Im Interview: David Füleki
Von: sr
06.06.09
Manga
Wiedersehen mit dem Struwwelpeter
Im Juni 2009 veröffentlichte der deutsche Zeichner David Füleki hierzulande bei TOKYOPOP sein Struwwelpeter-Spin-off Die Rückkehr sowie eine von ihm neu illustrierte Fassung des originalen Bilderbuches von Dr. Heinrich Hoffmann. Wir trafen uns mit dem Künstler in seiner Wahlheimat Chemnitz zum Interview.
Hallo David, kannst du dich unseren Lesern zunächst vorstellen?
David Füleki (DF): Ich bin David Füleki, kurz Def. Auf Animexx nenne ich mich Yeo. Ich habe schon immer gezeichnet und irgendwann angefangen, Comics zu lesen – zuerst nur amerikanische Comics. Meine großen Kindheitshelden waren Beavis und Butt-Head. Das waren wirklich die ersten Comic-Hefte, die ich bewusst gelesen habe. Dann kam die Reihe Spawn, die mich sehr stark in meinem Stil prägte und immer noch prägt und schließlich der Manga-Boom. Das war so etwa 2000 oder etwas eher, als es wirklich noch schwer war, an solche Sachen wie Dragon Ball und Co. heranzukommen. Diese Zeichenart habe ich dann ebenfalls in meinen bis dahin eher westlich geprägten Stil einfließen lassen. Dadurch ist dann so eine Art Mischmasch aus französischem, amerikanischem und japanischem Look entstanden, der unheimlich flexibel ist – ich nenne es immer Potpourri. (lacht) Das findet ihr auch heute noch in meinen Werken. Wenn ihr euch die aktuellen Sachen anschaut, seht ihr, dass es nicht so typisch japanisch ist. Meine ersten Veröffentlichungen hatte ich schon in den Jahren 1996 und 1997. Da bin ich im Zuge von deutschlandweiten Wettbewerben, zum Beispiel der Sparkassen, in einigen Kalendern vertreten gewesen. In der Manga-Sparte wurde das erste Mal 2001 ein Beitrag von mir in einer der ersten Ausgaben des inzwischen eingestellten, deutschen Manga-Magazins Banzai! gedruckt. Von da an habe ich regelmäßig jedes Jahr mindestens einen Titel veröffentlicht, zum Beispiel in den Manga Talente-Sammelbänden. Im Jahr 2005 erschien mit Die höchst fragwürdige Resozialisierung des Wilbert Plumduff oder Die Rückkehr der Robo-Affen in Manga Fieber 2 mein erstes richtig großes Projekt, für das ich auch entlohnt wurde. Und im Juni 2009 erschien bei TOKYOPOP Struwwelpeter – Die Rückkehr.
Mittlerweile veröffentliche ich durchschnittlich 15 Comics pro Jahr – darunter aber sehr viele Independent-Produktionen, wie zum Beispiel kurze Comics für tuchfühlung, das unabhängige Campus-Magazin der Technischen Universität Chemnitz. Der tuchfühlungs-Comic erscheint dreimal jährlich und das hat mich an meiner Uni auch bekannt gemacht. Da ich selber als Hauptfigur darin vorkomme, meinen viele Studenten, auch zu wissen wer ich bin. Treudoof und mit einer Kuh im Anschlag. (lacht) Die zwei wichtigsten Independent-Projekte sind jedoch Delfinium Prints, ein Kleinverlag, den ich selbst mit gegründet habe und das unabhängige Manga-Magazin Shounen Go! Go!. Gezeichnet und publiziert wird es von dem Animexx-Zeichnerzirkel „Go Go Gadget Shounen Drawing!!", der versucht, eine Gegenfront zum deutschen Shojo-Manga aufzubauen. Das ist auch ein Projekt, das inzwischen zum Selbstläufer geworden ist. Am Anfang waren es sechs bis sieben Leute, die mühevoll Beiträge zusammenklauben mussten, weil es wirklich schwer war, dafür Zeichner auf Animexx zu finden. Aber mittlerweile springen viele auf den Zug auf und wollen mitmachen. Wir haben inzwischen auch Anfragen von bekannteren Künstlern. Shounen Go! Go! ist ein richtiger Sammelband mit über 200 Seiten. Wir versuchen, jedes Jahr zur Leipziger Buchmesse und zur Connichi einen neuen Band zu veröffentlichen. Bislang sind drei Ausgaben erschienen und es wird auch definitiv zur Connichi 2009 wieder einen neuen Band geben. Wir versuchen jetzt auch Fortsetzungsgeschichten aufzunehmen, vielleicht auch eine redaktionelle Rubrik, da müssen wir sehen, wie sich das alles entwickelt.
Was Delfinium Prints angeht, haben ebenfalls Zeichner von Carlsen und TOKYOPOP Interesse sich – wenn auch nur geringfügig – an Projekten zu beteiligen. Viele Künstler unseres Verlages, die an neuen Werken arbeiten, sind nicht primär damit beschäftigt. Ihre Prioritäten liegen vielmehr in der Zusammenarbeit mit größeren Verlagen. Zurzeit versuchen wir mindestens acht Veröffentlichungen im Jahr zu schaffen. 2009 sind wir bislang bei drei Publikationen, nächsten Monat folgt eine weitere. Wir wollen in nächster Zeit auch richtige Sammelbände drucken. Derzeit sind wir eher im Bereich Hefte und Poster tätig. Wir können uns aber sehr gut dadurch finanzieren und die Leser nehmen das Angebot auch an. Das hatten wir am Anfang gar nicht so erwartet. Delfinium Prints ist auch auf Conventions unterwegs sowie dem Dojinshimarkt in Leipzig. Wir haben ungefähr sechs feste Mitarbeiter, darunter unseren Verlagschef, der für Buchführung und Finanzen verantwortlich und sogar Held eines unserer Comics ist. Ich bin zudem auch in der Zeichnerbetreuung aktiv und übernehme einen Teil der Öffentlichkeitsarbeit. Fast alle unsere Kunden sind durch Online-PR auf uns aufmerksam geworden, darum ist das unheimlich wichtig. Aktuell betreue ich übrigens ein Projekt von Stella Brandner (u. a. Idol).
Wie ist die Idee zur Struwwelpeter-Manga-Neuinterpretation entstanden?
DF: Die Geschichte dahinter ist leider nicht so schön. Ich hatte mit TOKYOPOP ein Projekt geplant, das leider gescheitert ist. Die Gründe dafür sind aber nicht mehr nachvollziehbar. Daraufhin ist meine Arbeit mit dem Verlag ein wenig eingeschlafen und ich bin vor allem in der Independent-Szene herumgeschlichen. Darauf ist TOKYOPOP dann wiederum aufmerksam geworden und sie wollten gern ein Projekt mit mir machen, das wirklich klappt. Damals war Grimms Manga sehr erfolgreich, also die Adaption eines klassischen deutschen literarischen Stoffes. Meine Redakteurin Yuki Kowalsky war der Ansicht, es muss einfach gelingen, wenn wir uns für diese Art von Projekt entscheiden. Wir haben dann eine Liste mit Werken erstellt, darunter Ring der Nibelungen, Faust und Max und Moritz. Die Idee zum Struwwelpeter entstand erst im zweiten Anlauf.
Wir haben uns dabei auf Werke beschränkt, bei denen das Urheberrecht bereits abgelaufen ist. TOKYOPOP hat aber trotzdem alles noch einmal rechtlich abgeklärt, sodass hundertprozentig klar war, dass wir das Material nutzen dürfen – vor allem bei dem Kinderbuch selbst. Faust wäre insgesamt zu düster geworden und hätte meinem sonstigen Stil nicht entsprochen. Zum Ring der Nibelungen hatte ich zunächst ebenfalls ein witziges Konzept. Allerdings gibt es da eine sehr kritische Fan-Basis, die diese Idee vielleicht nicht akzeptiert hätte. Ein zweiter, postapokalyptischer Ansatz war wiederum zu ernst. Bei Max und Moritz ergab sich das Problem, dass einige Monate zuvor ein Wilhelm-Busch-Jubiläum stattgefunden hatte. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich aber bereits mit meinem Max und Moritz-Comic angefangen. Das ist übrigens 78 Tage auf der Straße des Hasses, in dem Max und Moritz auftauchen und das mittlerweile bei Delfinium Prints erscheint. Es hat mir damals so viel Spaß gemacht, dass ich innerhalb von zwei bis drei Wochen schon um die 90 Seiten fertiggestellt hatte. Ich habe gar nicht daran gedacht, dass es eventuell redaktionell nicht angenommen werden könnte. Das Endergebnis war auch ein bisschen zu krass und so entschied ich mich, es anderweitig zu veröffentlichen. So wurde schließlich Delfinium Prints dafür als Verlag gegründet.
Dann überlegte ich, was Max und Moritz ähnelt und mir fiel Struwwelpeter ein. Anfangs wusste ich überhaupt nicht, wie ich den Titel bearbeiten soll. Dann hat aber TOKYOPOP-Verlagsleiter Herr Kaps davon gehört und war Feuer und Flamme für das Projekt. Da saß ich nun mit der Aufgabe, Struwwelpeter umzusetzen und einige Wochen bin ich daran völlig verzweifelt. Das ist eigentlich selten bei mir. Normalerweise zeichne ich drauflos und es kommt schon irgendetwas dabei heraus. Bei Struwwelpeter hatte ich anfangs ein völlig verqueres Konzept. Ich wollte so eine Art Tutorial machen. So wie das Original zur Kindererziehung beiträgt, wollte ich Manga-Leser oder Manga-ka erziehen, manga-typisch Comics zu konsumieren oder zu zeichnen. Zum Beispiel sollte der Struwwelpeter am Anfang zu einem Bishonen umgestylt werden.
Dieses Grundkonzept lehnte meine Redakteurin Yuki Kowalsky ab, brachte aber in diesem Zusammenhang ein Schlagwort. Ich glaube es war etwas Ähnliches wie Revolution. Da hat es bei mir klick gemacht und die Geschichte stand sofort im Grundgerüst fest – zuerst das Ende, dann der Anfang und so hat sich die Geschichte nach und nach entwickelt. Dann hat es Spaß gemacht und ich habe mich sehr lange und intensiv mit der Geschichte beschäftigt und auch das Bilderbuch neu interpretiert. Jetzt bin ich sehr zufrieden. Struwwelpeter war von Anfang an streng durchkonzipiert. Es wurde nichts dem Zufall überlassen. Ich habe alles in Romanform niedergeschrieben, damit ich keine logischen Fehler einbaue.
Wie hast du dich dem Material genähert und war Dir das Original von Heinrich Hoffmann bereits vor Deiner Arbeit daran ein Begriff?
DF: Mit Struwwelpeter bin ich aufgewachsen, damals in der Zone. (lacht) Ich kann mich vor allem an drei Bücher aus der Zeit erinnern: Zum einen war das Struwwelpeter, dann eine Geschichte von einem Jungen, der Angst vor einem Hund und einer Gans hatte, die Gesammelten Werke von Wilhelm Busch – das fand ich übrigens sehr schön, darum hätte ich auch anfangs lieber Max und Moritz gezeichnet – und die Geschichten über den Dackel Waldi, die in etwa die gleiche Aussage haben wie Der Struwwelpeter. Diese sind wirklich ganz hervorragend gestaltet und haben mich auch maßgeblich zum Zeichnen gebracht. Struwwelpeter hat mich nicht so stark geprägt, aber ich konnte mich gut daran erinnern. Das Buch ist Teil meiner frühesten Kindheit und das hat sich natürlich eingeprägt. Allerdings musste ich das Buch im Vorfeld trotzdem noch einmal lesen, denn ich kannte vielleicht noch zwei Geschichten von den insgesamt zehn. Zudem habe ich die anderen Adaptionen wie Struwwelhitler und Struwwelliese im Vorfeld gelesen, damit sich nichts wiederholt.
Struwwelpeter – Die Rückkehr ist als Einzelband konzipiert. Bleibt es dabei?
DF: Die Geschichte ist keinesfalls so angelegt, dass sie mit einem Band beendet ist. Die Story im ersten Volume ist zwar abgeschlossen, lässt aber einige Hintertürchen, die eine Fortsetzung ermöglichen würden.

Wie lang hast du bis jetzt insgesamt an den zwei Struwwelpeter-Projekten gearbeitet?
DF: Etwa ein halbes Jahr. Ich kann mich nicht mehr genau daran erinnern wie es angefangen hat, aber ich hatte zwischendurch eine längere Prüfungsphase, da ich während des Zeichnens am Struwwelpeter auch meine Abschlussarbeit für die Uni geschrieben habe. Zum Ende hin war alles sehr knapp. Ich musste, um die Deadline einzuhalten, innerhalb von zwei Monaten noch drei bis vier Kapitel zeichnen. Diese Zeit war sehr hart, zumal das Studium nebenbei weiterlief und ich gewerblich auch eine Arbeit als Illustrator verfolge.
Was für Arbeiten hast du bisher auf dem Gebiet der Illustration angenommen?
DF: Ganz verschieden. Ich war zum Beispiel einige Zeit auf kindgerechte Zeichnungen mit Rätseln und Suchbildern für Bäckerzeitschriften spezialisiert, die ich für die Agentur Food-IT angefertigt habe. Das komplette Gegenteil zu meiner sonstigen Arbeit. Ich habe damals mit meinem Auftraggeber zwei sehr niedliche Figuren entwickelt – Linus und Krümelzahn. Linus ist der Sohn meines Auftraggebers – übrigens taucht auch die Tochter meiner Redakteurin im Struwwelpeter auf, das hat Tradition. Krümelzahn ist eine Art Drache oder Dinosaurier und die beiden erleben Abenteuer mit Brot. (lacht) Es ist für Kinder gedacht, die sich beim Bäcker aufhalten. Außerdem habe ich auch Logos und andere Dinge für Bands erstellt, was eigentlich gar nicht mein Ding ist. Letztens musste ich ein wütendes Schaf malen und eine Spinne mit Karnevalshut für einen Karnevalsverein. Ich kann inzwischen aber nicht mehr jeden Auftrag annehmen.
Was sehr spannend war, war eine Illustration für unsere Medientage, eine wissenschaftliche Konferenz, die unser Fachbereich einmal im Jahr in Chemnitz ausrichtet. Ich musste sämtliche Referenten, zu denen ich übrigens auch selbst gezählt habe, porträtieren. Das hat ebenfalls Tradition: Wenn an meiner Uni eine Illustration gebraucht wird, kommen sie zu mir. (lacht) Ich habe auch schon für unsere psychologische Fakultät Cartoons zum Thema Sozialpsychologie im Gerichtswesen erstellt. Dann gibt es die Sprachberatung, in der ich auch Mitglied bin und für die ich das Maskottchen und andere Dinge entworfen habe.
Welcher ist dein liebster Struwwelpeter-Charakter und warum?
DF: In der Original-Version fand ich Friederich am interessantesten, da er sehr vielschichtig ist. Paulinchen ebenfalls, vor allem, wenn man versucht, sich in die Krankheitsbilder hineinzuversetzen und es nicht nur als Kinderbuch sieht, sondern als psychologische Studie. Ich habe versucht, das auch in meinem Spin-off umzusetzen – als schizophrene Psychopathin. In Struwwelpeter – Die Rückkehr bin ich ein großer Fan von Zappel-Philipp und Suppen-Kaspar. Ich will noch nicht zuviel spoilern, aber Suppenkaspar ist im Prinzip das genaue Gegenteil vom Bilderbuchoriginal, obwohl ich es nur ein bisschen anders interpretiert habe. Zappel-Philipp ist hyperaktiv und immer supergut gelaunt – das mag ich an ihm. Ich hoffe wenn er auftaucht bekommen die Leute gute Laune. Das war mein Hauptanliegen, als ich den Charakter neu interpretiert habe. Struwwelpeter selbst ist natürlich das reinste Shonen-Klischee und steht eigentlich völlig abseits des Geschehens. Da habe ich mich von klassischen Figuren wie Son Goku inspirieren lassen. Die Eigenschaften, die ich gern bei Hauptcharakteren sehe, habe ich versucht, im Struwwelpeter zusammenzuführen.
Mit welchem Charakter würdest du dich am ehesten identifizieren?
DF: Das wäre wohl der Jäger. Das wird die Leser wohl schockieren, wenn sie die letzten Kapitel lesen (lacht). Der Jäger ist ein bisschen der Spielverderber. Ich werde online nach dem Struwwelpeter-Release auch noch einen Zusatzcomic veröffentlichen, der Näheres zum Jäger verrät. Das wird noch einmal ein völlig anderes Licht auf ihn werfen. Dann wird auch deutlicher, warum der Charakter mir nachempfunden ist. Wenn der Struwwelpeter in die TOKYOPOP Top 20 kommt, mache ich übrigens noch einen Zusatz-Comic, der sich Struwwel-He-man and the Gaylords of the Universe nennt und ein Shonen-Ai-Comic mit He-man in der Hauptrolle mit Struwwelpeterfrisur wird. Und jedes Mal, wenn ich in einer Kalenderwoche in die Charts einziehe, zeichne ich weiter. Als kleinen Dank und vielleicht auch Anreiz, den Manga zu kaufen. (lacht)

Was war die größte Herausforderung bei der Umsetzung des Klassikers?
DF: Der Denkanstoss, den mir meine Redakteurin gegeben hat, war wie gesagt sehr wichtig für das Projekt und die filigrane Arbeit an sich war natürlich anstrengend. Es war eine Herausforderung so viele Details in einzelne Panels einzuzeichnen. Mein Anspruch war, dass, wenn ich schon die Chance dazu habe, ich den Lesern auch zeige, was ich kann. Es könnte ja das letzte Mal sein. Dazu zählen natürlich auch aufwändige Hintergründe. Die erzählenden Texte sind in Reimform.
Was kannst du uns zu deren Entstehungsprozess verraten?
DF: Das Interessante ist, dass Struwwelpeter – Die Rückkehr im Originalkonzept komplett gereimt sein sollte und ich habe das erste Kapitel tatsächlich vollständig in Reimen verfasst. Das war eine Knochenarbeit und hat sehr lang gedauert. Ich reime eigentlich ganz gern, singe auch viel in meiner Freizeit und dichte spontan Lieder. Dadurch habe ich ein natürliches Gefühl für den witzigen Reim – aber das war zuviel. Am Ende war ich sehr froh, dass ich nur noch die Off-Kommentare reimen musste. Meine Redakteurin hat diese teilweise auch noch überarbeitet. In der ursprünglichen Konzeption musste ich sogar die „Wau Waus“ von Hein dem Hund und Ausrufe wie „Aaahh!“ sowie Interjektionen mit in die Reime einbauen. Dadurch ging viel Natürlichkeit verloren. Ich habe versucht, die Dialoge möglichst authentisch zu gestalten. So wie Kinder auf der Straße eben reden. Ich weiß aber nicht wie gut mir das gelungen ist, weil ich ja selber schon lange aus dem Alter raus bin. (lacht) Die Redaktion hat entschieden, dass wir zugunsten der lockeren Sprache auf die Reime verzichten. Ich habe mich dadurch auch irgendwie eingeschränkt gefühlt. Ich benutzte tatsächlich eine Internetseite, auf der Reime auf Wau gelistet waren, damit ich immer den Hund einbauen konnte. (lacht)
Müssen die Leser beide Ausgaben lesen, um alles zu verstehen?
DF: Ja, definitiv! Es lohnt sich. Wer bereits im Online-Manga-Player bei TOKYOPOP einen Blick in Die Rückkehr geworfen hat, hat sicher bereits gemerkt, dass es Schnittstellen gibt. Die Story ist sehr eng mit dem traditionellen Bilderbuch verbunden. Ich würde es auch durchgehen lassen, wenn die Leser sich zumindest ihr altes Struwwelpeter-Buch aus dem Schrank holen. Es hilft, meine Story besser zu verstehen. Das Gute an meiner Neuillustration des Bilderbuches ist natürlich, dass das Character-Design an Die Rückkehr angelehnt ist. Ihr findet die Figuren zwar nicht eins zu eins darin wieder, aber es gibt ein gewisses Grund-Design.
Und in welcher Reihenfolge sollten die Bücher gelesen werden?
DF: Zuerst Kapitel 1 von Die Rückkehr, dann das Bilderbuch und dann den Rest meines Spin-offs. Anschließend noch einmal das Bilderbuch und dann noch einmal den Comic.
Wie eng musstest du dich an die Vorlage halten?
DF: Das Bilderbuch war eigentlich meine Idee und ist komplett auf meinem Mist gewachsen. Es war ursprünglich für das Internet konzipiert, damit Leser, die den Struwwelpeter nicht kennen, sich noch einmal informieren können. Die Kenntnis des Kinderbuches ist ja wie gesagt essentiell wichtig für meine Story Die Rückkehr. Ich hatte bereits ein, zwei Seiten gemacht und TOKYOPOP fand die Idee gut, es zusätzlich zu meiner Story herauszubringen. Dadurch wurde dann natürlich auch der redaktionelle Einfluss stärker. Ursprünglich war es etwas anders gezeichnet und ich musste fast jede Seite drei- bis viermal neu erstellen. Es war ein hartes Stück Arbeit, bis die Redaktion damit zufrieden war. Beim Manga habe ich Glück mit meiner Redakteurin. Sie ließ mir freie Hand, bremste mich aber, wenn ich mich verrannt habe. Ich muss dazu sagen, in der ursprünglichen Struwwelpeter-Fassung, die ich geschrieben hatte, gab es sehr viele Tote. Die sind alle weg. (lacht) Im Nachhinein bin ich damit wirklich zufrieden. Denn die Toten hätten ein falsches Licht auf das Projekt geworfen. Ich wollte es ja auch allgemein zugänglich machen. Sonst waren die redaktionellen Einflüsse aber nicht sehr groß. Die Liebesgeschichte hat in meiner Fassung zum Beispiel andere Dialogszenen als die, die es jetzt ins Buch geschafft haben. Ich musste sie doch ein wenig entschärfen. (lacht) Ich habe mich aber nicht eingeschränkt gefühlt.
Warum habt ihr euch bei beiden Bänden für die westliche Leserichtung entschieden?
DF: Ich bin generell nicht so ein großer Freund von Manga-Konventionen, die einfach in unsere Kultur übertragen werden. Es ist ja nicht nur die Leserichtung. Ich habe auch andere Dinge nicht übernommen. Viele deutsche Zeichner versuchen im Manga-Stil zu zeichnen, indem sie alle stilistischen Mittel, die typisch Manga sind, auf einen Haufen knallen und dadurch eine verzerrte Fratze von Manga mit unheimlich vielen Chibis darin gestalten. Nach dem Motto: Das ist so japanisch, das muss einfach Manga sein! Ich denke, das ist nicht im Sinne der japanischen Originale. Ich glaube kaum, dass ein Zeichner in Japan so an ein Projekt herangeht. Hierzulande sehe ich das sehr oft. Zum Beispiel erhalten alle Charaktere japanische Namen, Stereotype werden bedient und die Leserichtung wird auf Krampf gewahrt. Komplett entziehen konnte ich mich den Manga-Stilmerkmalen natürlich nicht, da auch viel Gutes dabei ist. Einige Dinge habe ich aber komplett traditionell gemacht. Zum Beispiel gibt es im Struwwelpeter nicht ein Panel, das über den Satzspiegel hinausgeht. Ich habe nichts gegen dieses Stilmittel, aber ich wollte das Layout einfach so traditionell wie möglich gestalten. Es gibt zum Beispiel auch kein einziges schräges Panel. Das sind Kleinigkeiten und wir werden sehen, ob sie jemandem auffallen. (lacht)
Wie ist bislang die Resonanz auf deine Struwwelpeter-Versionen?
DF: Recht gut, ich betreue auch meinen Struwwelpeter-Thread im Comics-in-Leipzig-Forum selbst – etwa seit Jahreswechsel als die Ankündigung im Newsletter veröffentlicht wurde. Es lief am Anfang nicht so besonders, es gab nur das eine Bild und den Release-Termin. Damals drehte es sich auch nur um den Comic. Die Veröffentlichung des Bilderbuches stand noch nicht fest. Es gab zunächst ein paar Grundsatzdiskussionen zum Struwwelpeter. Einige haben gefragt, warum ich etwas bereits Dagewesenes umsetze und nichts Neues mache. Einige haben das Vorhaben kritisiert, da sie dem Original kritisch gegenüber stehen. Dann haben sich einige Fans, die ich in meiner Independent-Phase gewinnen konnte, eingeschaltet. Seitdem läuft der Thread unwahrscheinlich gut. Ich binde meine Fans auch oft ein. Ich habe einige Wettbewerbe veranstaltet und wir unterhalten uns außerdem zum Beispiel auch über die deutsche Independent- und die deutsche Shonen-Szene, geben Tipps zu anderen guten Titeln in dem Bereich und schreiben Kritiken. Es sind sogar schon ein paar Struwwelpeter-Spin-offs entstanden. Ein Kollege von mir, Philipp Petzold, wurde in diesem Thread mit seinem Animexx-Dojinshi entdeckt. Aus Dankbarkeit für die Aufmerksamkeit, die seinem Werk dadurch zuteil wurde, baut er wiederum sehr viele Struwwelpeter-Anspielungen in sein Dojinshi ein. Das ist wie eine große Familie, die da entstanden ist. Seit die ersten Kapitel im Manga-Player erschienen sind, ist natürlich auch Kritik dazugekommen, die für mich bis vor kurzem noch sehr ungewohnt war. Für konstruktive Kritik bin ich aber natürlich immer offen.
Und was ist sonst noch geplant?
DF: Meine Redakteurin hat einen Bekannten, der den Struwwelpeter ins Japanische übersetzt hat. Er steht wiederum mit dem Struwwelpeter-Museum in Frankfurt in Verbindung. Es könnte also durchaus sein, dass in dem Bereich etwas passiert. Es gibt aber noch andere Projekte, die wir im Blick haben. Zum Beispiel gibt es die Idee zu einer Struwwelpeter-Lese-Tour. Das wäre auf jeden Fall mal etwas Neues. Dazu muss ich sagen, der Struwwelpeter ist ursprünglich komplett ohne Sprechblasen entstanden. Diese könnte man zum Beispiel mit Powerpoint schön groß auf Leinwand projizieren und die Geschichte dann in verteilten Rollen vertonen. Das wäre sicherlich eine schöne Sache.
Wie gestaltet sich dein Zeichneralltag?
DF: Also ich zeichne unheimlich viel an der Uni, anders schaffe ich es nicht. Die ersten Struwwelpeter-Kapitel sind komplett in meinen Seminaren entstanden – alle Vorzeichnungen, aber auch die Reinzeichnungen. Ich zeichne sehr schnell, das ist ein Vorteil. Unter Druck schaffe ich ein Kapitel in einer Woche. Die Struwwelpeter-Seiten waren allerdings etwas filigraner und zudem hatte ich wie gesagt Prüfungszeit – da musste ich schon hin und wieder eine Nacht durchzeichnen. Normalerweise lasse ich mich spontan inspirieren, nehme einen Stift und einen Zettel und dann geht es los. Dann zeichne ich einfach. Ich habe immer ein paar Kopierblätter in meinem Rucksack und wenn ich dann an der Bushaltestelle stehe oder vielleicht in einem Seminar sitze und eine fixe Idee habe, dann habe ich das immer parat und zeichne es schnell. So entwickeln sich auch viele meiner Projekte. Ich mache immer unheimlich viel simultan. Ich lasse mich auch schnell ablenken und zeichne wieder etwas Neues, weil ich sonst die Idee vielleicht wieder vergessen könnte.
Wo siehst du die Besonderheiten deines Zeichenstils?
DF: Vor allem in der Flexibilität. Ich kann wirklich alles einbinden. Ich baue sehr viele Charaktere in den Struwwelpeter ein, die ich mir von Freunden ausleihe. Zum Beispiel von Melanie Schober, mit der ich seit 2003 gut befreundet bin. Wir haben uns eigentlich über unsere Zeichnerlaufbahn immer auf dem Laufenden gehalten. Mittlerweile haben wir beide unsere Verträge und leihen uns gegenseitig Charaktere aus. Es wird zum Beispiel im Struwwelpeter einen Charakter geben, der in Personal Paradise eine Hauptrolle spielt. Und Melanie baut auch immer Figuren von mir in ihren Werken ein. Das mache ich aber nicht nur mit ihr, sondern auch mit sehr vielen anderen Zeichnerkollegen. Daniela Winkler hat zum Beispiel einen Charakter für den Struwwelpeter zur Verfügung gestellt, der aus einem ihrer älteren Werke stammt. Das passt alles wunderbar und ich versuche, auch die Zeichenart möglichst originalgetreu beizubehalten. Das ist eine Besonderheit meines Stils, manchmal baue ich auch bekannte Figuren wie Popeye ein. Ich finde es gut, in alle Richtungen offen zu sein.
Welche Hilfsmittel benutzt du beim Zeichnen?
DF: Mit dem PC arbeite ich noch nicht sehr lange. Nachbearbeitung und Schmutzpartikel entfernen mache ich natürlich schon länger, aber Kolorationen erst seit kurzem. Da habe ich mich viele Jahre nicht herangetraut, zumal mir auch die technischen Mittel fehlen, so etwas wie ein Grafiktablett besitze ich nicht und mit den modernen Programm kenne ich mich nicht so gut aus. Ich besitze eine uralte Photoshop-Edition, mit der ich eigentlich alles bewerkstellige, was ich machen will. Sonst arbeite ich komplett analog mit COPIC-Markern, Acryl- und Temperafarben sowie Tusche. Ich habe auch keine besonderen Federn, ich arbeite mit Füllern aus dem Supermarkt, das reicht völlig aus für meine Zwecke. Manchmal schockt es auch meine Kollegen, wenn sie sehen, mit was ich arbeite. (lacht) Ich habe im Laufe der Jahre meine eigenen Techniken entwickelt, zum Beispiel nehme ich oft die „falsche“ Seite des Füllers zum Schreiben. Ich dreh ihn also um und erhalte dadurch eine sehr dünne Linie. Manche kaufen sich dafür eine teure Feder. Man kommt in dem Bereich aber auch mit unheimlich wenig Geld aus. Ich bezahle fast nur noch meine Füllerpatronen und das war’s.
Kannst du angehenden Manga-Zeichnern einen konkreten Zeichentipp geben?
DF: Wenn ihr eure Technik verbessern wollt, dann zeichnet einfach alles ab. Ich habe mich eine Zeit lang – gerade in der Zeit, als ich gemerkt habe, dass ich noch nicht so gut bin, wie ich eigentlich sein wollte – wirklich mit Naturstudien beschäftigt. Ich habe mich mit dem Zeichenblock an die Straße gestellt und ein parkendes Auto abgezeichnet. Das hat mir wirklich nicht viel Spaß gemacht und ich merke es auch oft bei anderen Zeichnern, dass sie dazu einfach keine Lust haben. Das ist völlig verständlich, fällt aber auch im Stil auf. Ich kenne Zeichner, die nicht gern Hintergründe zeichnen, die sich zufrieden geben, wenn jedes Panel mit wohlgemerkt sehr schön ausgearbeiteten Figuren aber nicht mit Hintergründen gefüllt ist. Technische Gerätschaften wie Autos, Maschinen und so weiter werden komplett vermieden.
Es macht zwar wirklich keinen Spaß und ist viel Arbeit, aber ihr solltet euch die Zeit nehmen und es immer mal wieder machen. Ihr müsst es ja nicht veröffentlichen. Irgendwann bekommt ihr ein Gefühl für diese Dinge und die Plastik und ihr entwickelt euch auch immer weiter. Dadurch erhalten eure Werke einen eigenen Stempel, eine eigene Seele. Es ist besser als einfach nur Fotos einzuscannen und in den Hintergrund zu packen. Das würde ich wirklich nicht empfehlen. Einige moderne Zeichenprogramme bieten zwar so viele Hilfsmittel und Tools, dass man sich alles vorzeichnen lassen kann. Ihr solltet aber stattdessen versuchen, beim Zeichnen an sich zu bleiben und vielleicht auch ein wenig von den digitalen Hilfsmitteln weg und hin zu traditionellen Handskizzen zu gehen.
Gibt es ein Wunschprojekt, das du unbedingt noch realisieren willst?
DF: Ich habe immer davon geträumt, einmal diese große epische, deutsche Fortsetzungsgeschichte mit vielen Charakteren zu machen. Also etwas in Richtung One Piece, das wirklich über mindestens 20 Bände Bestand hat und auch hoffentlich nicht am Publikum scheitert. In Deutschland ist das ja meist ein Problem, ich glaube fünf Bände sind bislang das höchste der Gefühle. Es soll keine Geschichte werden, die zu stark durch irgendetwas eingegrenzt ist, sondern eine Geschichte in der jederzeit etwas passieren kann. Etwas Ähnliches versuche ich ja bereits mit meinem Independent-Projekt 78 Tage auf der Strasse des Hasses in kleinem Rahmen und eher aus Jux zu machen. Für ein richtiges Epos würde ich schon lieber etwas Ernsthafteres anstreben. Mein Wunsch wäre, etwas für die Massen zu machen. Außerdem versuche ich auch in Zukunft auf meine Veröffentlichungen zu kommen und möglichst viele Leute damit zu erreichen. Dementsprechend wäre es schön, wenn weiterhin große Verlage Interesse zeigen – TOKYOPOP zum Beispiel. (lacht) Ich möchte grob gesagt einfach nicht in Vergessenheit geraten.
Du studierst Medienkommunikation an der TU Chemnitz. Was wolltest du als Kind werden und was planst du aktuell für deine berufliche Zukunft?
DF: Ohne Witz, am Anfang wollte ich Saurier werden. Ich glaube es war sogar ganz genau genommen ein Brontosaurier. (lacht) Dann lange Zeit nichts Bestimmtes, aber gewiss nicht Comic-Zeichner, das ist mal sicher. Und auch nicht Student. Ich fände es schön, wenn ich im Bereich Medien bleiben könnte. Ich habe meiner Meinung nach eine recht gute Ausbildung genossen. Dadurch, dass ich diese auch mit meinem Hobby und meiner gewerblichen Arbeit verbinden kann, denke ich, dass ich in einem Bereich wie Redaktion Fuß fassen könnte. Ich würde auch gern an der Uni bleiben und forschen. Ich habe ein Forschungsprojekt, das sogar in die Richtung Comic, Computerspiele und so weiter geht – frische, moderne Wissenschaft. Das würde ich ebenfalls gern weiterführen. Ursprünglich war es ein Projekt zu Fan-Service, da es dazu noch keine Literatur gab. Ich bin das Thema methodisch angegangen, habe wissenschaftliche Theorien entwickelt und eine richtige Definition zu Fan-Service aufgestellt. Darüber habe ich auch meine Abschlussarbeit geschrieben und einige Beispiele genannt – konkrete Formen. Das habe ich ausgebaut und beschrieben, wie zum Beispiel Medienproduzenten Fan-Service nutzen können, um eine Fanbase zu schaffen und Fandom-Prozesse zu initiieren. Dazu habe ich viele Interviews geführt mit verschiedenen deutschen Zeichnern, Nutzern von Animexx sowie Vertretern anderer Bereiche und gemeinsam mit Kommilitonen ein Projekt gestartet. Wir werten jetzt die motivationalen Aspekte aus, die dahinter stehen, zum Beispiel warum Zeichner Fanarts auf Animexx hochladen. Wir haben auch Mitarbeiter, die sich mehr für Computerspiele oder Youtube-Videos interessieren. Wir haben mittlerweile schon einige konkrete Ergebnisse gesammelt und es gab auch schon Interessenten, die diese Forschungsergebnisse für sich in Anspruch nehmen wollen. Ich denke, wenn wir das noch ausbauen könnten und dafür von der Uni gefördert werden würden, dann würde ich das auch gern weiterführen. Vielleicht mache ich auch noch meinen Doktortitel in dem Bereich. Ich baue auch viel aus meiner Forschungsarbeit in meine Zeichenprojekte ein. Alles, was ich bei Struwwelpeter im Bereich Fan-Service eingebaut habe, das basiert auf meiner Abschlussarbeit. Die Leser werden noch allerhand zum Diskutieren finden. Zum Beispiel diese Cameo-Gastauftritte, die ich erwähnt habe. Gewissenhafte Fans, die die Comics dreimal lesen und jedes Panel dreimal anschauen, sollten sie schon alle finden. Ich habe auch verschiedene „Eastereggs“ eingebaut: Es gibt einige Szenen, in denen Anspielungen auf andere Serien und Filme stecken. Es gibt viele Filmzitate, zum Beispiel zu Fight Club und Uhrwerk Orange.
Hast du neben dem Zeichnen noch andere Hobbys?
DF: Früher habe ich sehr viel Sport gemacht, auch im Verein. Ich hatte eine eigene Fußballmannschaft und war sogar mal Trainer einer Mädchenfußballmannschaft. Das ist leider alles durch meine Zeit an der Universität in die Brüche gegangen. Ich hatte einfach keine Zeit mehr dafür. Ich versuche aber trotzdem noch soviel Sport wie möglich zu machen, das hat immer noch Priorität gleich nach Uni und Arbeit. Dann kommt erst das Zeichnen, weil ich einfach ein schlechtes Gewissen habe, bei schönem Wetter drinnen zu zeichnen. Sonst haben meine Hobbys meist mit meinem Studium zu tun. Das gute an Medienkommunikation ist, dass ich fernsehen, Filme ansehen, Zeitung lesen, im Internet surfen und Musik hören und immer sagen kann: ich forsche! (lacht) Im Prinzip ist das auch mein Hobby. Ich belese mich im Bereich Medienwissenschaft, das ist ein großes Feld. Gerade moderne Phänomene, die immer wieder auftauchen wie virale Verbreitungen von Youtube-Videos und Prozesse in Fan-Szenen, von denen keiner richtig weiß, wie sie zustande kommen – das ist zum einen mein Forschungsprojekt und zum anderen interessiert es mich einfach.
Hast du ein bestimmtes Zeichnervorbild?
DF: Nein. Ich finde einige Lebenswerke sehr beeindruckend wie das von Frank Miller oder McFarlane aus den USA. In Japan entsprechend von Größen wie Toriyama. Die haben alle durchweg hervorragende Ware abgeliefert. Wenn ich das später auch von mir sagen kann und in 30 bis 40 Jahren auch nur ansatzweise so einen Erfolg haben werde, dann wäre ich mehr als zufrieden. Dass ich mich stilistisch an jemandem orientiere, wird es aber nicht geben.
Welche deutschen Zeichner magst du stilistisch?
DF: Wie gesagt, vor Melanie Schober habe ich großen Respekt. Mit einer Handvoll deutscher Zeichner wie Stella Brandner, Daniela Winkler und vielen mehr haben wir eine Art Gruppe gegründet, die sich „Sturm und Drang“ nennt. Unsere Aufgabe ist es, einen eigenen Manga-Stil zu finden, abseits der Stereotypen – eine eigene Identität zu schaffen. Das sieht man bei Melanie Schobers Personal Paradise. Es ist ein Shojo-Comic, also für mich schwer zugänglich, aber ich lese es trotzdem recht gern, weil sie sich traut, eigene Wege zu beschreiten. Sie macht eigene Charaktere, lässt die Geschichte in Deutschland spielen und die Figuren haben ganz normale, bodenständige Namen mit denen jeder etwas anfangen kann. Das sind zwar Kleinigkeiten, aber es ist die richtige Richtung, damit wir unsere eigene Zeichneridentität erhalten. Viele andere Comic-Kulturen, die sich an japanischen Mangas orientieren haben das bereits geschafft, in Deutschland sind wir noch nicht so weit. Viele Zeichner richten ihren Blick noch zu sehr nach Japan.
Welches ist dein persönlicher Lieblings-Manga?
DF: Ich habe sechs Mangas, die ich für alle Zeit gut finden werde. Da wird vermutlich auch kein siebter dazukommen. Davon sind folgende Titel unter den Top Drei: Dragon Ball muss jeder in seiner Liste haben, das ist einfach genial gemacht. Aber meine eigentlichen Favoriten sind Dr. Slump und Battle Angel Alita. Bei diesen Werken denke ich regelmäßig beim Lesen: Verdammt, ich will auch so genial sein!
Hast du zum Schluss noch eine Botschaft an deine Fans?
DF: Also in erster Linie immer schön aufessen und bei Tempo 50 in den vierten Gang schalten, der Umwelt zuliebe – und es spart Sprit. (lacht)
Wir bedanken uns für das Interview und wünschen dir weiterhin viel Erfolg!
Das Interview führte Sabine Rudert

(c) TOKYOPOP GmbH/ David Füleki
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Kommentare
Ich wollte damals ja mal Comics Zeichnen können. Mein erster Manga war Comics Zeichnen Lernen von Toriyama. ^^ Dann kam Dr. Slump. =)

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