Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Harakiri - die höchste Art der Reue(?)
Sephiroth's Angel
21.06.2004, 19:32
Bevor jetzt gleich wieder irgendwelche dummen Sprüche kommen... http://instagiber.net/smiliesdotcom/kao/msroom/m-oi.gif
hier erstmal die Erklärung dazu.
Harakiri (von jap. Hara, Bauch und Kiri, öffnen) bezeichnet eine rituelle Art der Selbsttötung, die in Japan verbreitet war.
Harakiri ist jedoch ein umgangssprachlicher Ausdruck, dessen Verwendnung in Japan beleidigend sein kann. Die korrekte Bezeichnung ist Seppuku (glücklicher Abschied).
Eine Person, die wegen einer Pflichtverletzung das Gesicht verloren hatte, konnte auf diese Art ihre Ehre wieder herstellen. Dabei schnitt sie sich mit einem Schwert den Bauch von links nach rechts auf. Anschließend wurde ihr von einem bereitstehenden Assistenten, dem kaishaku-nin, der ein guter Freund sein sollte, der Kopf abgeschlagen, um den schnellen Tod herbeizuführen. Es galt bereits als offizielles Seppuku, wenn dieser Schlag ausgeführt wurde, sobald die Hauptperson nach dem Dolch gegriffen hatte.
Und der Vollständigkeit halber...
Geschichte
Im späten Mittelalter entstand In Japan eine Ritterschaft, deren Mitglieder sich Samurai nannten. Zu deren höchster Pflicht gehörte es, sich im Falle einer Niederlage selbst zu töten. Die Form dieser Selbsttötung war genau vorgeschrieben und wurde Harakiri beziehungsweise Seppuku genannt. Mit einem nur für diesen Zweck bestimmten kleinen Schwert, schlitzten sie sich kniend den Bauch, von links nach rechts und von oben nach unten, auf. Der darauf folgende und meist sehr lange Todeskampf wurde manchmal von einem Freund abgekürzt, der dem blutenden Selbstmörder mit einem Hieb den Kopf abtrennte.
Im Jahr 1868 wurde Harakiri in Japan allgemein verboten. Viele Japaner hielten trotzdem den Atem an, als Kaiser Hirohito am 10. August 1945 die Kapitulation im Krieg gegen die USA erklärte. Diese Niederlage bedeutete für den Kaiser seine verlorene Ehre und viele befürchteten, dass der Kaiser trotz des Verbotes zum Harakiri auffordern würde, was er jedoch letztlich nicht tat.
Viele seiner treuen Untertanen hätten sich verpflichtet gefühlt, dem Kaiser zu gehorchen. Der vorerst letzte Bewahrer dieser blutigen Tradition war der japanische Schriftsteller Yukio Mishima. 1970 beging er vor Journalisten einen angekündigten Harakiri und wurde von einem Freund enthauptet.
1970.. das sind grad mal 34 Jahre her.
Aber zur eigentlichen Sache.
Kurz gesagt, heißt es doch nichts anderes als "Sterben, um die Ehre wieder herzustellen".
Natürlich ist das ein gewagter Schritt. Das steht außer Frage.
Aber was doch sonderbar ist..
hangen die Menschen noch vor ein paar Jahrhunderten so sehr an ihrer Ehre, dass sie sogar ihr Leben gegeben hätten, um diese wieder herzustellen? Oder war es schlcihtweg Angst, weil sie eh hätten befürchten müßen, von jemand anderem getötet zu werden.
Wenn dem so ist, was ist aus dieser Ehre heute geworden? Warum haben die Menschen ihr Denken geändert?
Anscheinend hat die Ehre ihren damaligen hohen Stellenwert, den sie in vielen Gebieten hatte, heute eingebüßt. Warum?
Shingetsu
21.06.2004, 19:38
Weil die Leute früher einfach schwachsinnig waren.
z.B. das mit der Sippenhaft.
In Japan galt dann gleich die ganze Familie als entehrt, und sogar über mehere Generationen hinweg !
Durch Harakiri konnte man nicht nur seine eigene Ehre retten sondern die seiner ganzen Familie + Nachkommenschaft.
Zum Glück wurde dieser Wahnsinn (genau wie Hexenverbrennungen in Europa, und vieles mehr) von der Vernunft neuer Denkweisen überholt.
In 100-200 Jahren wird man sicher auch uns für ziemlich Gaga halten.
:wink:
Nachtmahr
21.06.2004, 19:41
Ohne meinen Stolz würde ich nicht leben wollen. Die Ehre jedoch ist eher..ein recht schwammiger Begriff, er kann vieles für das Individuum bedeuten.
Sephiroth's Angel
21.06.2004, 19:43
@ Shingetsu
Ich wußte, dass die Antwort mit dem "Die Leute waren damals dümmer" kommen würde. Hatte nur nicht gedacht, so schnell. :smirk:
Aber wenn du im selben Post auch schreibst, dass es ebenfalls auch darum ging, die Ehre der ganzen Familie zu retten und nicht nur seine eigene, dann wiederspricht sich das mit deinem ersten Satz und es ist kein Schwachsinn. http://instagiber.net/smiliesdotcom/kao/msroom/m-hate.gif
Shingetsu
21.06.2004, 20:00
@Sephirot:
Ich meinte, daß sich sowas wie Verlust der Ehre auch auf Personen überträgt die nichts dafür können (Partner, Kinder usw.) finde ich sehr unlogisch (mal flapsig als "Schwachsinn" ausgedrückt.)
Daß man sich töten muss um seine Ehre wiederherzustellen ist auch nicht besonders logisch, denn man könnte das auch auf andere art. Es gibt kein allgemeingültiges Gesetz das sagt wie man seine Ehre wiederherstellen kann. Das ist imho sehr individuell.
@Palu:
Sippenhaft ist wenn die ganze Sippe für ein Vergehen zur Rechenschaft gezogen wird das ein Einzelner begangen hat.
Im Mittelalter war das noch ganz normal daß z.B. Verwandte die Schulden bezahlen mussten. Die Nazis haben das auch gemacht. Von Regime-Kritikern wurden oft die ganzen Familien beseitigt.
Ich definiere meinem Stolz, Ehre verleihen mir sozusagen Andere
Ich muß sagen, um einen Seppuku wirklich durchzuführen verlangt es wirklichen Mut und natürlich das, in der heutigen Zeit verloren gegangene, Vertrauen in die eigenen Werte. Da sich heutzutage jeder selbst der Nächste ist sind diese Werte auch nur noch zweitrangig geworden. Ehrenhafte Personen kenne ich nur eine Handvoll aber diesen Leuten würde ich auch mein Leben anvertrauen, vier von fünf kenne ich übrigens von meinem Arbeitsplatz (Bundeswehr, wer hätt's gedacht).
Der Weg des Kriegers ist in unserer neu-orientierten Welt nicht mehr möglich, somit auch der Seppuku.
@SA: Angst vor dem Tod? Schmarrn. Durch Bushido lernt ein Samurai, von sich als schon tot auszugehen, um nicht im rechten Moment zu verzagen. Seppuku war nicht nur als Mittel zur Ehrenrettung gedacht, sondern auch, um seinem Herrn die eigene Meinung zu verdeutlichen - wenn er zum Beispiel nicht einverstanden war mit der Art der Kriegsführung etc..
Für tiefere Einblicke in die japanische Mentalität empfiehlt sich die Lektüre von Büchern wie etwa dem "Hagakure" (Hinter den Blättern) von Tsunemoto Yamamoto, dass seinerzeit als Leitfaden für angehende Samurai verwendet wurde, aus dem Piper-Verlag sowie "Bushido - Die Seele Japans" von Inazo Nitobe, Angkor Verlag, der versucht, den Kodex einem westlichen Publikum näherzubringen.
Shingetsu
21.06.2004, 20:16
Ich definiere meinem Stolz, Ehre verleihen mir sozusagen Andere
Ich muß sagen, um einen Seppuku wirklich durchzuführen verlangt es wirklichen Mut und natürlich das, in der heutigen Zeit verloren gegangene, Vertrauen in die eigenen Werte. Da sich heutzutage jeder selbst der Nächste ist sind diese Werte auch nur noch zweitrangig geworden. Ehrenhafte Personen kenne ich nur eine Handvoll aber diesen Leuten würde ich auch mein Leben anvertrauen, vier von fünf kenne ich übrigens von meinem Arbeitsplatz (Bundeswehr, wer hätt's gedacht).
Der Weg des Kriegers ist in unserer neu-orientierten Welt nicht mehr möglich, somit auch der Seppuku.
Klar ist es möglich.
Wenn du das Gefühl hast deine Ehre verloren zu haben kannst du dir den Bauch aufschneiden.
Das Ritual muss auch nicht immer eingehalten werden. Vor allem auf dem Schlachtfeld wenn es schnellgehen musste wurde das Ritual auch nicht eingehalten.
Zur Not kannst du auch mit einem Küchenmesser Seppuku begehen.
Einen Adjutant der dir den Kopf abschlägt brauchst du auch nicht. Je langsamer und schmerzvoller der Tod desto ehrenvoller ist Seppuku.
Du kannst also nichts verlieren sondern deinen Tod nur umso ehrenvoller machen.
Aber ich glaub kaum daß jemand das machen würde, denn tief in unserem Inneren wissen wir einfach daß es Schwachsinn ist.
Sephiroth's Angel
21.06.2004, 20:18
Es gibt kein allgemeingültiges Gesetz das sagt wie man seine Ehre wiederherstellen kann. Das ist imho sehr individuell.
Ja, natürlich. Da stimm ich selbstverständlich zu.
Aber ist ihr Leben nicht für viele eines der kostbarsten Dinge?
Das für die Ehre zu geben, bedeutet doch, dass man der Ehre einen noch höheren Stellenwert zuschreibt, oder?
@ Urashima Keitarou
Angst vor dem Tod? Hab ich davon gesprochen? :smirk:
Natürlich gehört das auch dazu. Ohne Zweifel.
Aber interessanter fand ich, dass (wie oben gesagt) das Leben doch einen sehr hohen Stellenwert hat und damals die Ehre mehr wert war als das Leben.
@SA: Es geht hierbei um die Bindung des Samurai zu seinem Herren, nicht zu vergessen die Eltern. Wenn er in Schande gestorben wäre - es galt als Schande, wenn man als Toter rücklings auf dem Schlachtfeld lag, galt auch beim Seppuku, achtet mal drauf in den Filmen - wäre diese auf seinen Herren und die Eltern übergegangen, was ja nun mit das schlimmste ist, das ein Krieger erreichen kann. Nicht zu vergessen die Niederlage nach einer Schlacht.
Da war es besser, seine Ehre und damit die der Familie und des Herren reinzuwaschen, wenn er würdig abtritt.
Hoffe, es klingt halbwegs logisch, es ist nicht leicht, sich ins feudale Japan zu denken.
Shingetsu
21.06.2004, 20:29
@SA:
Das für die Ehre zu geben, bedeutet doch, dass man der Ehre einen noch höheren Stellenwert zuschreibt, oder?
Warum sollte man der Ehre so einen hohen Stellenwert zuschreiben ?
In Europa gab es viele edle Ritter die sich nicht umgebracht haben, und trotzdem Ehre hatten, oder es schafften ihre Ehre auch anders wiederherzustellen. Da die Kirche Selbstmord als Sünde bezeichnete ("Du sollst nicht töten" gilt auch für einen selbst) wäre es für einen Europäer sogar unehrenhaft gewesen durch Selbstmord zu sterben. Oft wurde man dann nichtmal in geweihter Erde begraben.
Es gibt halt keine allgemeingültige Regel für Fragen der Ehre.
Viel sinnvoller wäre es z.B. wenn man sich nicht umbringt sondern in ein buddhistisches Kloster geht. Dort kann man wenigstens noch was für seine Erleuchtung tun bevor man stirbt, und im Buddhismus bringt Selbstmord keine Ehre. (In Indien wo der Buddhismus herkommt gab es auch kein Seppuku)
Man könnte auch wie Mutter Theresa in die Slums von Kalkutta gehen und den Waisenkindern helfen. Das ist viel sinnvoller als sich umzubringen, denn wenn man tot ist kann man niemand mehr helfen.
aahhh, des is also sippenhaft. so wie in der ballade von narayama - ich fand das nicht nur grausam sondern richtig ekelhaft.
ich stimm da eher s.a. zu. selbstmord sehe ich als eine art weglaufen. wenn man ehre beweisen will, sollte man das durch taten tun. seppuku ist heute wirklich nicht mehr zeitgemäß, zumal jeder heute ganz andere möglichkeiten hat, reue zu zeigen oder seinem willen nachdruck zu verleihen.
edit: das mit dem buddhistischen kloster ist z.b. ne gute idee :D
Sephiroth's Angel
21.06.2004, 20:45
@ Urashima Keitarou
Nun, was die Ehre in Verbindung mit den Eltern angeht, kann ich das persönlich nicht ganz nachvollziehen, aber was die Loyalität zum Herrn angeht, verstehe ich das schon eher.
Ich halte dieses Verhalten auch nicht für dumm, sondern für sehr tapfer und (welch passendes Wort :wink: ) ehrenhaft.
Wenn Bushido heute noch lehren würde, dass man die Angst vor dem Sterben (nicht vor dem Tod) besiegt, würde ich mich dem sofort anschließen und es ebenfalls versuchen, zu erlernen.
Aber in Deutschland.. :roll:
Nun ja, das sparrt eigentlich schon jeglichen weiteren Kommentar.
Dieses Verhalten wird doch selbst in Japan nicht mehr gefördert, oder habe ich das falsch verstanden? :wie:
@ Shingetsu
Warum sollte man der Ehre so einen hohen Stellenwert zuschreiben ?
In Europa gab es viele edle Ritter die sich nicht umgebracht haben, und trotzdem Ehre hatten, oder es schafften ihre Ehre auch anders wiederherzustellen. Da die Kirche Selbstmord als Sünde bezeichnete ("Du sollst nicht töten" gilt auch für einen selbst) wäre es für einen Europäer sogar unehrenhaft gewesen durch Selbstmord zu sterben. Oft wurde man dann nichtmal in geweihter Erde begraben.
Es gibt halt keine allgemeingültige Regel für Fragen der Ehre.
Das Gesetz "Du sollst nciht töten" würde ich nicht als wirkliches Gesetz betiteln, weil Religion IMO nicht sehr viel mit brauchbaren Gesetzen zu tun hat.
Aber dennoch ist Suizid laut unseren heutigen Gesetzen strafbar.
Ich geb zu, das ist immernoch eine Sache, über die ich bis heute nur den Kopf schütteln kann, aber darum geht es hier auch nicht.
Zu deiner Frage, wieso ich finde, dass man der Ehre einen so hohen Stellenwert zuschreiben sollte...
IMO ist Ehre etwas sehr Kostbares. Es ist eine der wenigen Eigenschaften, die ein Mensch haben, verlieren, aber auch wiederherstellen kann.
Mit der Unschuld geht das beispielsweise nicht.
Viel sinnvoller wäre es z.B. wenn man sich nicht umbringt sondern in ein buddhistisches Kloster geht.
Sinnvoll für wen? Für andere oder für einen selbst?
Ich denke, dass ist Einstellungssache.
Wenn man gelernt hat, dass Ehre eines der wichtigsten Güter ist, die ein Mensch besitzen kann, finde ich es verständlich, dass man sein Leben lieber hergibt, als ohne Ehre zu leben.
Und sein wir mal ehrlich. Ob man es nun zugibt oder nicht, die meisten haben nun mal Angst vor dem Sterben und es erfordert schon Mut, so einen gewagten Schritt zu gehen.
Shingetsu
21.06.2004, 20:52
@SA:
Ehre ist wichtig, aber nicht das wichtigste.
Mir ist es z.B. wichtiger wie es meinen Eltern und Freunden geht.
Die wären sehr traurig wenn ich Selbstmord begehen würde, und da meine Kumpels und meine Eltern eine andere Auffassung von Ehre haben würden sie das auch als Grund für einen Selbstmord nicht nachvollziehen können.
Wenn jemand Frau und Kinder hat wär es auch nicht cool wenn im Abschiedbrief steht: Ich hatte eine Meinungsverschiedenheit mit meinem Herren (dem Chef der Deutschen Bank) und deshalb hab ich mich umgebracht. Bitte bring es unserer gemeinsamen Tochter schonend bei. Da ich jetzt nicht mehr für euch sorgen kann wird sie den Teddy den sie sich zu Weihnachten gewünscht hat leider auch nicht kriegen, aber sie wird sich bestimmt freuen weil ICH meine Ehre gerettet hab.
Selbstmord ist in Deutschland übrigens nicht strafbar.
Ein Selbstmordversuch führt nur dazu daß man in eine psychiatrische Klinik eingewiesen wird, und sobald sich die psychische Verfassung stabilisiert hat kommt man wieder raus. Das kann nach 2 Wochen schon sein.
Beihilfe zum Selbstmord ist "Tötung auf Verlangen" und das ist strafbar.
Sephiroth's Angel
21.06.2004, 21:22
@SA:
Ehre ist wichtig, aber nicht das wichtigste.
Mir ist es z.B. wichtiger wie es meinen Eltern und Freunden geht.
Die wären sehr traurig wenn ich Selbstmord begehen würde, und da meine Kumpels und meine Eltern eine andere Auffassung von Ehre haben würden sie das auch als Grund für einen Selbstmord nicht nachvollziehen können.
Wenn jemand Frau und Kinder hat wär es auch nicht cool wenn im Abschiedbrief steht: Ich hatte eine Meinungsverschiedenheit mit meinem Herren (dem Chef der Deutschen Bank) und deshalb hab ich mich umgebracht. Bitte bring es unserer gemeinsamen Tochter schonend bei. Da ich jetzt nicht mehr für euch sorgen kann wird sie den Teddy den sie sich zu Weihnachten gewünscht hat leider auch nicht kriegen, aber sie wird sich bestimmt freuen weil ICH meine Ehre gerettet hab.
Ich habe ja bereits oben geschrieben, dass das Ansichtssache ist.
Was mich angeht.. wenn mri denn der Mut gegeben wäre, so zu handeln, würde ich es tun. Denn aufrecht zu sterben ist immernoch besser, als mit gesenktem Haupt leben zu müßen.
Um auf dein Beispiel zurückzukommen..
was würde es der Tochter nützen, wenn der Vater zwar lebt, aber sie mit ihm nicht wirklich etwas anfangen kann, weil er sich stets unbehagen und ehrenlos vorkommt?
Als Kind sollte man sienen Vater doch so sehr lieben, dass man nur das beste für diesen will.
Aber damit wärem wir schon beim Thema Liebe und nicht mehr bei Ehre.
Selbstmord ist in Deutschland übrigens nicht strafbar.
Ein Selbstmordversuch führt nur dazu daß man in eine psychiatrische Klinik eingewiesen wird, und sobald sich die psychische Verfassung stabilisiert hat kommt man wieder raus. Das kann nach 2 Wochen schon sein.
Beihilfe zum Selbstmord ist "Tötung auf Verlangen" und das ist strafbar.
Bitte verwechsle nicht die Theorie mit der Praxis.
Nein einem richtigen Selbstmordversuch (jetzt keinem, den man im besoffenen Zustand oder unter Drogen gegannen hat.. :roll: ) wird man unter Garantie wie ein Schwerverbrecher behandelt.
Und eine Geschlossene bildet nicht den geringsten Unterschied zu einer JVK.
Selbst, wenn man entlassen wird, bleibt man vorerst unter "Betreuung".
Auf gut deutsch ist das auch nichts anderes, als ein Bewährungshelfer, bei dem man sich immer schön brav zu melden hat und der dann auch schön artig seinen Bericht schreibt.
Es bildet nicht den geringsten Unterschied und wird wie eine Straftat geartet.
Aber das ist eher ein PN-Thema. Du kensnt ja sicher meine Gründe dafür.
Shingetsu
21.06.2004, 21:38
Was mich angeht.. wenn mri denn der Mut gegeben wäre, so zu handeln, würde ich es tun. Denn aufrecht zu sterben ist immernoch besser, als mit gesenktem Haupt leben zu müßen.
Wenn ein Leben in Unehre viel schlimmer ist als der Tod könnte man doch als ganz besondere Buße das Leben in Unehre weiterleben. Das wäre doch viel ehrenhafter als sich durch Selbstmord der Entehrung zu entziehen.
Man kann es also auslegen wie man will.
Man könnte z.B. auch seine Familie verlassen, und heimlich weiterleben, und ihnen anonym regelmäßig Geld zuschicken, damit die Kinder ein besseres Leben haben.
Bedenke: Bei Seppuku zahlt die Lebensversicherung nämlich keinen Pfennig.
Jemand der sich um das Wohl seiner Familie kümmert handelt viel vernünftiger und verantwortungsvoller als jemand der seine persönlichen Ideale von Ehre wichtiger nimmt als alles andere.
Man ist schliesslich nicht allein auf der Welt und muss auch Rücksicht auf andere nehmen.
Im alten Japan war das noch anders. Wenn man durch seinen Selbstmord die Familie vor einem Leben in Schande bewahren konnte war das sicher irgendwie ehrenhaft, und verantwortungsvoll.
Aber in der heutigen Welt droht der Familie keine Schande wenn jemand auf Seppuku verzichtet.
Überhaupt gibt es diese radikale Ehrenvorstellung sowieso nur in Japan, und nirgendwo sonst auf der Welt. Nur weil so ein Inselvolk ganz weit weg solche Vorstellungen hat müssen wir das doch nicht nachmachen.
Zum Thema:
Ehre ist ein äußerst wirksames Mittel um eine Gesellschaft effizient zu halten. Wer sich nicht für die Gemeinschaft in der er lebt und arbeitet aufopfert und seine Aufgaben erfüllt, der wird aus ihr getilgt. Das Gesetz der Stärkeren. Aus westlicher Sicht unmenschlich und barbarisch. Doch es hat funktioniert und funktioniert weiter. In japanischen Konzernen macht man Fehler auch nur einmal, danach ist man weg vom Fenster. Wer nicht funktioniert fliegt raus. Mit dieser effizienten Leistungsotimierungsphilosophie haben es die Asiaten unter Anderem geschafft den Westen in zahllosen Wirtschaftsbereichen zu überrunden.
Shingetsu
21.06.2004, 22:24
und im übrigen war das Gesetz der Starken auch einer der Grundpfeiler des Nationalsozialismus.
Menschlichkeit ist aus meiner Sicht aber wichtiger als Effizienz.
Sozialdarwinistisches und menschenfeindliches Gedankengut ("Recht des Stärkeren") sollte nicht verharmlost werden.
Solches Gedankengut ist wie eine Schnellstraße in den braunen Sumpf.
Es waren übrigens nicht "die Asiaten" sondern nur die Japaner bei denen sich so eine faschistoide Leistungsgesellschaft entwickelt hat.
Maunzilla
22.06.2004, 00:53
Man sollte die unterschiedlichen religiösen Vorstellungen berücksichtigen.
Während ein ein Japaner an die Wiedergeburt glaubt und nach seinem Selbstmord die Möglichkeit hat, ein neues besseres Leben zu führen, landet der Christenmensch für seine Todsünde unweigerlich in der Hölle.
Vom gesellschaftlichen Standpunkt her, ist das japnische Konzept des Seppuku natürlich praktisch für die Herrschenden. Kritiker und Unterworfene bringen sich um und sind keine Gefahr mehr für die Mächtigen.
Japanische Offiziere, welche während des Krieges Dienst auf deutschen Shiffen leisteten, haben sich bei der Gefangennahme mit Gift umgebracht, weil es unschicklich ist, ein fremdes Haus/Schiff mit dem eigenen Blut zu besudeln. (Japaner sind eben durch und durch rücksichtsvoll und reinlich...)
Ich muß sagen, um einen Seppuku wirklich durchzuführen verlangt es wirklichen Mut und natürlich das, in der heutigen Zeit verloren gegangene, Vertrauen in die eigenen Werte.
Ich glaub nicht dass es viel Mut erfordert! Vielleicht starke Überwindung um den eigentlichen Akt der Selbsttötung durchzuführen, aber bestimmt nicht den Mut! Ich glaube eher diese Überwindung kommt durch die Verzweiflung nicht den Mut zu haben, sich gegen gesellschaftliche Normen und Werte innerhalb des Wertekosmos der weigenen Kultur durchzusetzen! Denn das erfordert eher Mut! Die Verachtung zu spüren, nicht das zu tun was nach dem Ehrenkodex zu tun wäre, verstossen zu werden, dem Gefühl der Verpflichtung zu wiedersprechen und sich ein neues Wertgefühl aufzubauen.
Nein einem richtigen Selbstmordversuch (jetzt keinem, den man im besoffenen Zustand oder unter Drogen gegannen hat.. ) wird man unter Garantie wie ein Schwerverbrecher behandelt.
Und eine Geschlossene bildet nicht den geringsten Unterschied zu einer JVK.
Selbst, wenn man entlassen wird, bleibt man vorerst unter "Betreuung".
Auf gut deutsch ist das auch nichts anderes, als ein Bewährungshelfer, bei dem man sich immer schön brav zu melden hat und der dann auch schön artig seinen Bericht schreibt.
Es bildet nicht den geringsten Unterschied und wird wie eine Straftat geartet.
Aber das ist eher ein PN-Thema. Du kensnt ja sicher meine Gründe dafür.
Ich glaub nicht dass das ein PN-Thema ist, sondern finde das Thema sehr wichtig! Leider ist es in der Tat so, dass Menschen, die einmal versucht haben selbstmord zu begehen teilweise unter stärkste psychiatrische Behandlung gesetzt werden und nicht nach 2 Wochen schon wieder entlassen werden! :( Der deutsche Staat versucht nämlich schon immer (und vor allem auf Drängen von rechten Parteien) das Recht über das Ende des eigenen Lebens stark zu beschränken!
Ich würde ein seppuku als Flucht vor den fabrizierten Problemen ansehen. Nur, wenn ich lebe, kann ich meinen Fehler wieder gut machen. Und mittlerweile ist Seppuku auch aus der Mode gekommen, wenn der Letzte vor 34 jahren war. Obwohl die Yakuza sich ´die Hand abhacken, wenn sie ihr gesicht verloren haben. Ein Akt der reue ohne sein Leben auszuhauchen. Das Abhacken der hand gilt als eine Bitte um Vergebung, die Wiedergutmachung folgt schließlich, da man ja lebt.
Shingetsu
22.06.2004, 10:09
@Ich:
Natürlich ist das trotzdem unlogisch sich die Hand abzuhacken.
Wer nur noch eine Hand hat kann schlechter arbeiten, und wird vermutlich gleich den nächsten Fehler machen.
Das sind alles nur Extremfälle. Normale Menschen begehen weder Harakiri noch hacken sie sich die Hand ab.
Wer für sowas Verständnis hat sollte eigentlich auch für psychische Störungen mehr Verständnis haben.
Das bezieht sich jetzt nicht auf dich. Ich denke nur laut.
Es ist ja nicht so, das ich was von den Traditionen halte, aber den Leuten, die daran glauben, ist es ungeheuer wichtig. Ich sehe es als eine Art Kompromiss, zwischen Kultur und Logik.
(...)Natürlich ist das ein gewagter Schritt. Das steht außer Frage.
Aber was doch sonderbar ist..
hangen die Menschen noch vor ein paar Jahrhunderten so sehr an ihrer Ehre, dass sie sogar ihr Leben gegeben hätten, um diese wieder herzustellen? Oder war es schlcihtweg Angst, weil sie eh hätten befürchten müßen, von jemand anderem getötet zu werden.
Wenn dem so ist, was ist aus dieser Ehre heute geworden? Warum haben die Menschen ihr Denken geändert?
Anscheinend hat die Ehre ihren damaligen hohen Stellenwert, den sie in vielen Gebieten hatte, heute eingebüßt. Warum?
Seppuku wurde ja nicht mal eben aus Jux und Tollerei wegen eines kleinen Fehltrittes begangen. Seppuku zu begehen hieß für einen Samurai meisten einem noch härteren Schicksal zu entgehen, z.B. Leben in Armut, außgestoßen von seiner Familie und Clan. Außerdem wurde Seppuku nicht selten z.B. vom Shogunat als Strafe verhängt, was dann nicht mehr viel mit einer freiwilligen Aktion zu tun hatte.
Also es hatte schon seinen festen Bestandteil in der japanischen Gesellschaft, wobei man darin allerdings nicht zu viel Romantik hinein interpretieren sollte. "Tod der Ehre wegen" erfasst dazu bei weitem nicht alles.
Seppuku konnte im Übrigen auch bis ins 17. Jahrhundert von direkten Gefolgsleuten nach dem Tod ihres Herren angewandt werden, 1663 wurde es allerdings für diesen Fall verboten (noch vor dem völligen Verbot).
Aber wenn du im selben Post auch schreibst, dass es ebenfalls auch darum ging, die Ehre der ganzen Familie zu retten und nicht nur seine eigene, dann wiederspricht sich das mit deinem ersten Satz und es ist kein Schwachsinn.
Nun ja, Seppuku hatte primär nicht den Hintergrund die Ehre der Familie zu retten. In besonders harten Fällen wurde für ein Vergehen eines Samurai nicht nur Seppuku, sondern auch gleich die komplette Auslöschung der Familie befohlen (vom Shogunat), oder z.B. bei der Auflösung eines Fürstentums, Seppuku für den Fürsten, seiner engsten Vertrauten und Löschung des Familiennamens.
@ Urashima Keitarou
Angst vor dem Tod? Hab ich davon gesprochen?
Natürlich gehört das auch dazu. Ohne Zweifel.
Aber interessanter fand ich, dass (wie oben gesagt) das Leben doch einen sehr hohen Stellenwert hat und damals die Ehre mehr wert war als das Leben.
Ein Gefolgsmann der Seppuku beging (nach einem deutlichen Fehlverhalten) machte sich durch diese Tat nicht wesentlich mehr Ehre. Sagen wir es mal so, er verhinderte damit weitere Schande und behielt formel den Status als Gefolgsmann.
Das Ideal von Erfüllung eines Gefolgsmannes war jedenfalls nicht Tod durch Seppuku, vielmehr sollte dies rein die Pflichterfüllung vor seinem Herrn, die Treue zu seiner Familie und der Anspruch jederzeit das Bestmöglichste getan zu haben sein.
Ehre ist ein äußerst wirksames Mittel um eine Gesellschaft effizient zu halten. Wer sich nicht für die Gemeinschaft in der er lebt und arbeitet aufopfert und seine Aufgaben erfüllt, der wird aus ihr getilgt. Das Gesetz der Stärkeren. Aus westlicher Sicht unmenschlich und barbarisch. Doch es hat funktioniert und funktioniert weiter. In japanischen Konzernen macht man Fehler auch nur einmal, danach ist man weg vom Fenster. Wer nicht funktioniert fliegt raus. Mit dieser effizienten Leistungsotimierungsphilosophie haben es die Asiaten unter Anderem geschafft den Westen in zahllosen Wirtschaftsbereichen zu überrunden.
Und sie haben es mit diesem System seit jeher geschafft zu überleben. Leben und Arbeit in/mit der Gemeinschaft war in Japan immer notwendig für das Wohl aller, wie zum Wohl des Einzelnen.
In einem Fernsehbereicht erklärte man dies neulich, durch die spezielle Geometrie Japans; in dieser, bedingt durch das kaum vorhande Flachland, lernte man einzig und allein Reis effektiv in großen Mengen als landwirtschaftliches Produkt anzubauen. Der relativ komplexe Reisanbau lässt sich großflächisch dann auch nur mit hohem Einsatz menschlicher Arbeitskraft durchsetzen und somit war das Zusammenspiel einer geordeten Gruppe in Japan zwangsläfig System.
JPF as Mod support:
Thread gehört in den Japanbereich
Engelchen16
21.07.2004, 19:15
Ich fands einfach nur brutal.Wie kann man so was nur machen Aua. :shock:
Yamazaki
22.07.2004, 00:03
Wenn man sich die jap. Geschichte ansieht sieht man, dass sie von Selbstmorden, festen Ritualen und soweiter geprägt ist. Selbst die 68er Verfassung bzw die Edikte des Kaisers sagen dies klar aus.
Ein durchaus bekannterer Spruch des Shôwa-Tennos: "Your life wheighs as light as a feather, but your loyalty is unmovable like a mountain" (frei aus Gedanken).
Wenn man all die sozialen Gesichtspunkte vor Meiji (Samurai) als auch den militärischen Kodex betrachtet so ist durchaus nicht verwunderlich wenn Selbstmord als etwas rituelles und "heiliges" angesehen wird.
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