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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Japan Internet-Cafes als Notunterkünfte


Yamiworf
04.09.2007, 21:42
Regierungsuntersuchung
Weil sie zu wenig Geld für eine richtige Wohnung haben, leben Tausende Japaner einer Untersuchung der Regierung zufolge in Internet-Cafes. Etwa 5.400 Menschen wohnten derzeit praktisch in den rund um die Uhr geöffneten Lokalen, teilte das japanische Gesundheitsministerium am Dienstag in Tokio mit. Das Ministerium hat im Juni und Juli 2007 alle 3.246 registrierten Internet- und Manga-Cafes per Telefonbefragung erfasst. 1.173 dieser Geschäfte nahmen an der Umfrage teil.

Rund um die Uhr geöffnete Internet- und Zeitschriftencafes sind in japanischen Städten allgegenwärtig. Sie bieten Liegen, Computer, Getränke und Mangas für gestresste Geschäftsleute und Pendler an, die ihren Zug verpasst haben.

Mehr als drei Viertel der obdachlosen Kunden seien Männer, und mehr als die Hälfte habe sich nach einem Jobverlust für das neue Zuhause entschieden, heißt es in der Studie. Vor allem junge Menschen um die 20 [26,5 %] und ältere Arbeitslose um die 50 [23,1 %] seien auf die Cafes als Unterkünfte angewiesen.

715 Euro Einkommen
14 Prozent der Befragten gaben an, dass sie nach familiären Problemen Zuflucht in den Cafes gesucht hätten. Das durchschnittliche Einkommen der Cafe-Flüchtlinge liegt nach Ministeriumsangaben bei 113.000 Yen [715 Euro] im Monat.

Ein fünfstündiger Aufenthalt in einem Internet-Cafe in Tokio kostet inklusive Verpflegung etwa 3.000 Yen [20 Euro]. Für 200 Yen können Besucher eine halbe Stunde duschen, auch frische Unterwäsche gibt es zu kaufen.
[APA | AFP | Mainichi Shimbun]

Teyl
05.09.2007, 15:08
Das halte ich fuer eine Ente.
Wenn die Herrn auch nur 5 Stunden taeglich im Internet Cafe verbringen, inklusive schlafen - was bei 5 Stunden schon recht knapp waere - und ohne duschen, kostet es sie etwa 600€ im Monat.

Maunzilla
05.09.2007, 16:33
Das ist keine Ente. Ich erinnere mich, vor einiger Zeit einen Bericht im Auslandsjournal zu diesem Thema gesehen zu haben.
Für eine Wohnung zahlt man in Tokio bestimmt ein Vielfaches.
Wenn man bedenkt, daß es kaum Sozialwohnungen für alleinstehende gibt, ist das immer noch besser, als unter der Brücke zu leben.

Yamiworf
05.09.2007, 19:14
(Es ist besser im Inernet-Cafe zu Wohen als der Selbstmord :-( ) Der Selbstmord hat in Japan eine sehr lange Tradition. Schon während der japanischen Feudalzeit, als die Shogun über das Land herrschten, hatte der Selbsmord eine wichtige Rolle in der japanischen Gesellschaft. Ein Samurai, der seinen Herrscher nicht beschützen konnte oder durch eine andere Art und Weise seine Ehre verlor, beging Seppuku, bei uns landläufig bekannt unter der anderen Lesung der Begriffskanji: Harakiri. Bei Seppuku handelt es sich um eine rituelle Selbsttötung, bei der der Bauch mit einem Schwert (Katana) aufgeschlitzt wird. Der Samurai wollte durch seinen Freitod seine eigene Ehre, und damit auch die Ehre seiner Familie, bewahren. Für ihn wäre es schlimmer gewesen, ohne sein Gesicht weiterleben zu müssen, als in den Tod zu gehen.

Auch heute hat Japan im internationalen Vergleich mit anderen Industriestaaten eine überdurchschnittlich hohe Selbstmordrate.
Ein Teil dieser Fälle ist auf die langanhaltende Wirtschaftskrise, die in Japan schon seit Ende der 80er herrscht, zurückführbar. Nach Aussagen der japanischen Polizei lag im Zeitraum von April 1999 bis März 2000 bei jedem fünften Selbstmord ein wirtschaftliches Motiv vor: finanzieller Bankrott, Schulden oder Arbeitsplatzverlust. In dem vorgenannten Zeitraum wurden etwa 33.000 Selbstmorde registriert, wobei etwa 6.600 auf wirtschaftliche Probleme zurückführbar sind. Die Selbstmordrate erreichte in den Jahren 1998 und 1999 ein Nachkriegsrekord.

Bei den meisten Selbsmordopfern handelt es sich um Männer. Bei diesen kann wiederum beobachtet werden, daß in der Altersgruppe der zwischen 40 und 60 Jährigen die Selbstmordrate überproportional zu der Altersstruktur der Bevölkerung hoch ist. Dies wird darauf zurückgeführt, dass in dieser Altersgruppe viele Beschäftigte im Rahmen der Sparmaßnahmen bei Unternehmen entlassen wurden. Ein anderer Teil von ihnen sind Selbstständige, deren Firma durch die geringe japanische Binnennachfrage bankrott ging.

Für einen Japaner, der die Firma als seine zweite Familie ansieht, bedeutet eine Entlassung nicht nur das berufliche Ende, sondern auch den Verlust eines der wichtigsten Lebensinhalte. Die traditionelle Rollenverteilung zwischen den Geschlechtern ist in Japan auch heute noch weit verbreitet. In einer traditionellen japanischen Familie ist der Mann das Oberhaupt und der primäre Geldverdiener. Er ist berufstätig und kümmert sich um die finanzielle Absicherung der Familie. Dagegen hat die Frau traditionell in erster Linie die Aufgabe, die Kinder zu erziehen, sich um den Haushalt zu kümmern und die Haushaltskasse zu führen.
Der Mann sieht in dieser traditionellen Rollenverteilung seine Pflicht darin, die Familie finanziell abzusichern. Deshalb ist er der Meinung, dass durch den Verlust des Arbeitsplatzes die Schande in erster Linie bei ihm selbst liegt und dass der Selbstmord ein probater Weg sei, um die Familie vor seiner Schande zu bewahren. Auch heutzutage ist das soziale Ansehen einer Familie von hoher Bedeutung. Der Mann wird oft an seinem beruflichen Erfolg bewertet, während die Frau durch den Erfolg ihrer Kinder in der Schule an Ansehen gewinnen kann.


Interessant ist in dieser Grafik, dass der Höhepunkt der japanischen Selbstmordwelle im Jahr 1998 erreicht wurde, genau zu dem Zeitpunkt, als auch die Asienkrise stattfand. In Folge dieser Krise gerieten mehrere japanische Banken und Konzerne in Zahlungsunfähigkeit. Einige gingen bankrott, andere konnte nur durch staatliche Unterstützung überleben. Trotz der japanischen Einstellung, Arbeitsplätze zu bewahren, stieg die Arbeitslosenquote rapide. Dies verdeutlicht den Zusammenhang zwischen der Selbstmordrate und der wirtschaftlichen Lage Japans.

Doch selbstverstädnlich begehen nicht alle Japaner beim Verlust des Arbeitsplatzes Selbstmord. Einige versuchen ihrer Familie und der Nachbarschaft vorzutäuschen, dass sie weiterhin zur Arbeit gehen würden. Sie verlassen jeden Morgen wie gewohnt das Haus, verbringen den Tag in Parks und Kneipen und kommen abends wieder nach Hause. Am Ende jedes Monats überweisen sie eine Summe von ihrem Sparkonto auf ihr Girokonto und versuchen diese als monatliches Einkommen zu tarnen. Andere schaffen die Anstellung in einem neuen Unternehmen und können dadurch Ihren Lebensunterhalt und Lebenssinn retten.

Maunzilla
05.09.2007, 20:22
Das mit der vorgetäuschten Arbeit wird in einem alten deutschen Film "Der letzte Mann" mit Emil Jannings sehr eindrücklich dargestellt. Solltet ihr euch mal ansehen, wenn sich die Gelegenheit ergibt.

Diese Internet-Café-Bewohner sind vor allem jüngere Männer, die keinen Studienabschluß haben oder aus anderen Gründen keine feste Anstellung finden und sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser halten müssen. Dabei verdienen sie zum Leben zu wenig und zum Sterben zu viel. Und ich denke, daß es für einen Japaner wahrscheinlich viel schwerer ist, sich bei der staatlichen Wohlfahrt anzumelden, aus eben den Gründen, die Yamiworf oben schon dargestellt hat.

Yamazaki
09.09.2007, 18:46
Hab letztens auf Youtube ne jap. Dok über einen Kerl gesehen der Obdachlos in Akihabara ist.
Und zwar lebt er davon, dass er (jetzt kommts): Figuren, Spiele, Anime und Merchandisesachen verkauft die er aus den Müllsäcken der Läden abends rausfischt, da diese als Gebrauchtwaren, Regalhüter oder Ausstellungsstücke einfach in den Müll kommen!

Werde mich auch beim nächsten Mal um Mitternacht vor die Läden stellen.

Itachi
09.02.2009, 21:22
Das halte ich fuer eine Ente.
Wenn die Herrn auch nur 5 Stunden taeglich im Internet Cafe verbringen, inklusive schlafen - was bei 5 Stunden schon recht knapp waere - und ohne duschen, kostet es sie etwa 600€ im Monat.

nope keine ente. habs letztes jahr auch so gemacht =/ inet und mangacafes sind perfekt zum dort übernachten. ne dusche, n bett, saubillig und mangas und inet soviel man will :D

ich hatte den tipp von ner freundin, die gemeint hat dass das viele so machen oO"

sue-sama
09.02.2009, 21:50
nope keine ente. habs letztes jahr auch so gemacht =/ inet und mangacafes sind perfekt zum dort übernachten. ne dusche, n bett, saubillig und mangas und inet soviel man will :D

ich hatte den tipp von ner freundin, die gemeint hat dass das viele so machen oO"

Ja. Man muss nur aufpassen, dass die Mangacafés nich an Spielcenter angeschlossen sind. Da tröten die Automaten die ganze Nacht lang, ob jemand dran spielt oder nich. Und hell isses auch x_x
Am besten Oropax und Schlafmaske mitnehmen XD Und am besten NICHT das Kämmerchen mit Sessel sondern mit Matte nehmen. @_@
Und wenn man reist, möglichst die gleiche Kette aufsuchen, wenn man kann. Am Ende steht man sonst mit 10 Mitgliedsausweisen da xD

Wir haben jetzt genau vor einem Jahr ungefähr immer zwischen 1500 Yen (+ca 300 Yen Anmeldegebühr -__-) und 2600 Yen bezahlt für das Nachtpaket von so 8 Stunden oder so. Jetzt rechnen wir das mal 30 --> im Schnitt 60000 Yen, das sind etwa 500 Euro nach heutigem Kurs... Und die Tage nich mit einberechnet. '_';
Also wenn man ne Japanreise macht, dann is das sicherlich ne gute Alternative. Oder Love Hotel... XD