßen: Ich mag den Song. - Und doch macht mich einiges an ihm stutzig... "i wish a was a punkrocker with flowers in my hair..." Irgendwie will mir die Textpassage nicht ganz stimmig klingen. Mit Blumen im Haar assoziiere ich persönlich die Hippiebewegung, die nicht im Entferntesten etwas mit der Musikrichtung des Punkrock gemein hat. Wahrscheinlicher erscheint es da doch, dass das Management der Sängerin seine Finger in der Nachkonzeption des Songtextes drin gehabt hat und ihn etwas "auf Kurs gebracht" hat, um dem Massengeschmack zu entsprechen. Denn logischer und stimmiger klingt für den Song in meinen Ohren "I wish I was a hippie-girl...". - Nun ist der Begriff Hippie aber im amerikanischen Sprachgebrauch mittlerweile recht negativ belegt und man sieht in besagten zumeist eine Crowd aus bäumeumarmenden, weltfremden Wackos. Darin kann ein Musiklabel natürlich nicht unbedingt einen Vorteil sehen. Somit landen wir beim "Punkrocker" anstatt des "Hippies". Das klingt cooler und ist mengenkompatibler. - Damit aber nicht genug. Für den Flow des Songs wäre die Formulierung "Punk-Rock-girl" meloddisch wesentlich passender. Da man damit aber wiederum die männliche Zuhörerschaft vom Mitsingen bzw. assoziieren ausgrenzen würde,, wird daraus eben der geschlechtlich neutrale, englische Begriff "Punkrocker". Schon hat man die gesamte Zielgruppe ohne jegliche faux pas anvisiert und gut ist's. - Der Song gefällt mir, wie erwähnt. Das fast schon herausschreiende textspezifische Kalkül allerdings bereitet mir dabei allerdings etwas Magenschmerzen... Insbesondere, wenn solcherlei Gleichschaltung bei einem Song Einsatz findet, der eigentlich Gesellschaftskritik üben wollte/sollte.

taunebula_stern25
30.10.2006, 13:49
Ich kenne den Song auch und finde ihn sehr gut. Irgendwie finde ich mich in dem Text wieder, weil es mir ab und zu auch so geht, dass ich lieber ein Punkrocker mit Blumen im Haar wäre. :mrgreen: Ich sehe in dem Text aber auch in gewisser Hinsicht doch eine kleine Gesellschaftskritik, wenn sie die Veränderung der Welt anprangert.

"I wish I was a punrocker with flowers in my hair
I was born to late in a wolrd that doesn't care"...

Irgendwo finde ich mich in der zweiten Zeile wieder. Wie gesagt, mir gefällt das Lied auch.

Wie die Dame allerdings sich einen Namen gemacht hat, ist mir ein wenig suspekt.

ich
30.10.2006, 21:02
Über diese Textpassage kann man streiten. Im Bezug auf die Aussage, sie sei zu spät geboren, könnte man meinen, sie sieht die Hippies der 60er und 70er als "Punk Rocker", also mehr so als Punker. Halt ein Punker mit Blumen im Haar.

Luci Hawk
31.10.2006, 21:48
Ich finde den Text eigentlich cool - PunkRock und Hippie sind ja schon eine Art Widerspruch - friedliebende Blumenkinder, die alles lieb haben vs. aggressive Punks, die alles hassen. Leider kenne ich den Song an sich nicht - was ist das denn für eine Musikrichtung?

Mir haben sich ein paar verschiedenen Assoziationen aufgedrängt:
1.
Es hat was von H&M: Dort kann man sich Klamotten der verschiedensten Stilrichtungen zusammenmixen - ohne dass man wirklich Punk oder Hippie sein muss. Und es ist dann doch wieder alles kommerziell weil es Mode geworden ist, die jeder kaufen kann.
2.
es könnte auch der Wunsch sein, das Beste von zwei doch recht einflussreichen Subkulturen zu vereinen, die man aber nicht miterlebt hat. Also eine Hommage.
3.
Es könnte ebenso gut sein, dass es eine Art Kritik ist (aber dazu kenne ich nicht den Rest den Songs). Die Jugendlichen (?) wissen nicht, wohin sie sich entscheiden sollen und machen eben einen Stilmix draus (wobei wir wieder bei H&M wären).

Oder es drückt halt die Suche nach der Identität aus, die halt schon eine ziemlich zwiespältige Sache ist, wie die Punks und die Hippies eben.
Dass der Text nur Kalkül ist, würde ich nicht unterschreiben, aber er passt eben in diesen Mix von Jugendkulturen, die wiederum kommerzialisiert wird, wo es nur geht. Schwierige Sache.

Jedenfalls erinnert mich diese Zeile auch ein wenig an die Zeit, als ich noch so danach gesucht habe, wo ich denn nun jugendkulturmäßig hingehören sollte und ich glaube, so ganz hört man nie damit auf.

Shingetsu
18.11.2006, 01:53
Da geht es doch nur darum was Punk-Rocker und Hippies gemeinsam hatten...
"Revolution was in the air"
Der Punk-Rock war sogar eine Gegenkultur zu den Hippies, aber man hatte revolutionäre Ideen, wollte was verändern, sich von der Norm abgrenzen.
Hmm also revolutionär war Punk im Grunde auch nicht wirklich, wenn ich so darüber nachdenke. Eine Revolution will eine bessere Zukunft schaffen. Für mich sind die Begriffe Revolution und Utopie eng mitenander verbunden, denn irgendwo muss die Revolution doch ihren Antrieb her haben, und der kommt von der Hoffnung auf eine bessere Welt.
Die Punks wollten nur negativ drauf sein, alles scheisse finden, alles Bürgerliche ablehnen, durch rüpelhaftes Verhalten und krasses Aussehen die normalen Leute erschrecken, und sahen keine Zukunft für sich (No Future !)
Ausser der Aussage "Wir finden alles scheisse und sind anders als ihr" hatten sie nichts zu bieten.

ich
19.11.2006, 13:30
Aber es ist nicht zu leugnen, das die Punker dennoch eine Hoffnung hatten, auch wenn sie utopisch war. "No Future" ist mehr eine bittere Erkenntnis als ein gewollter Zustand. Zudem sind viele Punks mehr oder weniger stark links gerichtet bzw. hegen anarchistisches Gedankengut, was schon etwas revolutionäres an sich hat. Immerhin wurden Veränderungen angestrebt, auch wenn im Gegensatz zur Hippie-Szene nicht so viel politishces Engagement vorhanden war. Liegt aber auch daran, dass die Punk-Szene durch viele Mitläufer durchströmt wurde. Ich schätze, die Hippie-Szene hat sich nie wirklich ausverkaufen können...

Shingetsu
20.11.2006, 07:53
Aber es ist nicht zu leugnen, das die Punker dennoch eine Hoffnung hatten, auch wenn sie utopisch war. "No Future" ist mehr eine bittere Erkenntnis als ein gewollter Zustand. Zudem sind viele Punks mehr oder weniger stark links gerichtet bzw. hegen anarchistisches Gedankengut, was schon etwas revolutionäres an sich hat. Immerhin wurden Veränderungen angestrebt, auch wenn im Gegensatz zur Hippie-Szene nicht so viel politishces Engagement vorhanden war. Liegt aber auch daran, dass die Punk-Szene durch viele Mitläufer durchströmt wurde. Ich schätze, die Hippie-Szene hat sich nie wirklich ausverkaufen können...

Richtig links waren die Punks ursprünglich nicht, sondern eher unpolitisch, manche anarchistisch. Das Problem war daß sie zwar wussten was sie alles scheisse finden, aber keine positiven Ideen hatten um irgendwas zu verbessern.
Die wollten nur rumhängen und saufen, Pogo tanzen etc. aber sie waren unfähig sich zu organisieren und irgendwas auf die Beine zu stellen.
Darum hat man auch keine Punks in linken Parteien gesehen sondern nur welche die auf der Straße rumgammeln.
Es ist zwar schön sich eine bessere Welt zu wünschen, aber sie waren halt total unfähige Penner die nix erreichen konnten.
Wer am System was verändern will muss diszipliniert daran arbeiten. z.B. Parteien gründen, Flugblätter verteilen, Veranstaltungen organisieren etc.
Lauter Dinge auf die ein Punker "Null Bock" hatte.
Die einzige Partei die von Punks gegründet wurde ist die APPD,
aber die ist auch nur eine Spaßpartei und hat im Grunde keine Ahnung wie man die Welt wirklich verbessern kann. Die parodieren nur die gegenwärtigen Zustände, aber legen auch keinen realistischen Plan zur Weltverbesserung auf den Tisch, denn es ist immer leichter festzustellen wie scheisse alles ist statt
den Arsch hochzukriegen und mit realitischen Konzepten etwas zu verändern.
Wenn die APPD (also quasi die Punker) an die Macht kämen würde ihnen erstmal auffallen daß man mit ihrem Parodie-Programm keine realistische Politik machen kann, und daß sie eigentlich auch keine Ahnung haben wie man die Zustände so verbessern kann daß alle zufrieden sind.
Sie würden erstmal merken daß alles was sie sich in ihrer kindlichen Phantasie so einfach vorgestellt haben in der Realität nicht funktioniert.